Geilo - Rjukan - Dalen - Evje

17. Tag: Geilo - Rjukan - Dalen

Didi musste in der Nacht kurz raus. Noch im Halbschlaf berichtet er, dass es regnet und dass es ziemlich kalt ist. Das ist auch noch so, als um 8:00 der Smartphone-Wecker läutet und wir draussen schnell einen Blick aufs Cockpitthermometer werfen: Nieselregen bei 6,8°C. Ungemütlich! Wir finden noch ein paar Frühstückssachen im Topcase und rühren dazu erstmal heißen Kaffee an.

Dann ziehen wir uns die warme Thermounterwäsche an, wischen die Hütte auf und entscheiden uns doch noch für die Regenkombis. Erstmals in diesem Urlaub brauchen wir sie! Der "wärmste Sommer seit 1875 in Norwegen" hat heute sein jähes Ende gefunden. Wir lieben das! So fühlt sich das richtig an. In Norwegen muss es auch kalt und naß sein, weil sonst können wir ja gleich in den Süden fahren!

Um Punkt 10:30 klettern wir - so behände es das klobige Regengewand zulässt - auf die Transalps, deren Zweizylinder so zuverlässig startet, wie auch schon die letzten ~145.000 km. Was für gute Motorräder das sind! Heute wird es spannend:

Wir fahren durch völlig unbekanntes Gebiet und unsere Karte ist in zu kleinem Maßstab, um die winzigen Straßen zu zeigen, die wir zum Erreichen unseres Ziels heute brauchen. Auch Google Streetview hat ziemlich ausgelassen. Na schau ma mal, dann seh´n ma schon!

Wir verlassen den Campingplatz und halten uns links. Nachdem wir Geilo durch- und den Fluß überquert haben, steigt der Rv40 gleich ziemlich steil an. Wir reisen hier durch Norwegens ältestes Skigebiet und die Berghänge sind übersät mit Ansammlungen kleiner identer Hütten für skifahrende Gäste.

Der Skurdalsvegen führt durch viele solch artifizielle Dörfer und neben unzähligen "Geilo Skiheiser" immer höher hinauf. Eine wunderbare Strecke!

Die Kurven schwingen schön rhythmisch dahin und die Vegetation wird dünner. Leider wird auch die Sicht immer schlechter und bald fahren wir durch dichten Nebel - oder tiefhängende Wolken, wer weiß das schon? Nur schemenhaft nehmen wir das Fjell um uns wahr. Vorsichtig tasten wir uns Kilometer um Kilometer voran. Zumindest der Niesel hat aufgehört...

Erst, als der Rv40 die Hochebene verlässt und wir wieder unter die Baumgrenze kommen, wird die Sicht klarer. Eine einsame und menschenleere Gegend ist das! Als wir am Holmevatnet wieder im Tal sind, nieselt es wieder. (Dann ist das kein Nebel, es sind Wolken! Wenn es unterhalb regnet und oberhalb nicht...?)

Wir sehen einige junge Männer, die ihr Kajak-Zeug startklar machen. Hier am See ist einiges los, obwohl es bei nur 9°C nicht zu warm ist!

Aber unsere Strecke führt zuverlässig wieder bergauf und weiter in die wolkenverhangene stille Bergwelt. Nach 25 kam haben wir Dagali erreicht. Eine unbedeutende Ansiedlung weniger Häuser, aber einer der wenigen Orte, die unsere Karte hier anzeigt. Nur ein geschlossener Joker-Markt und ein großes Rafting-Center fallen hier auf. Auch hier nutzen viele junge Leute diesen Sonntag für eine Wildwasserfahrt in den zahlreichen Gebirgsbächen!

Wir cruisen nun langsam durch das Numedal. Angelika schmunzelt in ihren Helm. Zu ähnlich ist der Name der vernichteten Insel in Tolkiens Universum mit ihren imposanten Bergketten. Es ist finster, die Wolken hängen tief von den dunklen Berghängen links und rechts. Es ist mystisch und ein bisschen unheimlich.

Immer wieder beginnt es zu nieseln. Das dunkle Asphaltband glänzt schwarz, es ist eine einsame Gegend. 

Wir müssen aufpassen, denn von nun an verlassen uns die Karten! Wir haben uns eine Kreuzung eingeprägt (hier endet Google Streetview!), da steht ein kleiner Lebensmittelmarkt. Dort müssen wir scharf rechts abbiegen, auf den Fv124. Wie ist der wohl zu fahren? Was erwartet uns da?

Tatsächlich! 20 km nach Dagali erkennen wir die Kreuzung, auch wenn die "Naerbutikken" unscheinbarer ist, als erwartet. Sonntags ist hier geschlossen, also fällt auch ein schneller Kaffee aus. Wir biegen schwungvoll rechts ein. Der schmale Single Track führt in knackigen Serpentinen schnell bergauf und der dichte Nebel hat uns wieder. Die Sicht ist sofort bei Null, wir verlangsamen abrupt das Tempo!

Gerade als wir in absoluter Unsichtbarkeit bergauf tuckern, Schritttempo, brüllen zwei Motorräder aus Deutschland in halsbrecherischem Tempo knapp an uns vorbei. Gebückte, eh klar. Um Himmels willen, besitzen die Röntgenblick? Die Sicht beträgt maximal 2 Meter!

Wir bleiben im Schneckentempo, denn wir müssen jede Kurve neu erraten und die nasse Straße ist in keinem guten Zustand und der Asphalt ist ausserdem kalt. (Und ausserdem zeugt es nicht von gutem Benehmen, einfach über die beiden Superhelden drüberzufahren, wenn die in irgendeiner Kurve liegen.) Schade, dass hier so ein Sauwetter ist! Da oben ist ein Fjell und wir werden rein gar nichts davon sehen!

7 km geht es so dahin. Einerseits ist das mühsam, aber andererseits fühlt sich das besonders an! Die treuen Motorräder stapfen so zuverlässig dahin und wir sitzen eingepackt in einem Kokon von ©Icebreaker im Trockenen, während die Umwelt draussen immer feindlicher wirkt. 

Plötzlich ändert sich etwas und schemenhaft erkennen wir am Straßenrand, dass wir eine von Menschen gebaute Mauer an einem Seeufer befahren. Mit dem perfekten Radius kann das doch nur eine Staumauer sein! Ist hier ein See? Wie gerne würden wir jetzt die Landschaft sehen, die ist sicher spektakulär! 

Doch plötzlich, wie von Zauberhand, fahren wir aus dem dichten Nebel hinaus. Innerhalb weniger Motorradlängen scheint plötzlich die Sonne und wir stehen am zauberhaftesten See, den man sich vorstellen kann. Der Sønstevatn liegt auf 1.060 m, hier ist hochalpines Gebiet rund um uns, die östlichen Ausläufer der Hardangervidda!

Und der fast körperlich dichte Nebel liegt wie ein riesiger Wattebausch hinter uns und bedeckt auch den halben See. Wir sind sprachlos vor Begeisterung und kurven ein paar Meter weiter. Aber was ist das, das da auf dem See draussen?!

Wir haben schon viele Naturschauspiele gesehen, aber das ist fremd. In der Mitte des Sees liegt eine unfassbar große Nebelwalze, die genau so schnell aufsteigt und ins Tal schwebt, wie sie aus dem Wasser nachwächst. Der See gebiert den Nebel! Wir bleiben am Straßenrand stehen und fotografieren wild drauflos. Wissend, dass man die wirklich geilen Motive nie auf SD-Karten bannen kann.

Es muss etwas Besonderes an diesem Anblick sein, denn plötzlich sticht ein kleiner olivfarbener Lada Taiga 4x4 aus dem Nebel und bleibt neben uns stehen. Der Fahrer, ein knorriger Norweger in Jagd- und Forstklamotten nickt uns freundlich zu ... und fotografiert ebenfalls.

Die gemütliche Fahrt geht nun in strahlendem Sonnenschein über das "Imingfjell". Noch nie gehört? Wir auch nicht. Aber es ist eine sensationelle Strecke! Einspurig geht es auf der Hochebene dahin, links und rechts nur felsiges Geröll und leuchtend gelbe Rentierflechten, so weit das Auge reicht! Das ganze Fjell leuchtet gelb!

Auf dem höchsten Punkt stehen ein paar winzige Häuschen, aus manchen steigt eine dünne Rauchfahne empor. Hier sind die Wochenend-Domizile der Norweger, wenn sie ihr Friluftsliv leben wollen! Es ist keine Menschenseele zu sehen, aber diese kleinen Hütten sind heute am Sonntag offensichtlich bewohnt. 

Die schmale Straße führt nun steil bergab in engen Kurven ins Tessungdalen. Es wird dicht bewaldet und wir sind nicht sicher, ob wir hier richtig lang fahren. Aber es ist der einzige Weg.

In gemütlichen Kurven schlängelt sich die Straße hinaus aus dem engen Tal und nach dieser 45 km langen Fahrt übers Fjell stehen wir in prallem Sonnenschein am "Tinnsjø-See", dessen finsteres und stilles Wasser auf enorme Tiefe schließen lässt. Uns ist heiß geworden und wir fahren gemütlich das Seeufer entlang, noch nicht wissend, was dieser See für ein dunkles Geheimnis birgt ...

Wir umrunden das Nordufer und nach 30 km durch ein breites Tal zwischen hohen Bergwänden erreichen wir Rjukan. Jetzt wäre eine Kaffeepause nett! Uns fallen sofort die einfachen Wohnhäuser aus weißen Holzlatten auf, die mehrstöckig die Straße säumen. Sind das Arbeiterwohnheime? Was gibt es hier? Spätestens als wir langsam am "Arbeiderkvinnens Park" vorbeifahren, interessiert uns dieser Ort näher. Arbeiterfrauenpark?

Wir haben Glück und entdecken am rechten Straßenrand ein kleines buntes Café. Neonfarbene Plakate künden von den Hotdogs, die es hier bei "GYDA" gibt. Und Süßigkeiten! Und Kaffee! Wir schälen uns aus unseren Klamotten und setzen uns auf die Holzbank am Gehsteig. Wir werden von der einheimischen Familie, die hier ihren Kindern "Soft-Is" spendiert, neugierig beäugt.

Der Mann hinter dem Tresen wirkt wie ein gutmütiger Bär. Er spricht ein paar Brocken Englisch und während er die Hotdogs fertigmacht, befragt er uns freundlich über unsere Reise. Ok, er ist ein gutmütiger Bär, denn als Angelika mit den von der Fahrt noch summenden Händen mit der Ketchup-Flasche den Boden vollsaut, bietet er lieb an, noch ein Hotdog zu machen - auf seine  Kosten.

Wir holen uns noch Kaffee, Getränke, etwas Süßes und setzen uns nach draußen. Rjukan, also. Wir werfen unsere Smartphones an und lesen. (Ja, das machen wir auf Reisen gerne, wenn uns spontan etwas an einem Ort interessiert!)

Schweres Wasser, Nazi-Atombomben, Vemork , Sabotageaktion im WK II, viele zivile Opfer, norwegische Widerstandshelden, die zwei Winter auf der eisigen Hardangervidda verbrachten, ein im Tinnsjø-See versenktes Nazi-Schiff, dessen gefährliche Fracht erst 1993 gehoben wurde ... unglaublich! Wir sind wirklich baff! Das alles hat sich hier abgespielt?!

(Memo an uns selbst: den Film von 1965 kaufen, der hier mit Kirk Douglas darüber gedreht wurde!)

Als wir die Hotdogs gemampft und den Kaffee fast ausgetrunken haben, gesellen sich noch zwei norwegische Biker-Pärchen zu uns. Es entspinnt sich eine amüsante Unterhaltung über die Unterschiede unserer Länder, Reiseerfahrungen und die üblichen Benzingespräche. Das war richtig nett!

Aber dann drängt es uns zur Weiterfahrt. Der Fv37 steigt sofort nach dem Ortsende steil an und führt den Berggrat entlang. Nur wenige Kilometer und wir sehen das Werk "Vemork".

Das Weiß des unfassbar großen Industriegebäude aus 1911 hebt sich deutlich von den dunklen Bäumen ab, es erscheint mit seiner schmucken Fassade fast wie ein Schloß. Wuchtig wirkt es, trotz seiner detailverliebten Architektur. Wir ärgern uns kurz: wir haben zuviel Zeit verloren, ein Besuch zahlt sich nicht mehr aus. Die sperren zu früh zu! Macht nichts, kommt - so wie Haithabu, Mandø, Molde und anderes - auf die Liste für die nächste Reise! Vielleicht gehen wir dann den Saboteurpfad von der Hardangervidda hierher?

Wir sind nun so übervoll mit Eindrücken, dass wir langsam genug haben. Der Rv37 führt weiter durch einsame und menschenleere, dichte Wälder. Nicht kurvig genug, um anstrengend zu sein und nicht zu gerade, um zu langweilen. Ab und zu ein kleiner See oder ein alter Bauernhof. Wir hängen unseren Gedanken nach, als wir fast 100 km ohne Pause dahincruisen.

Bei Åmot fängt es wieder zu nieseln an und wir schlüpfen schnell in unsere Regenjacken. Die Hosen müssen jetzt dicht halten, wir sind gleich da!

Gestärkt mit ein paar schnellen Schlucken Gratiskakao aus unserem Jahresbecher wedeln wir dann die rabiaten Serpentinen bergab, die hinunter nach Dalen führen. Vorsichtig, denn der Asphalt scheint schmierig! Um 17:00 haben wir unseren Campingplatz erreicht.

Wir sind ziemlich geschafft, als wir unser Travellunch anrühren und vor der Hütte gierig in uns hineinlöffeln. Schließlich sind wir vorhin noch zwei Mal 1,8 km zur kleinen Tankstelle gelatscht, Frühstückseinkauf für morgen! (Warum wir das nicht schon bei der Anreise erledigt haben ...? Keine Ahnung.)

Während des Abendessens wundern wir uns über das Outdoor-gestählte und schlankgesportelte Pärchen aus der Nachbarhütte. Die bauen doch tatsächlich vor ihrer Hütte ein Zelt auf! Warum macht man sowas? Schlafen die im Zelt vor ihrer Hütte? (Später werden wir bemerken, dass die bloß ihr ganzes nasses Zeug trocknen müssen, und so eben auch das Zelt...)

Vor dem Schlafengehen bestaunen wir noch das uralte Dalen Hotel, den in vielen norwegischen Städten unvermeidlichen Blumenmarkt und spazieren noch den Naturlehrpfad, der großzügig um den Campingplatz auf der Insel Buøy herumführt. Hier soll man Biber bei der Arbeit sehen!

Aber so wie wir auf dieser Reise keine Elche und keine Rentiere sehen, so verstecken sich auch die Biber heute gut. Aber uns gefällt es trotzdem, durch diesen kleinen Dschungel zu trampen!

Müde stolpern wir dann durch eine schlafende Siedlung Richtung Hütte, als wir durch mörderisches Gebrüll und Gezeter aufschrecken, dessen Echo von der Felswand zurückgeworfen wird. Was ist das? Woher kommt das?!

Angelika kann gerade noch "ach lass, da streiten zwei Katzen" murmeln, da schießen zwei fette, riesengroße Dachse aus dem Nichts und drohen, uns glatt umzurennen! Die sind so dermaßen wütend aufeinander, dass sie uns einfach übersehen! Nur ein beherzter Sprung zur Seite kann uns vor einem Zusammenstoß retten. 

Erschrocken schauen wir ihnen nach, wie sie blitzschnell im Unterholz des Campingplatzes verschwinden. Wir gucken uns fassungslos an. Ok, das war jetzt besser als langweilige Häuslbauer-Biber!

Tageskilometer: 210 km

18. Tag: Dalen - Evje

Wir haben richtig gut geschlafen, als um 8:00 der Wecker am Smartphone losplärrt. Das Wetter schaut wieder trüb aus, aber bei 12°C ist es mild genug, unsere Sandwiches und den selbst angerührten Kaffee auf der hübschen Hüttenterrasse zu frühstücken.

Wir trödeln ein wenig herum und wollen nicht so recht abreisen, denn ein Gefühl macht sich überdeutlich breit: das ist unser letzter richtiger Reisetag in Norwegen! Etwas muffelig klettern wir um 11:00 auf die Transalps. Das Regengewand haben wir erstmal nicht angezogen.

Der Rv45 führt uns aus Dalen hinaus. Wir werfen einen letzten Blick die steile Felswand hinauf. Dort oben liegt der Hof der Rui-Schwestern, klein an Größe aber groß an Charakter, lokale Berühmtheiten und letzte Bewohner des exponiert liegenden Berghofs.

Am Ortsende gehts scharf links, sehr scharf links und dann einige knackige Serpentinen bergauf. Hui, vorsichtig! Die nasse Straße wirkt schmierig und jetzt beginnt es auch noch zu nieseln!

Bald kurven wir auf dem zum Single Track gewordenen Weg durch die Hochgebirgslandschaft von Aust-Agder.

Die Kulturlandschaft der Telemark liegt nun hinter uns und es wird einsam. Der Suleskar-Weg wird speziell für Motorradfahrer empfohlen! Mal bewaldet, mal karg, manchmal liegen haushohe Felsblöcke neben der Straße, manchmal gibt es Ausblick auf schwarzglänzende Felswände und kleine Seen. So reisen wir gemütlich 55 km dahin.

Am höchsten Punkt der Hochebene auf 1.050 m machen wir eine kurze Pause. Nicht, weil es so gemütlich ist. Nein, es fängt jetzt richtig fies zu nieseln an und es ist bei 7,5°C auch nicht zu warm fürs Regengewand. Blitzschnell winden wir uns in die dichten Überzüge und schon geht es weiter!

Wir bemerken irgendwann, dass der schmale Weg stetig bergab führt und es wird auch etwas wärmer. An einer T-Kreuzung sind wir im Setesdalen angekommen und biegen links auf den Rv9 ein. Wir haben von den großen Volkstraditionen hier gelesen (Silberschmiede!), aber der beständige Niesel, der sich nun zu echtem Regen auswächst, macht wenig Lust auf eine Pause.

Bei Valle beobachten wir eine Kindergruppe, vielleicht einen Schulausflug, die sich im Freibad des Flusses vergnügt! Die haben vielleicht Spass!

Wir müssen lachen, als wir die nassen Knirpse sehen, wie sie aus dem Wasser klettern, sich abtrocknen und umziehen und doch im Regen stehen. Es hat übrigens gerade mal 8°C hier... Die spinnen, die Norweger!

Wir haben nun 75 km hinter uns und Hunger bekommen. In Rysstad erkennen wir rechter Hand eine CircleK. Perfektes Timing! Wir wollen aus dem Regen und eine Pause wäre jetzt gut.

Wir kurven rechts ran und füllen erstmal gutes Blyfri 95 in die Tanks. Dann verziehen wir uns mit Hotdogs und Gratiskakao in den Aufenthaltsraum der Tankstelle. Einmal mehr fällt uns auf, wie gemütlich diese Tankstellen gestaltet sind!

Hier gibt es eine einladende Sofaecke, Pölster, Decken für Kälteempfindliche, auf dem hübschen Kasterl läuft leise ein Fernseher. In einem der Polstermöbel fläzt entspannt ein schwedischer Alleinbiker, der Kekse mampfend auf seinem I-Phone herumwischt. Er grüßt freundlich, als wir eintreten.

Unglaublich, wie schnell eine Stunde um ist! Es hat zu regnen aufgehört und wir schnallen das Regenwand auf die Sitzbank. Wild entschlossen, es nicht mehr zu brauchen.So reisen wir gemütlich weiter auf dem Rv9, der sich hier gemächlich durch das Setesdal windet.

Wir hängen unseren Gedanken nach. Sollen wir heute noch bis Kristiansand weiterfahren? Sollen wir das Quartier in Evje stornieren, um morgen schon am Fährhafen aufzuwachen? Nach etwa 40 km sehen wir linker Hand einen großen Rastplatz und lassen die Transalps ausrollen.

Oh, das ist aber nett hier! Der Platz liegt am Ufer des Storstraumen, der sich hier durch sein felsiges Flußbett zwängt und als kleiner wilder Bach den Åraksfjord vom Byglandsfjord trennt. Ein großartiger Anblick während der Pause! Die vielen hölzern-stabilen Sitzgarnituren sind jeweils mit einem eigenen kleinen grasbewachsenen Dach versehen.

Doch wir können unsere Idee weiterzufahren, nicht ausdiskutieren, denn wir werden von einem reifen Paar aus unserer Heimat belagert. Sie sind aus Oberösterreich mit ihrem Wohnmobil bis zu den Lofoten gereist und so sehr, wie er von diesem Urlaub schwärmt, so schlecht ist sie gelaunt.

"Ich bin froh, wenn wir endlich wieder zuhause sind". Diesen Satz haben wir im Urlaub noch nie gehört, noch weniger selbst gedacht! Aber ihr taugt dieses Norwegen einfach nicht und sie wirkt völlig genervt. Als die beiden weiterfahren, fängt es wieder zu nieseln an und auch wir entscheiden uns, die Pause hier abzubrechen.

Die Straße führt nun in langgezogenen Kurven das hübsche Ufer des Otra entlang. Immer wieder kommt die Sonne heraus. Wir bewundern aus den Augenwinkeln die ausgesprochen schöne Uferlinie mit ihren unzähligen vorgelagerten Inselchen, auf denen manchmal bloß eine einzelne Birke Platz findet.

Nach 40 km erreichen wir Evje. Es ist erst 15:00 und wir haben überhaupt keine Eile, also kurvt Angelika gleich ins Ortszentrum, auf der Suche nach einem Café. Oh, hier ist wirklich ein kleiner Hauptplatz!

Wie es sich gehört, gibt es hier auch ein Kaffeehaus, jedoch befindet sich das im 1. Stock eines kleinen Häuschens und das erscheint uns mit unseren nassen Klamotten zu mühsam.

Aber schau, da drüben! Wir erkennen die neonfarbenen Schilder einer Snack-Bar namens "Tip-Top" und die haben auch einen kleinen Gastgarten! Wir stellen die Transalps genau davor ab.

Wir holen uns die Spezialität des Hauses "Kylling Snadderloff"! Ein großes weiches und getoastetes Brötchen mit viel Huhn, viel Sauce und das ganze Ding dick mit Käse überbacken. Göttlich! Bei einem riesengroßen Becher Kaffee diskutieren wir: Bleiben oder Weiterfahren?

Wenn wir weiterfahren, könnten wir morgen vormittag Kristiansand besichtigen. Andererseits sind wir schon ziemlich lustlos, noch 60 km zu fahren... Wir googeln ein bisschen und lassen unsere Buchungs-Apps nach hübschen Campingplätzen suchen. Aber ohne Erfolg. Also dann bleiben wir in Evje!

Nach 2,5 km haben wir unseren Campingplatz am südlichen Rand der Kleinstadt erreicht. Er scheint unbewohnt und auch die Rezeption ist geschlossen.

Es ist 16:30, ist es noch zu früh? Ok, dann warten wir. Wir schauen uns um und hoffen, die Hütte Nr.1 zu bekommen, sie liegt am besten für zwei Motorräder mit Gepäck.

Nur aus Neugierde untersuchen wir die winzige Hütte mit dem Schild "Resepsjon". Schau mal! Da hängt ein Brief, da ist fein säuberlich unser Name draufgeschrieben. Gerührt über so viel Umsicht lesen wir den netten Willkommensgruß und die Info, dass wir uns Schlüssel Nr.1 vom Schlüsselbrett nehmen dürfen.

Die Hütte ist offen. Na bitte, ist das fantastisch! Begeistert beziehen wir die winzige Hütte und rühren erstmal Kaffee an. Es hat angenehme 18°C, als wir uns auf der kleinen Terrasse niederlassen.

Wir haben schon unser letztes Travellunch (Chili con Carne) und unser letztes Travellunch Dessert (Mousse au Chocolat) gelöffelt, als der Chef vom Campingplatz ankommt. Das Zahlen gestaltet sich schwierig, denn obwohl diese Hütte nur unfassbare 250 NOK (27.-) und somit die Hälfte aller bisherigen Hütten von zwei Norwegenreisen kostet, gibts hier nur Barzahlung. Ui, das haben wir übersehen und wir haben keine NOK mehr! 

Aber wir kratzen eine ansprechende Menge norwegischer und österreichischer Münzen zusammen und nach etwas Überredungskunst nimmt der junge Mann den Haufen Kupfer an.

Viel später sitzen wir noch lange bei Kaffee auf unserer Hüttenterrasse. Unser letzter Abend in Norwegen! Wir lassen die Reise Revue passieren: "Weißt du noch...?" Und wir trösten uns: wir haben noch ein paar Tage Dänemark!

Angelika treiben noch andere Gedanken um, während sie am Kaffee nippt und ihr treues Motorrad beobachtet:

Wir sind nun 3 Wochen mit minimalem Gepäck unterwegs. 3 T-Shirts, 1 Pullover und manches ist noch unbenützt. Abends brauchte man nie mehr als einen Topf und einen Becher und man wurde satt. So wenig Hab und Gut und es fehlte nichts.

Eigentlich könnte man ewig so weiterreisen? Ab und zu eine Waschmaschine und mehr bräuchte es nicht. Eigentlich haben wir alles an Bord, was man zum Leben braucht. Mehr Zeug bedeutet nicht mehr Glück! Wäre mehr Minimalismus im Leben nicht sogar befreiend? Diese Gedanken werden den Urlaub überdauern, aber das ist eine andere Geschichte ...

Tageskilometer: 170 km

Wir verlassen nun Norwegen, so gehts weiter: >>klick
Hier wird es bald ein paar Fotos geben: >>klick

Ein spannender Tag! Findet ihr nicht?

vemork

danke für diesen interessanten bericht! super geschrieben! ich war schon in vemork. ihr müsst euch das unbedingt angucken, wenn ihr wieder da vorbeikommt!

dlzg tommy

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zuletzt aktualisiert am 17.9.2018