2. Tag: Landsberg/Lech - Lörrach

Wir haben großartig geschlafen! Nachdem wir unser ganzes Zeug zusammengepackt und drei Stockwerke hinuntergeschleppt haben, machen wir es uns im Frühstücksraum gemütlich. Leute, dieser Frühstücksraum hat es in sich! Möbel aus dem Paris der Jahrhundertwende, liebevollst dekorierte Accessoires und eine Präsentation der selbstgemachten Leckereien, die ihresgleichen sucht! Ein großartiges Sonntagsfrühstück wird uns hier geboten! Wir wollen hier lange nicht weg, zumal es draußen schon wieder (oder immer noch?) nieselt.

Unter den neugierigen Blicken der anderen Gäste kämpfen wir uns ins Regengewand, bevor wir im strömenden Regen das schöne Haus verlassen und auf die Transalps klettern. Mit 12°C ist es nicht zu warm, als wir Landsberg auf der B96 verlassen. Unsere Laune könnte besser sein! Das Wetter hilft nicht mit und wir haben noch nicht in den Urlaub gefunden, zumal die Anreise nach Frankreich über Lörrach eigentlich großteils mit der ÖBB geplant war. Nun, das war eines der zahlreichen Stornos...

Die nächsten 75 km bis Aichstetten sitzen wir stur ab. Die Gegend ist unspektakuläres, flaches Landwirtschaftsgebiet. Bei Angelika regnet es beständig ins Visier ihres Shoei Neotec II und bei Didi gibt ein Stiefel langsam auf. Verdammt! Alles ist nass und ungemütlich! Beim großen Autohof reicht es uns und wir retten uns ins Trockene. Was für eine Fahrt!

Es schüttet in Strömen, während wir unter dem Tankstellendach eine heiße Schokolade schlürfen und missmutig hinausschauen. Angelika hat eine Packung Microfasertücher gekauft, um das Notwendigste trocken zu legen. Der Himmel ist eine amorphe, dunkelgraue Masse, was erfahrungsgemäß keine Wetterbesserung ankündigt. Es dauert eine Zeit, bis wir die Motivation haben, weiterzufahren...

Bei Lindau stossen wir an den Bodensee. Von dieser Strecke am Seeufer haben wir uns bei der Planung viel versprochen! Jedoch bei diesem Unwetter hat eine schöne Seerundfahrt keine Chance und wir bleiben auf der B31, die in einiger Entfernung zum See nordwestlich verläuft. Ab und zu erkennen wir den Bodensee, aber die meiste Zeit konzentrieren wir uns auf den starken Verkehr, der die Regenfahrt nicht angenehmer macht.

Wir brauchen schon nach 60 km wieder dringend Wärme und einen Kaffee! Die Temperatur ist längst auf "einstellig" gesunken, als wir bei Kressbronn am Bodensee eine Tankstelle entern. Das viel zu dürftig bemessene Dach bietet gerade Schutz für zwei Transalps und weitere zwei Motorräder. Eine Gruppe Belgier, die nach uns eintrifft, muss leider weiterfahren, wollen sie nicht im strömenden Regen stehen. Tut uns leid, Jungs! So deprimierend wie das Wetter ist auch diese Raststation "REWE to go". Trotzdem verziehen wir uns in den hintersten Winkel des lieblosen Sitzbereichs, um zwei Becher heiße Schokoladen zu leeren.

Hier finden wir uns mit unserem Schicksal ab: Das ist heute eine reine Überstellungsfahrt von A nach B, keine Urlaubsfahrt. Ok, soll so sein! Immerhin hat es Plusgrade! So schlimm wie so manche Tage in Norwegen 2019 wird es nicht werden. Das hier ist nur unangenehm, kein Problem. 

Trotzig treten wir den 1. Gang ins Getriebe und fahren weiter. Wir halten stur auf Kurs und erreichen das nördliche Ende des großen Binnensees. Es macht einfach keinen Sinn, nach schönen Straßen zu suchen, wenn man die Umgebung vor lauter "liquid sunshine" nicht erkennt!

Beim "Kreuz Hegau" halten wir kurz unter einer Autobahnbrücke im Trockenen und besprechen die Lage. Egal, wir wollen nur mehr weiterkommen! Deshalb wechseln wir auf die B81, die den Charakter einer Autobahn besitzt und geben Gas. Nach nur 15 km erkennen wir im letzten Moment eine große Tankstelle: "Hegau". Die letzte längere Pause ist bereits 80 km Vergangenheit, als wir die beiden Hondas schwungvoll vor dem Eingang einfangen. Wir brauchen unbedingt eine kurze Auszeit und Kaffee, Kekse, Schokolade!

Wild entschlossen, diese furchtbare Fahrt in den Urlaub zu genießen, holen wir Kaffee, Kuchen und einige Kleinigkeiten an der Selbstbedienungstheke und stiefeln tropfnass in den winzigen Aufenthaltsraum im Hinterzimmer. Ein Unglücklicher, der sein Schicksal noch nicht wahrhaben will, hofft hier vergeblich auf eine glückliche Wendung am lärmenden Spielautomaten. Er nimmt uns kaum wahr, als wir uns an einem großen Tisch ausbreiten.

Sogar der Regenschutz des Tankrucksacks hat aufgegeben! Unsere Karte ist abgesoffen und die brauchen wir noch! Mit stoischer Miene trocknet Angelika unser "Papier-Navi" und repariert notdürftig mit Klebeband, während wir Kaffee und etwas Süßes für die Seele verdrücken.

Unsere erste Fahrt durch den berühmten Schwarzwald haben wir uns anders vorgestellt! Vom Titisee sehen wir nur unscharfe Schemen im Nebel, als wir auf der B500 weitercruisen. Die Sicht geht gegen Null. Nanu! Uns scheint, es geht nun bergauf? Die Straße scheint schmäler zu werden und tatsächlich gibt es auch die ein oder andere sanfte Kehre. Wie hoch sind wir hier? Na hoffentlich schneit es dort oben nicht!

Die Temperatur ist auf 4°C gesunken, als wir - Überraschung! - plötzlich durch ein Skigebiet fahren. Die verlassenen Liftanlagen ergeben ein trostloses Bild im grauen Starkregen und auf diesem kleinen Pass sind die Wirtshäuser geschlossen. Erst später werden wir lesen, dass wir in Feldberg Deutschlands höchstgelegenes Dorf durchquert haben! Nun, knapp 1.200 m sind für uns eine unauffällige Seehöhe und die Fahrt ohne Aussicht war recht unspekakulär.

In Todtnau machen wir eine letzte kurze Rast. Es nieselt nur mehr leicht, dafür wird es immer kälter. Na irgendwas ist ja immer! Erst auf den letzten 40 km hört der Regen endlich auf und wir cruisen durch ein schmales Tal. Wir kurven gemächlich neben der Wiese durch "Vorderösterreich" Richtung Lörrach. Die Wiese heißt der kleine Fluss, der das hübsche kurvenreiche Tal in die Landschaft gefräst hat und tatsächlich war diese Gegend vor langer Zeit mal Österreich.

INFOBOX:

Das habsburgische Österreich besaß im 19. Jhdt. manche Gebiete im heutigen Bayern. Vorderösterreich ging 1805 auf Grund von Napoleons Sieg in Austerlitz an die Königreiche Bayern und Würtemberg und einige deutsche Herzogtümer.
Wie nachzulesen ist, brauchte es viel Überzeugungskraft, die "Neuen Bayern" von ihrem Königreich zu überzeugen und zB die österreichischen Wappen und Landesfarben abzugeben. Breisgau-Hochschwarzwald wurde als Landkreis vor etwa 50 Jahren gebildet, das österreichische Wappen wurde in das eigene Hoheitszeichen integriert.

Es ist 18.30 Uhr, als wir unsere Unterkunft in Lörrach erreicht haben. Ziemlich durchfroren beziehen wir unser kleines Zimmer und drehen alle Heizkörper auf Vol. 10, um Handschuhe, Stiefel, Buffs und andere Klamotten zu trocknen. Meine Güte, was war das für eine Fahrt!

Dennoch - als wir heiß geduscht und uns erholt haben - spazieren wir noch zum Bahnhof, dessen Imbiss-Stand in manchen Reiseberichten eine tragende Rolle spielt. Heute abend ist alles verlassen und stillgelegt. Irgendwann werden wir hier mit Freunden frühstücken und dann gemeinsam unsere Reise beginnen!

 

Unser Abendessen finden wir bei einem guten Griechen im Erdgeschoß unseres Hotels. Das Essen schmeckt ganz fantastisch und wir sind wirklich ausgehungert. Es ist kalt geworden, als wir uns ins Zimmer verziehen und ziemlich schnell schlafen gehen. Morgen ist ein neuer Tag! Unsere Wetter-App ist optimistisch...

Tageskilometer: 330 km

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Der 2. Tag machte es uns nicht leicht, oder?

regen?

na das is maln pech gewesen. es ist nicht lustig eine reise so zu beginnen! wir waren zu dieser zeit in dänemark unterwegs und da war durchgehend sonnenschein.
bin gespannt wie es weitergeht!

lg vom rider

Antw.:regen?

Hi!
Sonnenschein? *hmpfff*
Liest du weiter mit. Auch bei uns wurde es schnell viel besser.
LG Geli

Optimismus

Danke für's Mitreisen und Mitleiden...! Aber bald......gehts bergauf.
"Tropfen tropfen an die Visiere, klopfen klopfen wie Vampire, denke oha ist o schreck, wie bei Noah Himmel leck".
Aber der See ist durchschwommen und das Ufer erreicht.

In Bälde grüßt der dritte Tag.....

Der Regen

Ihr Lieben,

Bei so einem Wetter summe und singe ich manchmal lauthals in Endlosschleife aus dem Campingl Leed aus dem Jahr 1954:

Un et rähnte wie en Bies en de Zupp und op d‘r Kies...

@ Svenja

Do laachs do dich kapott dat nennt mer Camping,
da laachs do dich kapott, dat fingk mer schön.
Wenn im Zelt de Möcke und Hummele dich verjöcke,
Un do kanns dann nit eraus em Rähn...

Es lenkt etwas ab und hebt die Stimmung.

Dennoch ich leide mit euch.

Drück Euch und es werden bessere Tage kommen.

Liebe Grüsse Heike

Antw.:Der Regen

Wenn du auch noch verrätst, welche Sprache das ist, dann kann ich testen, ob mein Googletranslate-Button das übersetzen kann. :-)))

Singen im Helm? Nö, mach ich eigentlich nicht. Aber ich fluche in den Helm, schimpfe lautstark, hasse alles und manchmal flenne ich in meinen schönen Shoei. Je nachdem, was hilft. :-)

Liebe Grüße,
Geli

Antw.:Antw.:Der Regen

Rheinischer Dialekt.

LG Heike

Klasse....

.... Wie ihr dem Wetter trotzt mit allerlei Leckereien! Is wie's is. Hinnehmen und das Beste draus machen. Hoffe der Wettergott hat zügig erbarmen! Bin gespannt auf den nächsten Tag!

Nordischen gruß
Wibi

Antw.:Klasse....

Oh, solche Tage überlebt man nur mit Pausen und Süßigkeiten. :-) Damit die Urlaubslaune nicht komplett absäuft.
Aber wurde ja dann viel besser. Viel besser!
Grüße aus Wien!
Geli

Nass und grau

Regen, Regen, Regen. Und dann noch Wassereinbruch im Kartenfach. Den Bodensee hab ich übrigens auch ausschließlich als nass, grau, regnerisch in Erinnerung. Da zieht es mich nicht mehr hin, obwohl ich "WaPo Bodensee" total gern sehe :-)

Der Imbiss in Lörrach. Menno. Schöne Erinnerungen. Wie viele Stunden hab ich da schon gestanden und auf den Autozug nach Hamburg gewartet. Eines Jahres will ich da wieder stehen und frühstücken. *seufz*

Ich freu mich auf eure Einreise nach Frankreich und kann kaum abwarten, wie es sich entwickelt.

Lieben Gruß
Svenja

Antw.:Nass und grau

Dieser Tag ist völlig abgesoffen und auch Lörrach war trübe und finster und einsam. Irgendwann einmal stehen wir im Sonnenschein bei Thomas und frühstücken! Auf jeden Fall!
Geli

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zuletzt aktualisiert am 29.10.2020