3. Tag: Gedser - Stubbekøbing - Møn

Pures Glück! Wir sind in Dänemark und eine ganze Urlaubswoche liegt vor uns! Die Sonne blinzelt beim Fenster herein, wir sind ausgeschlafen und gucken noch unter der Bettdecke auf die sauber weißgekalkte Mauer des hübschen Vierkanthofes und auf ein paar bunte Blumen. Aus der Küche hören wir fröhliches Stimmengewirr und wir schnuppern den betörenden Duft von gebratenem Speck.

Nur Minuten später sitzen wir an einem hübschen Tisch, der aus rohem Holz gezimmert ist. Wir erhofften nur ein kleines Frühstücksbuffet, aber eine rundliche Köchin schwingt lachend schwere gußeiserne Pfannen, die sicher zur Anfangsausstattung dieser wahrlich historischen Küche gehören. Sie macht uns auch Rührei mit Speck! Ein wenig erinnert sie uns an Mrs. Patmore, die in Downton Abbey in einer ganz ähnlichen Küche gewerkt hat.

Nachdem wir uns am Buffet sattgegessen und unser Zeug zusammengepackt haben, sitzen wir noch lange im Innenhof mit einer Tasse Kaffee und Saft und schauen in die Gegend. Es ist so wunderhübsch hier! Was für ein Premiumplatz! Erst um 10:30 Uhr reisen wir ab. Wir haben schließlich heute noch etwas vor. Marielyst, wir kommen garantiert wieder!

Obwohl man sich auf der Insel Falster wohl kaum verirren kann, schauen wir aufmerksam in die Karte. Zu klein und zu ähnlich sind die schmalen Güterwege, die uns ans östliche Ende der Insel bringen.

Wir kommen an zahlreichen winzigen Bauernhöfen vorbei, die sich stolz über das flache Land verteilen. Unsere Transalps bollern unaufgeregt dahin. Sie sind nicht nur fürs Dahinrasen auf deutschen Autobahnen geeignet, sie machen sich auch im Spazierbetrieb ganz wunderbar und mit 3,5l/100km Verbrauch werden sie uns nicht die Haare vom Kopf fressen!

In Gedanken versunken rollen wir am Ortsschild von Stubbekøbing vorbei. Halt! Stopp!! Fast gleichzeitig werfen wir Anker. Da war doch was! Schon seit wir die Insel kennen, schon seit ein paar Jahren haben wir den Plan, das Motorradmuseum hier zu besuchen! Nie haben wir es geschafft, immer war etwas. Aber heute ist dieser Tag! Da vorne ist es schon!

Ein sportlicher Schlenker und schon halten wir am Parkplatz hinter dem "Danmarks Motorcykel Museum". Es ist Sonntag, kurz vor Mittag und einige dänische Motorradfahrer stehen schon da und plaudern Benzin. Wir werden sofort bemerkt! Das liegt weniger an unserem ausländischen Kennzeichen als an den noch druckfrischen Honda Transalps, die wir stolz unser eigen nennen. Noch gibt es nicht so viele auf den Straßen und sie sind ein Hingucker, wo immer wir ankommen.

Ein wenig aufrechter als üblich schlendern wir ins Museum. Der Eintritt kostet 9.-/pP und für das, was man hier seit fast 50 Jahren geboten bekommt, ist das lächerlich wenig! Abgesehen vom gratis Kaffee an der Kassa. Über 200 Motorräder, das älteste aus 1904 stehen hier blank geputzt und warten auf Bewunderer. Andächtig schreiten wir die langen Reihen ab. 500 cm³ auf 1 Zylinder von Peugeot? Meine Güte, was muss das vor 120 Jahren für ein Höllenritt gewesen sein!

Das Museum ist überaus liebevoll gestaltet, hier spürt man das Engagement der gealterten Benzinbrüder, die dieses Haus führen. Wir sind begeistert und mit einem letzten Pappbecher Kaffee schlendern wir wieder zu unseren Hondas. Die Dänen grüßen lässig ´rüber, als wir uns mit dem sonoren Bass von 750cm³ vom Acker machen.

Stubbekøbing! So wie immer hier, ist der winzige Hafen unser Ziel! Die uralte Fähre "Ida" zieht hier seit Jahrzehnten ihre Runden, immer hinüber nach Bogø und zurück. Wir haben Glück, es ist kurz vor 12:00 Uhr und als wir am Anleger halten, tuckert auch schon das betagte Schiff herein. Das Nageln des alten Dieselmotors war weithin hörbar.

Trotz aller würdevollen Tradition, dass der Kapitän die Gebühr persönlich kassiert hat, diese Zeiten sind vorbei. Nun wartet ein nüchterner Ticketautomat am Anleger auf Gäste. Der Kapitän bemerkt unser Zögern, schlendert gemütlich zu uns und zieht für uns zwei Tickets á 9.- aus der Maschine. Weil Angelika voriges Jahr so einen Anschiss bekommen hat (Radfahrer haben hier Vorrang, jetzt wissen wir das auch!), stellen wir uns demütig ganz ans Heck und verzichten auf den besten Platz am Parkett.

Aus der gemütlichen Überfahrt wird jedoch nichts! Der Grønsund zeigt heute Muskeln und es herrscht ein Seegang, der seinesgleichen sucht.

Wir trauen uns nahezu keine Sekunde, unsere schönen Transalps loszulassen. Und ein paar Mal hätte das fast nicht ausgereicht. Zum Glück ist das Desaster in 15 Minuten überstanden und wir rollen etwas zerzaust in Bogø an Land.

Bei einer Limonade besprechen wir uns kurz. Um 12:30 klettern wir auf die Hondas und los gehts! `Rüber über den Damm auf die Insel Møn und weiter in Richtung Stege.

Hier brauchen wir keine Karten mehr, wir kennen den Weg in- und auswendig und geben ambitioniert Gas! Es ist sooo schön, wieder hier zu sein! Wir jubeln in unsere Helme, als wir die wuchtige Kirche von Stege vor uns erkennen. Es fühlt sich fast an, wie "nach Hause" zu kommen. Reichlich absurd, nicht wahr?!

Schnell noch zu Superbrugsen abbiegen, rechts vor der Brücke! Der Mega-Supermarkt im Vorort Lendemarke ist wie immer unser erstes Ziel. Wir brauchen Jause fürs Abendessen! Und wir brauchen diesmal mehr Jause als sonst! Doch - verdammt! - wo ist Superbrugsen? Da steht nur ein Coop! Haben wir das falsch in Erinnerung? Wir stiefeln enttäuscht hinein nur um festzustellen, die einzige Änderung betrifft das Firmenschild. Alles ist gut!

Als wir nur Minuten später durch die hübsche Hauptstraße und das mittelalterliche Stadttor (übrigens eines von zwei in ganz Dänemark!) rollen, sind wir froh, jeden Winkel unserer Topcase mit Essen gefüllt zu haben: Es ist Sonntag und Slagter Stig hat geschlossen! Nun gut, wir sind ja noch länger da...

Nun aber keine Verzögerung mehr! In Dänemark herrscht grundsätzlich 80 km/h Höchstgeschwindigkeit. Gilt notfalls die Ausrede, dass wir noch nicht an die diskrete Power unserer 92 Pferde gewohnt sind und das Tempo oft unterschätzen? Oder wäre das für die Polizisten, die hier 1x/Monat zwei Stunden Sprechstunde halten (mehr Polizei braucht Møn nicht!), nur eine blöde Ausrede vergnügungssüchtiger Touristen?

Wir düsen über flaches Land, vorbei an der wunderbaren Elmelunde Kirke und der düsteren Borre Vejkirke, der kurvige Weg führt in seichten Schwüngen etwas bergauf und bergab. Links und rechts erahnt man die Ostsee, denn Møn ist nur sechs Kilometer breit! Kleine Bauernhöfe mit roten Dächern, schwarzweiß gefleckte Kuhherden und das saftige Grün einer Insel im Norden. Alle Farben Dänemarks auf nur 20 Kilometern!

Es ist pünktlich 13:30 Uhr, als wir die steile Zufahrt zur Rezeption des Camp Møns Klint hinauftuckern. Angelika hat sich bereits während der Fahrt den Hals verrenkt und grinst nun glücklich in ihren Helm. Sie hat das kleine grüne Zelt und die hübsche giftgrüne Kawasaki KLX entdeckt, die da drüben am Hang stehen.

Schnell eilt sie in die Rezeption und erledigt die Formalitäten für die Hütte Nr. 5. Die hatten wir schon beim ersten Besuch hier, klasse!

Während sie dies und das unterschreibt, sieht sie aus dem kleinen Fenster eine schlanke Endurofahrerin aus dem kleinen grünen Zelt hechten und den Weg herauf eilen. Svenja! Sie ist derzeit auf langer Dänemarkrundreise und wir haben dem Zufall nur ein klein bissl nachgeholfen, dass wir uns hier auf Møn treffen!

Die Begrüßung könnte ausgelassener nicht sein! Vor etwa vier Monaten haben wir uns in der Tarnschlucht verabschiedet und nun treffen wir einander auf Møn. Svenja läuft aufgeregt um unsere Transalps herum, die sie bisher nur auf Bildern gesehen hat.

In Frankreich waren wir ja noch mit unseren guten alten Hondas! Sie ist voll der Bewunderung, was uns ein klein wenig stolz macht. Ein Urteil aus berufendem Munde!

Jetzt erst merken wir, wie verschwitzt wir sind. Es hat schon lange sommerliche 25°C und die dichte Vegetation hier bringt hohe Luftfeuchtigkeit mit sich.

Wir vereinbaren Meldung, sobald wir gesellschaftsfähig sind, und rollen zu unserer niedlichen Hütte. Schnell richten wir uns ein, nehmen eine kalte Dusche und bauen die Möbel auf unserer schattigen Terrasse auf.

Nur kurz später schlendert Svenja quer über den Platz. Sie trägt schwer an ihren Einkaufstüten! Wir hatten wohl diesselbe Idee eines abendlichen Buffets! Sie bekommt ein Fach in unserem Kühlschrank. Zumindest während wir auf Møn sind, muss sie die Haltbarkeit ihrer Wurst- und Käsewaren im sommerlich heißen Zelt nicht ausreizen.

Unsere beiden Transalps stehen genau vor unserer Terrasse und scheinen uns zu beobachten, als wir Drei uns niederlassen und die Party beginnt. Wir haben so viel zu erzählen! Ein ganzer Sommer und zwei neue Motorräder liegen zwischen unserem letzten Abschied und heute. Irgendwann später bauen wir unser Buffet auf und es wird noch eine sehr sehr lange Nacht voller Freundschaft und Freude am Leben!

Tageskilometer: 78 km

Hier gehts weiter zum ersten Tag auf Møn: >> klick

Ein perfekter Urlaubsbeginn

flaches land

hallo!
ich lese interessiert mit. ist dänemark nicht ein wenig langweilig zum motorradfahren?
dlzg der rider

Antw.:flaches land

Hallo rider,

dass man mit dem Motorrad entspannt und überwiegend eben dahin cruisen kann, ist uns bewußt. Aber langweilig wird es nie, da wir das Ganze im Blickfeld haben - Kultur, Land und Leute etc. - siehe auch unsere Dänemarkreise 2021. Den Bedarf klassischer Motorradstrecken können wir ohnehin zu Hause in unserem Alpenland reichlich abdecken.

MbG Didi

Immer wieder Møn!

Ein herrlicher Reisetag war das. Die Fähre in Stubbekøbing, die Fahrt durch Stege, über die Insel, auf das schöne Camping Møns Klint. Ich bin in Gedanken jeden Kilometer mitgefahren und habe es genossen.
Nun kenne ich schon einige Inseln Dänemarks, aber Møn ist - auch wegen des wunderbaren Camps - noch immer eine von zwei Lieblingsinseln.
Eure schönen neuen Hondas begeistern mich stets aufs Neue, wenn ich sie sehe. Ob ich die mal probefahren soll? Nun, wir werden sehen...
Dankeschön für die liebe Erwähnung. Ja, genau so hab ich das auch empfunden. *soifz*

Antw.:Immer wieder Møn!

Ich finde das wunderbar, dass Møn so weit vorne liegt im Vergleich zu anderen Inseln! Weil viele davon sind ja von uns nicht so schnell erreichbar. :-)

Oh, es würde mich begeistern, wenn du die Honda mal probefahren und dann dein profundes Urteil abgeben könntest! Und vielleicht mal mehr als nur 10 Kilometer. :-)

Obwohl - ganz ehrlich - zu Deiner Reisephilosophie fühle ich eher die 700er Teneré (auch wenn mich als Hondagirl das schmerzt zuzugeben)! Die bin ich auch probegefahren und die is schon noch mehr Enduro. Höher, aggressiver, wendiger und mit rd. 75 PS eh schon übermotorisiert für den Zweck.
Die Extreme-Version hat sogar 260mm Bodenfreiheit bei 960mm Sitzhöhe. ;-)

Die Transalp ist halt mehr was für gemütliche Weitfahrer, wo auch mal 1000 km Autobahn sein müssen...

Antw.:Antw.:Immer wieder Møn!

Die Tenere find ich echt klasse. Aus anderen Gründen als die Transalps. Wenn nur der Schwerpunkt nicht so hoch wäre.
Vielleicht wird das mein Sommer der Probefahrten. Und am Ende behalte ich Greeny. :-)))
1000 km Autobahn. Spätestens, wenn der letzte Autozug aus Hamburg abgelegt hat, muss ich mich damit auch befassen. Von Jahr zu Jahr guck ich auf die Züge und noch gehts ja ganz gut, zumindest ab Hamburg in den Süden.

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zuletzt aktualisiert am 21.7.2024