es geht weiter
Ich freue mich, dass es weiter geht! In den letzten Tagen guckte ich häufiger mal nach einer neuen Erzählung.
Weiter so!
LG MIcha
Obwohl heute der dritte Tag auf der Autobahn vor uns liegt, fühlt es sich bedeutend fröhlicher an als gestern. Heute Abend sind wir in Kiel und wir können kaum erwarten, unsere Freundinnen Svenja und Claudia wieder zu treffen! Und außerdem haben wir morgen einen motorradfreien Urlaubstag, bevor wir nach Schweden aufbrechen. Diese Gedanken heben die Stimmung heute morgen beträchtlich!

Nach zwei Tagen Autobahn sind wir inzwischen zu der Erkenntnis gelangt: Man kann eine Transalp zwar fast überall fahren – aber man muss nicht überall Spaß dabei haben.
Es hat angenehme 20°C und die Sonne scheint milde vom dekorativ bewölkten Himmel, als wir unser Gepäck auf die Transalps schnallen. Den Gratiskaffee, den wir in der hübschen Gästeküche gezapft haben, nippen wir so nebenbei. Wir haben uns im "Schlösschen" so wohlgefühlt. Hoffentlich kommen wir bald wieder hierher! (Noch können wir nicht wissen, dass dies schon in wenigen Wochen sein wird...)

Um 9:40 Uhr geht es los. Wir rollen durch Alt Ruppin, vorbei an der dekorativen Kirche und durch Neu Ruppin. Wie die meisten Städtchen im ehemaligen Ostdeutschland hat auch dieses hier eine wechselvolle Geschichte, die sich an vielen alten Gebäuden ablesen lässt.

Wir gucken aufmerksam nach rechts, als wir am beeindruckenden Gebäude der "Polizei Neuruppin" vorbeirollen: Erbaut als preußische Kaserne, später Standort der Schutzpolizei, der NS-Wehrmacht und dann eine sowjetische Kaserne. Die "Polizei Brandenburg" feiert dort heuer ihr 25-jähriges Jubiläum. 130 Jahre deutsche Geschichte in einem Gebäude! Wenn diese Mauern erzählen könnten, hätten sie vermutlich ein dickes Buch zu erzählen, aber keines für einen gemütlichen Leseabend.
Es sind nur 15 km übers flache Land, vorbei an der CircleK-Tankstelle ("Was macht den unsere geliebte norwegische Tankstellenkette hier?!") und wir haben die Auffahrt zur A24 erreicht. "Hamburg" steht schon angeschrieben und wir nehmen die Auffahrt mit auffällig viel Schwung. Los gehts!

Die Hondas sind noch gar nicht richtig warmgefahren, da steht nach 40 km schon der massive Überkopfanzeiger, der die Autobahn teilt. Die A19 führt geradeaus nach Rostock (unsere gewohnte Strecke nach Dänemark!) und links gehts auf der A24 weiter Richtung Hamburg. Jetzt wirds spannend, diese Strecke fuhren wir noch nie! Vielleicht wird die Umgebung abwechslungsreicher?

Doch wir werden enttäuscht. Nahezu kurvenfrei führt die Straße übers flache Land. Nichts, woran sich das Auge festhalten kann. Aus den Augenwinkeln liest Angelika in der Karte "Agrarlandschaft Prignitz-Stepenick", ein Naturpark. Aha? Aber dennoch bleibt es eine öde Fahrt durch eine unspektakuläre Gegend! Vermutlich ist die Natur hier einfach besonders naturbelassen – sogar die Landschaft hält sich vornehm zurück und bleibt unauffällig.

Wir sind etwa 100 km gefahren, als wir Hunger bekommen. Es ist 11:00 Uhr und wir brauchen Frühstück! Die Tank & Rast-Station "Stolpe Nord" kommt gerade recht und wir kurven zügig bis vor den Eingang. Wir holen uns zwei formidable "Steinofen-Baguette mit gebackenem Huhn", Kekse und kalten Kaffee und schauen uns um. Wo ist hier ein schöner Sitzplatz?
Doch wir müssen noch ein paar Meter weiter fahren, der weitläufige Rastplatz ist da vorne! Die Temperatur geht auf die 30°C zu und wir hocken in der Sonne, denn Schatten gibt es keinen. Der kommt erst, als ein monströser Brummi genau neben uns anhält. Es zischt laut, als er die Druckluft ablässt und der Federspeicher seine Feststellbremse betätigt.

Normalerweise wollen wir bei Pause unsere Ruhe, aber das ist jetzt natürlich ein Volltreffer! Wir mampfen gerade unser Frühstück im Schatten, als der Fahrer herunterklettert und mit einem Energydrink in der Hand zu uns stiefelt. Das Treffen entpuppt sich als so denkwürdige gemeinsame Pause mit dem Rumänen, dass wir ihn auf unserer Seite "Begegnungen" extra erwähnt haben! Aber lest selbst darüber.
Wir sitzen hier länger als geplant und müssen nun ein wenig Gas geben. Unser kleines Thermometer zeigt 32°C, als wir über die A24 weiter brausen. Die flache Landschaft zieht an uns rasch vorüber, ab und zu ein kleines Wäldchen, das aber mit seinen kleinen Bäumchen beim mittäglichen Sonnenhöchststand keinen Schatten bietet. Die Gegend scheint einsam und völlig unbewohnt zu sein!

Aus den Augenwinkeln erkennen wir rechts ein handgemaltes großes Transparent, das jemand gut sichtbar in den Bäumen drapiert hat. "58 GERMANIA" können wir entziffern. Was das wohl bedeutet? Erst zuhause werden wir recherchieren, dass hier ein politischer Protest zum Ausdruck kommen soll, wonach die Regierung ihren Amtseid (Art. 58 Grundgesetz) gegenüber der Heimat "Germania" verletze.

Sind wir eigentlich noch in den - nicht mehr ganz so - "neuen Bundesländern"? Da steht plötzlich das Schild am Straßenrand: "Ehemalige innerdeutsche Grenze 1945-1990". Gefolgt vom hellblauen schleswig-holsteinischen Willkommensplakat vom "echten Norden". Wir können uns ein Grinsen nie verkneifen, wenn wir das lesen. „Der echte Norden“ – das muss man sich erst einmal trauen, wenn Dänemark, Schweden und Norwegen gleich nebenan liegen.
Nach nur 10 Minuten wedelt Angelika mit der linken Hand das Zeichen für "Pause". Wir fahren seit über 20 Jahren ohne Kommunikationssystem im Helm, unsere Handzeichen funktionieren immer zuverlässig! Da vorne ist ein Parkplatz - schön mit schattigen Bäumen wie es in Deutschland meist (und in Österreich nie!) der Fall ist: "Rastplatz Tramm". Warum die fragwürdige Toilette hier einen eigenen Google-Eintrag hat, erschließt sich uns nicht. Aber offenbar kann man inzwischen wirklich alles bewerten. Vielleicht war jemand einfach besonders von diesem Klo beeindruckt?
Wir trinken im Schatten die letzten Reste unseres Kaltgetränks und gucken mal in die Karte. Wir wollen Hamburg östlich weit umfahren und die Großstadt rückt schon gefährlich nahe. Bloß nicht in das Autobahn-Wirrwarr hineingeraten! Wir entscheiden, bei der Ausfahrt "Schwarzenbek-Grande" in den Norden abzubiegen. Boah, es ist heiß geworden! In der Sonne halten wir es bei 33°C nur sehr schlecht aus, stellen wir fest, als wir verschwitzt wieder auf die Transalps klettern.
Nur 10 Minuten geradeaus auf der A21 und plötzlich ist "Kiel" erstmals angeschrieben. Kiel! Wir freuen uns und kurven schwungvoll zwischen niedrigen Bäumchen und Gebüsch ´runter von der ungeliebten Autobahn auf die B404: Luftlinie gen Norden. Hoffentlich ist das ein wenig abwechslungsreicher zu fahren? Es sind noch fast 100 km, vielleicht schaffen wir das ohne Pause?

Sagen wir so: Wer spannende Straßenführung, Kurven, spektakuläre Landschaften sucht, ist in Schleswig-Holstein falsch. Die Bundesstraße zieht sich in langen Schwüngen über eine flachhügelige Landschaft, ab und zu kleine Baumgruppen, ab und zu ein paar glänzende Pferde auf der Weide.
Doch wir bilden uns ein, das Meer bereits zu riechen, das irgendwo da vorne liegen muss und ziehen engagiert am Gas und lassen die Hondas dahinfliegen!
Die langweilige Gegend könnte auch im östlichen Österreich stattfinden, doch für uns fühlt sie sich fremd an. Schuld daran sind die Ortsnamen, die wir während der rasanten Fahrt aufschnappen! Grönwohld, Wolkenwehe, Negernbötel und Trappenkamp klingen ungewohnt für unsere Ohren. So würde in unserer Heimat kein Dorf heißen.
Wir sind vollständig zufrieden mit "Vierzehn" und "Hühnergeschrei"! Der von schlichter Schönheit geprägte Name "Fucking" erreichte sogar internationale Bekanntheit.

Schon haben wir Kiel erreicht und kurven konzentriert durch die "Sailing City". Es ist Punkt 15:00 Uhr, als wir bei unserem schönen B & B mitten in der Kieler Altstadt halten. Die letzten Kilometer durch die Stadt haben wir uns auf Googlemaps verlassen, den von dieser Richtung kamen wir noch nie in die hübsche Landeshauptstadt. Verfahren wollten wir uns bei dieser Hitze nicht.

Wir rechnen: 5 1/2 Stunden für knapp 300 km? Nicht schlecht! Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 55 km/h! Für einen Tag, der aus Autobahn, Hitze und der Suche nach Kaffee im Schatten bestand, eine durchaus respektable Leistung.

Der eigentliche Höhepunkt des Tages wartet jedoch noch auf uns! Die Transalps ruhen längst neben der legendären "Greeny" in der Tiefgarage, als wir einen sensationellen Abend mit unseren Freundinnen Svenja und Claudia verbringen. Der Tisch biegt sich vor Köstlichkeiten, der Weinkühler läuft, der Griller dampft engagiert und wir feiern bis spät in die Nacht unsere glückliche Anreise. Morgen haben wir motorradfrei! Keine Autobahn. Keine Tankstelle. Kein Google-Navi. Keine Baustellen. Keine LKWs. Nur Kiel, unsere Freundinnen und ein ganzer Tag Urlaub. Das Leben kann so schön sein!

Tageskilometer: 290 km
Hier gehts endlich Richtung Schweden: >> klick
Ich freue mich, dass es weiter geht! In den letzten Tagen guckte ich häufiger mal nach einer neuen Erzählung.
Weiter so!
LG MIcha
ein lustiger bericht über eine langweilige autobahnfahrt. taugt mir! ja, mit hühnergeschrei und bad fucking haben wirs geschafft. :-)))
dlzg
der rider
Seit 25.5.2018 gilt die EU-DSGVO iVm DSG 2018. Gemäß Art.2(2)2c der EU-DSGVO findet diese Verordnung keine Anwendung auf die Verarbeitung personsbezogener Daten durch natürliche Personen zur Ausübung persönlicher oder familiärer Tätigkeiten. Diese Website ist eine rein persönliche und nicht-kommerzielle Seite und wird von keiner juristischen Person betrieben.
Wir bieten keine Mitgliedschaften, keinen Mitgliederbereich und verschicken keine Newsletter.
Es gibt keinen Online-Shop, wir haben keine Kunden und nichts zu verkaufen. Die Website ist werbefrei.
Dennoch ist uns der Schutz ihrer Daten ein Anliegen. Bitte lesen sie unsere ausführliche Datenschutzerklärung!