Gestern war ein legendärer Urlaubstag im Camp Hautoreille! Wir haben fast drei Stunden lang auf der blumenumrankten Terrasse des Camp-Restaurants gefrühstückt und einander unsere Reiseerlebnisse erzählt! Welchen Luxus haben wir gesehen, wie haben wir manchmal gefroren ... und Svenja ist sogar mal im Hagelunwetter abgesoffen!

Den ganzen Nachmittag sind wir auf unserer hübschen Zeltterrasse gehockt. 33°C waren zu heiß für eine Besichtigung von Langres. Uns geht der Gesprächsstoff mit unserer Freundin niemals aus! Unsere Käseplatte, Rotwein und Kekse waren die perfekte Vorbereitung auf das Abendessen im Restaurant! Meeresfrüchte für die Damen, Bratwurst mit Pommes für Didi, Minz-Eis und vieles mehr.

Nur beim Wein haben wir gespart, denn am nächsten Morgen geht die Fahrt weiter! Svenja ging gewohnt früher schlafen als wir und wir haben noch lange den aufsteigenden Mond über dem Zeltplatz bewundert. Wir sind so verdammt gerne hier!
Heute ist Abreisetag, Donnerstag, der 12. Juni und der 24. Tag unserer Tour! Wir hatten während der letzten drei Wochen keine Lust mehr auf die Unannehmlichkeiten und den Ärger eines Autozugs und haben die ÖBB-Tickets Feldkirch - Wien spontan storniert. Lieber fahren wir die 1.000 km selbst. Zwei Zwischenquartiere waren schnell gebucht, zumal uns jenes in Lörrach gut gefallen hat.
Svenja und wir haben den gleichen Weg nach Lörrach, denn sie nimmt den UEX-Autozug nach Hause. Weil so oft die Frage kommt: Fahrt ihr gemeinsame Touren? Nein, tun wir nicht! Unsere Abläufe und Bedürfnisse sind zu verschieden. Die Gefahr, dass es jemandem keinen Spaß macht, ist durchaus gegeben.
Außerdem bollert Svenja mit ihrer schönen GB350S namens "Bleue" bereits reisefertig zu unserem Zelt, als Angelika noch bettwarm zu den Gemeinschaftsduschen latscht. Nach einem schnellen Abschiedskaffee ("Tschüss, bis bald auf Møn!") fegt sie vom Platz und hinterlässt neben einer Staubwolke auch kopfschüttelnde Landsleute, die aus ihrem Wohnmobil gucken.
(Wie Svenja ihren letzten Fahrtag erlebt hat, lest ihr hier: >> klick)
Der Hochsommer in Frankreich hat seit Ende Mai deutlich zugelegt. Es hat am frühen Vormittag schon 23°C und es wird schnell wärmer. Wir haben für den Rückweg nach Lörrach keinen besonderen Plan. Wir hoffen nur, einen schönen Abschluss für Frankreich zu finden.

Wir verlassen das Camp um 10:30 Uhr und Benjamin winkt uns von seinem kleinen Rasentraktor zu. So ein netter Typ! Die D35 über Andilly führt uns vorbei an der gallo-romanischen Villa zur D417 auf die Hochebene. Ein letzter Blick zurück nach Langres und los gehts! Die Bar-Tabac in Bourbon-le-Bains lassen wir links liegen, die besuchen wir traditionell nur bei der Anreise. Wir bollern über die immer gleichen Ebenen, hier gibt es für uns nichts Besonderes zu sehen.
Es geht zügig durch ein uraltes Steindorf nach dem anderen. Viele werben mit ihrem Ursprung im 16. Jhdt. und die Häuschen haben vermutlich seit ihrer Errichtung keinen neuen Anstrich erhalten. Wir brauchen mal eine Pause, denn es hat schon 30°C° Nach 60 km rollen wir in Vauvillers an den Straßenrand. Eine kleine Bar-Tabac hat zwar offen, aber kein Frühstück. Nach einem schnellen Kaffee müssen wir weiter. Es ist heiß, staubig, die Ebenen der Region Bourgogne-Franche-Comté bieten keinerlei Schatten, als wir bei 33°C die Schnellstraße N57 erreichen. Wir haben Hunger und wir freuen uns auf ein kleines Frühstück bei unserem Lieblingscafé im Kreisverkehr nach Luxeuil-les-Bains!

Doch manchmal läuft es aus dem Ruder und als Angelika endlich den Kreisverkehr scouten will, sind wir schon lange daran vorbei. Verdammt! Große Enttäuschung! Wo kriegen wir jetzt ein Frühstück her? Ab Lure halten wir die Augen offen. Wir haben keine Hoffnung, in den winzigen Dörfern ein offenes Lokal, oder überhaupt ein Lokal zu finden. In Ronchamp? Das ist etwas größer und wegen der Kapelle des Säulenheiligen französischer Architektur Le Corbusier auch ein bissl touristisch!
Das wird wohl stimmen, aber in den Fremdenführern steht nicht, dass das einzige Café "Le Joussy" um Punkt 13:00 schließt. Es ist 12:59 Uhr, als wir dort eintreffen. Man sperrt uns die Türe vor der Nase zu und wir stehen enttäuscht in der Hitze. Was ist das heute nur für eine verflixte Fahrt! Ob Svenja schon in Lörrach auf den Autozug wartet? Wir gucken ab und zu nach einer hübschen blauen GB350S aber wir haben sie nie eingeholt!
Wir denken mal scharf nach. Ist kurz vor Belfort nicht noch eine Bäckerei? Rechts, neben dem Supermarkt? Da war doch was? Zügig kurven wir nun über die kleine Landsstraße, links und rechts erstrecken sich Felder bis zum Horizont. Ab und zu langweilen sich ein paar Kühe auf ihrer Weide. Wir treffen in Châlonvillars ein, einem kleinen Vorort der alten Garnisons- und Festungsstadt Belfort.

Kaum parken die Transalps vor der Bäckerei, stehen wir schon bei der Kassa. Wir haben den netten Mädchen den gesamten Vorrat an Mini-Quiches und Schinken-Weckerl aufgekauft, und noch was Süßes, das man bei uns "Windbäckerei", hier aber Meringue, nennt. Um 15:00 Uhr endlich Frühstück! Wir sitzen lange vor dem Geschäft und beobachten Menschen in Trainingsanzügen, Arbeitskleidung oder Kittelschürzen, wie sie ihre Einkaufstaschen in betagte Peugots oder verbeulte Renaults hieven. Ist vermutlich keine besonders reiche Gegend hier.
Dass die Fahrt uns heute Spaß macht, wäre übertrieben. Jeder Kilometer bringt uns näher an Zuhause aber weiter weg von Frankreich. Wir schaffen es problemlos durch Belfort, was nicht selbstverständlich ist. Was haben wir bei der Anreise hier gefroren! 34°C zeigen unsere Thermometer, das ist Rekord für diese Reise!

Wir haben es nicht eilig, die deutsche Grenze zu überqueren und machen in Tagsdorf nochmal Pause. Wir sind nun im Elsass angelangt und die grauen Steinhäuser wurden längst von hübschen Fachwerkshäusern abgelöst. Doch, hier gefällt es uns! Das teure Restaurant La Couronne bietet ein paar Tischchen am Gehsteig und das freundliche Mädchen findet es völlig normal, dass wir nur kalte Getränke und ein Eis wollen.
Die netteste Geste kommt allerdings vom Chef selbst, der uns ungefragt zwei große - und eiskalte - Flaschen Mineralwasser für die Weiterreise schenkt. Was für ein sympathischer und lieber Typ! Mittlerweile herrscht brütende Hitze, als wir wieder auf die Transalps klettern. Noch 30 km bis Lörrach!

Der Verkehr wird stärker, je näher wir der Grenze am Rhein kommen. Angelika hat nun Googlemaps aktiviert. Wir haben uns schon zu oft in Lörrach verfahren! Diesmal finden wir den Weg über Weil am Rhein und wir erreichen unser hübsches Quartier um genau 16:30 Uhr. Wir haben wie bei der Anreise Zimmer Nr. 1 und diesmal wissen wir schon, wie alles hier funktioniert und wo die kalte Dusche ist!
Später am Abend telefonieren wir noch mit Svenja. Sie ist gut am Bahnhof angekommen und hat die Unfreundlichkeiten des Zugpersonals gut überstanden. Morgen früh wird sie schon in Hamburg sein, während wir die zweitäge Heimreise fortsetzen. Diese Tour findet für uns spontan ohne Autozug statt, wir haben die Tickets spontan storniert! (Zu groß war der Ärger bei der letzten Fahrt im Vorjahr.)

Wir gehen heute essen, mal sehen, was Lörrach zu bieten hat! Das "Alt Stazione" am Hauptplatz spricht uns an und noch mehr gefällt uns die Mega-Tapasplatte "Madrid", die wir hier bekommen. Es ist ein lauer Sommerabend, den wir später noch mit einem Kaffee auf unserer schönen Terrasse beenden. Gute Nacht!
Tageskilometer: 225 km
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