Das Leben auf der Straße
Ende Mai 2026 waren wir auf der deutschen Autobahn unterwegs nach Kiel, um unsere Schwedenreise zu beginnen. Es war brütend heiß und bei der öden Fahrt brauchten wir viele Pausen.
Bei Stolpe/Mecklenburg-Vorpommern hielten wir deshalb wieder einmal an und paddelten die Transalps in den Schatten eines monströsen LKWs. In der Sonne hielt man es einfach nicht aus! Mit dem Fahrer des Ungetüms entspann sich dann ein liebes Gespräch, das wir nicht vergessen haben.
Seit 31 Jahren fährt der rumänische Papa seinen Truck quer durch ganz Europa. Sein Rücken ist längst kaputt, er zählt die Tage bis zum Ruhestand.
Er war redselig und erzählte mit feuchten Augen von seinem Kummer, sein Leben lang nicht bei der Familie gewesen zu sein und seine beiden Töchter nicht aufwachsen zu sehen. Er platzte vor Stolz über seine beiden Mädchen, die beide abgeschlossene Universitätsstudien und mittlerweile richtig gute Jobs haben. Er wurde richtig sentimental, als er von der Einsamkeit im Führerstand und von seiner Familie daheim plauderte.
"Aber so ist das halt, ein Leben auf der Straße" zuckte er mit den Achseln, bevor er wieder hinters Lenkrad kletterte und den Truck vom Platz lenkte. Jetzt noch nach Dänemark, dann England, Frankreich, Italien und wieder nach Hause...
Wir schauten ihm schweigend nach.
Liebe Leser! Wenn ihr euch wieder mal unterwegs über einen langsamen Brummi ärgert, der euch aufhält oder wenn ihr auf einer Raststation mal wieder schwer einen Stellplatz findet, weil alles von LKWs zugeparkt ist: Denkt daran, diese verschwitzten Männer, die zwischen ihren Trucks hocken und ein schnelles Essen wärmen, es könnten Väter und Ehemänner sein, die diesen einsamen Job machen, um ihrer kleinen Familie große Möglichkeiten zu bieten!