Die Tour

1. Tag: Wien - Arnoldstein

Wie immer satteln wir in Wien unsere Bikes und starten den Urlaub in der Tiefgarage. Der beste Moment des Jahres ist, wenn wir aus der Tiefgarage ins Freie bollern! Heute blendet uns die Sonne, es ist an diesem Frühsommertag schon ziemlich heiß.

Wir kurven aus der Stadt und freuen uns über wenig Verkehr. Es geht über die A2 an Wiener Neustadt vorbei und bei Seebenstein halbrechts auf die S6/S36 Richtung Süden. Nach dem traditionellen Frühstück bei der Tankstelle "Schottwien" am Semmering (immer, wenn wir in den Süden fahren, gibts hier Leberkässemmerl und Kaffee!) geht es durch die Steiermark. Wir wollen einfach nur weiter und machen keinen nennenswerten Pausen.

Die Strecke ist uns sehr vertraut und daher ein bisschen langweilig. Natürlich halten wir bei der Tankstelle in St. Marein und besorgen uns leckere Kardinalschnitten mit Kernöl und Kaffee. Diese Mehlspeise gibts hier in sechs Sorten, ein absolut empfehlenswerter Stop! Bei Judenburg wechseln wir über die B78 nach Wolfsberg und fahren auf der A2 "Südautobahn" durch Kärnten weiter bis Griffen.

Boah, es ist so heiß! Wir sollten echt mal Pause machen. Wir verbringen bei 32°C etwas Zeit im Schatten der mittelalterlichen Burgruine Griffen und überlegen eine kurze Besichtigung. Aber ein Blick zum Himmel trifft die Entscheidung für uns. Schnell weiter! Schwarze Wolken und ein Gewitter ziehen auf!

Über die A2 gehts in ambitioniertem Tempo weiter über Klagenfurt bis Villach. Pro-Tipp: Auch wenn die Preise der Raststation "Wörthersee" heftig sind, Pause und die sensationelle Aussicht von der Terrasse über den See genießen! Wir lassen das heute und treffen am frühen Abend in Agoritschach bei Arnoldstein ein. Was für ein verlassenes Nest, gar nicht leicht zu finden! 

Wir checken schnell ein und fragen nach etwas Essbarem. Leider wird hier abends nicht ausgekocht und wir sind zu faul, nochmals in den Ort zu fahren. Wir erregen jedoch ausreichend Mitleid bei der Zimmerwirtin, die lachend Kärntner Hauswürste, Bier und Schnaps vor uns hinstellt. Grandios! Das Unwetter war nicht gekommen und so erholen wir uns bei einem Spaziergang in der absolut ruhigen Umgebung.

Tageskilometer: 375 km

2. Tag: Arnoldstein - Ravenna

Wir starten früh bei regnerischen 18°C und geben Gas, denn wir wollen in Venedig unseren Freund Manfred treffen, der gerade in Grado urlaubt. Das Regengewand brauchen wir nicht, aber es wäre schön, wenn der Niesel endlich aufhören würde! Rasant geht es über die Autostrada "Alpe-Adria" (A23) mit seinen zahlreichen Tunnels im Kanaltal.

In Udine hört es endlich zu regnen auf, als wir auf der A4 einmünden. Ah, da ist eine Raststation! Wir machen einen kurze Pause mit starkem Kaffee und gucken in die Karte. Vor Venedig sind traditionell viele Baustellen und wir brauchen notfalls eine Alternativroute.

Als uns der Weg vertraut ist, cruisen wir entspannt über den Damm der Via della Libertá nach Venedig. Wir brauchen ein wenig Zeit, bis wir die Transalps in einer Ecke versteckt haben, denn hier auf der Piazzale Roma ist wie immer die Hölle los und ein Abstellplatz kostet pro Motorrad 25.-! Manni ist schon da und wir haben eine ausgiebige Kaffeepause im kleinen Straßencafé "Da Giosia" auf der Piazzale. Das taugt uns! Wir haben aber leider nicht lange Zeit, bis wir weitermüssen...

 

Später geht es mit perfekten 28°C über die gut ausgebaute SS309 weiter und vorbei an Chioggia und Comacchio nach Ravenna. Am frühen Abend finden wir unser Quartier neben dem Bahnhof. Der Hinterhof ist voller Müllsäcke und Disteln aber da haben unsere Transalps noch Platz. Dann schnell aufs Zimmer, wir sind komplett verschwitzt!

Eine kalte Dusche erfrischt uns nach der Hitze und wir suchen die frühmittelalterlichen Bauten um die Piazza del Popolo und das byzanthinische Mausoleum der Galla Placidia von 430 a. D. mit seinen weltberühmten Mosaiken. Für eine Besichtigung ist uns erstens zu heiß und zweitens ist es zu spät. Solche Sehenswürdigkeiten brauchen mehr Zeit, das machen wir ein anderes Mal!

Dann bekommen wir Hunger und schlendern auf der Suche nach günstigem Essen durch die Innenstadt. Wie naiv kann man sein?! Natürlich finden wir nichts Ansprechendes und so laufen wir den ganzen Weg zurück und schauen in unser Hotelrestaurant. Die Preise sind komplett irre da!

Also latschen wir nochmals in die Innenstadt und stellen fest, dass Flip-Flops nicht die allerbesten Schuhe für mittelalterliches Kopfsteinpflaster sind... Auf irgendeiner Piazza lassen wir den Abend dann bei einem gutem und halbwegs leistbaren Nudelgericht ausklingen.

 

Tageskilometer: 412 km

3. Tag: Ravenna - San Marino - Ancona

Sommerwetter! Schon vormittags ist es ziemlich heiß. Nach dem schnellen Auschecken cruisen wir über die sehr touristische SS16 nach Rimini, das wir nach 53 km erreichen. Beim Anfiteatro gibts erstmal Melonen gegen den Durst (Pro-Tipp!). Dutzende Obststände reihen sich hier dicht an dicht und Händler preisen ihre Ware lautstark an! Nach einer kurzen Erholungspause biegen wir scharf rechts auf die SS72 ab, die sofort leicht ansteigt.

Ah, hier kennen wir uns aus! Nach nur 25 km stehen wir auf dem großen Parkplatz vor den Toren der Stadt und betreten die Altstadt von San Marino auf dem Monte Titano, in die wir uns schon 2009 verliebt haben. Die mittalterliche Kulisse ist immer noch beeindruckend! Die Masse an Touristen leider auch...

Aber das stört uns heute nicht. Wir freuen uns auf eine Kaffeepause in "unserem Café" auf der Piazzetta del Titano! Was für ein Ausblick! Die Stadt kennen wir schon, daher verzichten wir auf eine Besichtigung der mit 1700 Jahren ältesten Republik der Welt.

Wir überlegen uns lieber eine phantasievolle Route Richtung Meer und - ja - sie ist phantasievoll! Über enge, steile und unübersichtliche Wege mit großartigem Panorama aber ohne Asphalt geht es durch die Marken, vorbei an Fornace, Santa Maria del Monte. Nicht nur einmal sind wir sicher, uns komplett verfahren zu haben!

Wie durch ein Wunder erreichen wir nach 70 km Pesaro. Nach einer kurzen Erholungspause (wir haben bei Rimini eine Proviant-Melone ins Topcase gepackt!) cruisen wir vorbei an Fano über die gut ausgebaute Küstenstraße SS16 nach Ancona.

Auch dieses Quartier ist leicht zu finden - gegenüber des Bahnhofs. Es wirkt ein wenig schraddelig aber der Portier ist nett. Wir checken schnell im Hotel ein und genießen erstmal eine kalte Dusche. Wir stellen die Klimaanlage auf "Polarkälte" und machen uns notdürftig stadtfein. Wir haben Hunger und wollen auch sehen, wo unser Schiff morgen ablegt! Also bummeln wir durch den Hafen in die Altstadt und schauen uns um.

Am Corso Giuseppe Garibaldi finden wir ein romantisches Abendessen bei "Giuliani" - mit Blick auf die beleuchtete Fähre der Minoan Lines, die schon auf uns wartet! Als wir ins Hotel zurück latschen, sind wir ein bißchen nervös, denn das wird die längste Schifffahrt, die wir bisher hatten ...

Tageskilometer: 200 km

4. Tag: Auf der Fähre nach Igoumenitsa

Da uns die erste   18-stündige Fährenfahrt  bevorsteht, packen wir einige Kleinigkeiten aus den Seitenkoffern in griffbereite Nähe. Der Hafen ist nur 2,5 km vom Hotel entfernt, das wir uns auch wegen dieser Hafennähe ausgesucht haben. Da wollten wir keinen Stress haben, zumal Fährenfahrten noch nicht Gewohnheit sind. Natürlich sind wir wie immer viel zu früh am Anleger.

Um 11:00 dürfen wir endlich in den Schiffsbauch und schlingern auf dem nassen Metallboden zu den Motorradstellplätzen. Wir zurren unsere Bikes mit den bereitgestellten Spanngurten fest (was für ein furchtbares Gefummel das ist!) und suchen unsere gebuchten "Pullman-Sit ze" auf Deck 7. Auf dieser Fähre muss man eine Schlafgelegenheit buchen, einfache und billige Deckspassage gibts nicht!

Die Fähre legt um 14:10 ab, bei herrlichem Wetter und einem sensationellen Blick auf Ancona von oben. Mann, ist so eine Fähre hoch! Die Häuser schauen aus wie Spielzeug, als die Fähre schwerfällig Richtung Meer dreht.

Wir genießen den Nachmittag und den Abend am Aussichtsdeck 11 und plaudern mit aufgeregten Menschen, die spontan auf die Ancona-Fähre umgebucht worden waren. Die Triest-Fähren nach Patras sind aus finanziellen Gründen überraschend eingestellt worden!

Dieses eine nette Ehepaar aus Österreich war völlig fertig mit den Nerven. Sie hatten erst in Triest im Hafen erfahren, dass ihre Fähre in Bälde in Ancona ablegt, etwa 500  km entfernt...  Die Griechenland-Krise wirkt sich langsam aus! Wir haben so etwas befürchtet und genau deshalb gleich Ancona zur Abfahrt gewählt!

Nach einigen Flaschen "Mythos"-Bier an Deck 11 gehen wir schlafen. Wir stellen bald fest, dass die "Pullman-Sitze" zwar gemütlich zum Sitzen aber völlig ungeeignet zum Schlafen sind. Was für ein Mist! Um doch noch eine Mütze Schlaf zu bekommen, übersiedeln wir letztendlich auf den harten Teppichboden, auf dem wir unsere Motorradklamotten notdürftig ausgebreitet haben und decken uns mit unseren Jacken zu. 

5. Tag: Igoumenitsa - Lefkada

Um 7:00 ist endlich Land in Sicht! Wir haben sehr wenig und sehr schlecht geschlafen und ärgern uns über die Geldverschwendung bei Buchung dieser "Pullman-Sitze". Wir schwören uns, bei zukünftigen Fährenfahrten Kabinen zu buchen, egal welchen Preis man dafür aufruft.

Wir schleppen uns an Deck und Didi holt einige Becher heißen Kaffee. Bis zur Landung trinken wir viel, sehr viel Kaffee. Es ist früh am Morgen, aber die Temperaturen lassen schon erahnen, wie heiß es untertags wird.

Als wir endlich zum Autodeck gerufen werden, wird uns bewusst, dass unsere Transalps zwischen wenigen LKWs die einzigen zwei Motorräder waren! Sowas haben wir in einer Fähre noch nie erlebt! 

Als die Luke aufgeht, sind wir die einzigen zwei Touristen, die das leere Schiff verlassen. Das fühlt sich seltsam an! Auch der Hafen in Igoumenitsa ist um 9:00 vollkommen menschenleer, wie ausgestorben. Die vielen kleinen Läden sind geschlossen, die Rollbalken überall herunten. Kaum sind wir von der Rampe geholpert, legt das Schiff wieder ab. Wir stehen alleine und ratlos auf dem riesigen betonierten Platz und schauen uns an. Was erwartet uns in diesem krisengeschüttelten Land?

Wir sollten etwas essen und ausserdem brauchen wir Schatten. Wir entdecken an einer Ecke ein nettes Hafencafé und lassen uns nieder. Ein Becher Kaffee und ein fettiges Teilchen tun jetzt richtig gut! Nach dem Frühstück cruisen wir bei mittlerweile 34°C über die kurven- und aussichtsreiche Küstenstraße gen Süden nach Preveza.

Staubig ist es, die typische flirrende Hitze, die man nur im Süden kennt. Nach einer kurzen Trinkpause wollen wir nur mehr ins Quartier, uns ist heiß und wir sind übermüdet. Durch den Aktio-Preveza Underground Tunnel (Maut 3€/pP) erreichen wir endlich die Insel Lefkada.

Nach 10 km herrlicher Küstenstraße Richtung Süden erreichen wir um 14:00 unser Quartier in Nikiana, wo wir mit kalten Getränken und frischen Melonen empfangen werden. Wir sind die einzigen Touristen hier und haben das Haus für uns alleine. In diesem kleinen Hotel gibt es nur 6 Zimmer, aber ausser uns ist niemand da.

Heiß ist´s! Der freundliche Chef muss noch die Klimaanlage in unserem Zimmer reparieren und wir warten währenddessen in der Lobby. Als die Reparatur nicht klappt, bekommen wir ein anderes Zimmer und einen köstlich-eiskalten Caffé Frappé als Entschuldigung. Macht doch nichts, Chef, wir haben Urlaub! Dann ist aber Erholung und Erfrischung angesagt. Wir streifen mühsam die verschwitzten Motorradklamotten ab und duschen eiskalt. Ahhh, das kann was!

Später bummeln wir durch den kleinen Ort, lungern in Cafés herum und abends finden wir die romantische Taverne "Pantazis" am Strand!

Auch dort sind wir die einzigen Gäste und der Wirt freut sich, uns mit seinen Spezialitäten zu verwöhnen. Man merkt den Menschen und dem Land an, wie es politisch und finanziell derzeit aussieht.

Als wir ins Hotel zurückkehren, sehen wir die Frau des Wirts an einem Tisch in der Lobby sitzen. Ihr ist die Verzweiflung anzumerken, als sie vor einem Haufen Rechnungen und Papieren sitzt und ein nervöses Telefonat führt. Sie wirkt ziemlich aufgelöst. Wir erschrecken mitfühlend. Himmel, den Menschen hier geht es wirklich an den Kragen! Wir schaffen es dann, den kleinen Betrag für drei Übernachtungen taktvoll bereits an diesem ersten Abend zu überreichen. Vielleicht hilft das ein bissl?

Und während der ganzen Szenerie plärrt aus der Küche Alexis Tsipras aus dem Radio. Der Wahlkampf 2012 ist mittlerweile voll angelaufen...

Tageskilometer: 127 km

6. Tag: Lefkada

Nach dem fulminanten späten Frühstück (wir müssen noch etwas Schlaf von der Fähre nachholen, ausserdem sind wir im Hotel alleine und können uns die Frühstückszeit aussuchen!) lungern wir im Hotel herum, trinken Kaffee, lesen und dösen vor uns hin. Es hat bereits weit über 30°C als wir uns für einen Badetag am Strand von Kathisma entscheiden, den ein Grieche im Café uns am Vorabend empfohlen hat.

Wir fahren Richtung Norden immer die Küste entlang und umrunden quasi die Insel und nach 30 km haben wir den weißen und menschenleeren Strand gefunden. Wir wuchten die Motorräder in den dürftigen Schatten und stapfen durch den weichen Sand an die Wasserlinie. Gottseidank haben wir einen kleinen Sonnenschirm mitgebracht, denn hier kann man sich nur unter den großen Felsbrocken vor der glühenden Sonne verstecken! 

Es hat nun 39°C und wir verbringen den ganzen Tag im Wasser. Es ist unfassbar heiß aber im türkisblauen Wasser sitzend hält man es gut aus. Das ist Griechenland!

Als die Hitze in die abendliche Schwüle übergeht, mampfen wir in der einsamen Strandtaverne ein gutes Nudelgericht. Dann tuckern wir langsam zurück nach Nikiana. Schnell aus dem verschwitzen Klamotten und das Salz auf der Haut loswerden! Wir beschließen einen erneuten Besuch von diesem kleinen Straßencafé und spazieren hinüber. Hunger haben wir keinen mehr, aber jetzt gibts Kaffee und Ouzo!

Ein alter Herr bittet uns würdevoll an seinen Tisch, als er unsere Sprache hört. Es wird noch ein langer und herzlicher Abend mit dem 83-jährigen ehemaligen Bootsbauer, der sein ganzes Berufleben in den USA verbracht hat...

 

Tageskilometer: 60 km

7. Tag: Lefkada

Am nächsten Tag wollen wir mal die kleine Insel umrunden. Mal schauen, was da los ist! Am späteren Vormittag cruisen wir bei 35°C die Küstenstrasse südlich entlang, über Nidri erreichen wir nach knapp 30 km Vasiliki. Ein winziges romantisches Fischernest!

Hier gibt es ein paar Souvenirstände und Tavernen. Einige wenige Touristen schlendern die Promenade entlang, sonst sind wir alleine. Es ist sehr ruhig hier. Wir gönnen uns erst einmal sensationelle fluffige Waffeln mit Eis und Früchten, bevor wir das Dorf erkunden.

Als uns der Hunger überfällt, suchen wir einen ansprechenden Sitzplatz in einem kleinen Lokal. Wir bestellen ein einfaches Fischgericht, als sich der Wirt zu uns setzt. Germanos (der Deutsche, der hierher ausgewandert ist, stellt sich mit seinem Spitznamen vor!) erzählt traurig, dass die Buchungslage um 40% schlechter ist als üblich. Seine Kollegen und er kämpfen um ihre kleine Existenz. Das ist so schlimm, wir finden das bedrückend...

Später cruisen wir die Serpentinen hoch nach Agios Petros. Wir fahren durch die Inseleinsamkeit, vorbei an Exanthia und Karya. Unbeschriebene enge, steile und unbefestigte Wege führen uns durch das Bergland zu ursprünglichen Dörfern, wo alte Griechen vor den Häusern Brettspiele spielen und schwarzgekleidete Frauen mit Kopftüchern zahllose herumtollende Kinder beaufsichtigen.

Irgendwann erblicken wir von oben Scorpio, die Onassis-Insel und irgendwie kommen wir nach einer Irrfahrt durch dichtes Unterholz und verwachsene Wege unten bei Nidri an der Küste heraus. Gottseidank hat das geklappt, denn wir hätten unsere Transalps auf diesen Pfaden nicht umdrehen können...

 

Am Weg hinunter helfen wir noch einem holländischen Pärchen. Die haben sich ohne jede Zweiraderfahrung zwei Vespas geliehen und sind nun ziemlich verzweifelt und trauen sich nicht mehr, hinunterzufahren. Sie ist bereits einigermaßen verheult und auch er wirkt unentspannt.

Was denken die sich eigentlich dabei? Moped ausleihen, vom Verleiher den Gashebel zeigen lassen und in die Berge fahren?! Unverantwortlich, obwohl Holländer Berge gewohnt sind...

Wir fahren nach dieser Rettungsaktion schnell ins Quartier, legen luftiges Sommergewand an und verbringen den Abend - mit von Dorngebüsch zerkratzten Armen - in einer menschenleeren aber romantischen Taverne am Meer.

Tageskilometer: 75 km

8. Tag: Lefkada

Der dritte Tag ist noch einmal ein reiner Badetag. Wir wollen das Meer ausgiebig ausnutzen, denn erstens ist das für uns immer etwas Besonderes und zweitens planen wir fürs nächste Jahr eine Tour in den Norden und dort wirds vermutlich nichts mit Baden in der Nordsee! 

Der Strand von Nidri "Desimi Beach" ist nur 7 km entfernt und so faulenzen wir den ganzen Tag am Strand, bevor wir etwas sentimental unseren letzten Abend auf dieser wunderschönen aber in diesem Sommer touristenfreien und einsamen Insel genießen...

Tageskilometer: 160 km

9. Tag: Lefkada - Metsovo

Bei 35°C verlassen wir das liebgewonnene Quartier mit den netten Menschen Richtung Preveza auf der schmalen B42. Nach Mitikas biegen wir scharf rechts ab und nun sind es nur mehr wenige Kilometer bis Nikopoli. Diese Stadt wurde 31 v. Chr. vom siegreichen Feldherrn Octavianus nach der Schlacht bei Actium (heute Aktio) erbaut und markiert eine Zäsur in der römisch-antiken Geschichte! 

Spannende Story! Caesar war 13 Jahre zuvor ermordet worden und im Reich herrschte allenthalben Chaos, Mord und Totschlag. Die Ex-Freundin Caesars Pharaonin Kleopatra war mittlerweile 34 Jahre alt und mit Antonius zusammen, als alleinerziehende Mutter von Caesarion, dem Sohn von ihr und ihrem ermordeten Liebhaber. 

Die Feldherren Antonius und Octavianus waren ehemals Freunde und Schwager und hatten sich das Imperium nach Caesars Tod halbwegs gerecht aufgeteilt. Heimlich strebte aber jeder nach der Alleinherrschaft. Ausserdem hatte Antonius die Ehe mit Octavianus´ Schwester für das Verhältnis mit Kleopatra beendet und das kam schon damals nicht gut an. 

Octavianus seinerseits war Adoptivsohn von Caesar und von diesem als rechtmäßiger Erbe des römischen Imperiums vorgesehen.  Ein gutes Argument, aber Antonius sah dies anders. Er war politisch erfolgreicher und ausserdem Stiefpapa von Caesars Sohn und in dessen Mutter verliebt. Das verpflichtet! Der Teenager Caesarion war jedoch leider erst 16 und somit erst in 5 Jahren volljährig...

Der lange Krieg zwischen Octavianus und Antonius um das Erbe Caesars - die Alleinherrschaft - fand in Actium seinen Höhepunkt.

Das Endergebnis? Kleopatra floh mit Antonius ins ägyptische Zuhause und die beiden begingen Selbstmord. Der siegreiche Octavianus ließ zur Sicherheit auch den 16jährigen Sohn und Erben Caesars ermorden. Nun war Caesars Erbe geklärt! Vier Jahre nach dieser Schlacht erklärte er sich zum ersten Kaiser über das römische Imperium. Er nannte sich fürderhin Augustus und herrschte 40 Jahre lang über das Weltreich, dem auch das völlig entmachtet Pharaonenreich Ägypten angehörte.

Nach einer Besichtigung geht es weiter auf der B21 über Louros und die Täler von Epirus. Es herrscht brütende Hitze bei mittlerweile 41°C!

Wir cruisen bis kurz vor Ioannina und dann die alte Straße B6 nach Metsovo. Dieser Single Track ist eng, staubig, kurvig und das alles bei dieser Hitze! Aber die Aussicht ins Pindos-Gebirge und seine schneebedeckten Gipfel über 1.400 m s.l.m. erinnern uns daran, dass hier im Winter ein Skigebiet ist!

Für die 70 km ab Ioannina brauchen wir 1,5 Stunden und dann haben wir es endlich geschafft. Es gibt gutes Essen und eine interessante jüngere Geschichte in dieser bunten Kleinstadt in den Bergen! Wenige Stunden später sitzen wir in dicke Decken gehüllt am Balkon unseres Quartiers, es hat nur mehr 13°C.

Wir können noch nicht wissen, dass wir diese Temperatur auf zukünftigen Touren in Norwegen als hochsommerlich heiß empfinden werden!

Tageskilometer: 186 km

10. Tag: Metsovo - Florina

Die liebe Oma des Zimmerwirts macht uns ein feudales traditionelles Frühstück. Nach einer größeren Menge dieser leckeren Blätterteig-Feta-Spinattaschen machen wir uns auf den Weg. Wir starten bei feinen 20°C Richtung Kalambaka. Motorradwetter!

Da wir dringend eine Tankstelle suchen, nehmen wir die E90 "Egnatia" Richtung Osten. Nach etwa 60 km (+ 40 km Umweg wegen der Tankstelle) bei der Ausfahrt "Trikala" wechseln wir auf die E92 und ab nun sind es noch 45 km bis Kalambaka.

Wir machen Tempo, denn nun geht es an die Besichtigung der weltberühmten Meteora-Klöster. Nach einer Rast im Café am Hauptplatz gehts los. Wir fahren 6 km zwischen den Felsnadeln hoch, auf denen unzählige Klöster thronen. Ein unglaublicher Anblick!

Wir besichtigen das 1.334 n. Chr. erbaute "Megálo Metéore" und nehmen uns dafür Zeit. (Achtung: Frauen müssen Röcke tragen oder zumindest ein Tuch über die Bikerkluft wickeln! Man bekommt eine bunte Auswahl an Tüchern beim Eingang.) Mit Strickleitern erklimmen die Mönche ihr Heim...

Später geht es auf geschwungenen Landstraßen gemählich nordwärts etwa 66 km bis Grevena. Dort kaufen wir bei einem Bauern Wassermelonen gegen Hunger und Durst. Die Temperatur ist schon ein Wahnsinn, vor allem wenn man aus Sicherheitsgründen zumindest Teile der Motorradkluft angezogen hat! 

Über die E90 geht es trotz Hitze und Sturm zügig weiter über die staubigen Ebenen von Eordea über Kozani und Ptolemaida nach Florina.

Die Transalps rüsseln schon am letzten Tropfen, als wir am Ortsbeginn eine kleine griechische Tankstelle finden. Wir paddeln gerade zu den Tanksäulen, als die Tankwartin uns bemerkt, sich umdreht und den Betrieb zusperrt. Was ist denn da los?!

Erst ein lautstarkes Wortgefecht und letztendlich der Blick auf unsere Nummernschilder überzeugt sie, dass wir keine Deutschen sind. Wir bekommen also Benzin! Laut die deutsche Bundeskanzlerin  beschimpfend  füllt sie unsere Tanks bis zur Oberkante. Ist es nicht furchtbar, was schlechte Politik mit Menschen anstellt?

Nachdenklich tuckern wir bis zu unserem kleinen Hotel. Unser Quartier ist einfach, aber die Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren, während wir den Wassertank des Hotels für unsere kalte Dusche leeren. Entschuldigt, Leute! 

Hier wohnen übrigens Makedonier (keine Griechen!) und die Stadt hat eine unglaublich interessante Geschichte seit der Oma von Alexander dem Großen. So bissen sich zum Beispiel auch Hitlers SS-Schergen an der wehrhaften Bevölkerung die Zähne aus. :-)

In der Abendsonne spazieren wir den kleinen Bach entlang und finden eine Taverne. Das Essen schmeckt großartig und erst die Nachspeisen! Dieses Abendessen wird uns ewig in Erinnerung bleiben...

Der joviale Wirt fragt uns, wo morgen unser Ziel ist. Oh, wir hätten Mazedonien nicht erwähnen sollen! Äußerst emotionell belehrt uns der gute Mann. Wir fahren morgen nicht nach Mazedonien, sondern wir sind bereits da. Wir sollen uns nicht von diesen lächerlichen politischen Grenzen zwischen den Ländern beeindrucken lassen und die Mazedonier "da drüben" sollen bitte endlich einsehen, dass ihr Land die wichtigste griechische Provinz ist! 

Ausserdem haben die mit der Benennung ihres Flughafens "Alexander der Große" das griechische Nationalepos gestohlen! (Ob der Wirt weiß, dass Alex´Geburtsstadt Pella heute nun mal in Mazedonien liegt?)

Und den beantragten EU-Beitritt können "die da drüben" sich sowieso schon wegen des Namens "FYROM - Former Yugoslav Republic of Mazedonia" in die Haare schmieren. Das wird mit Veto seit 7 Jahren verhindert! 

Grundgütiger! Das ist alles ca. 2.300 Jahre her! Nun, es wird noch 6 lange Jahre dauern, bis dieser jahrzehntelange Namenskrieg beendet und eine Einigung gefunden wird. Auch der Flughafen wird einen neuen Namen bekommen, die Autobahn wird nicht mehr "Alexander, der Mazedonier" heißen und dann ist endlich Ruhe im Karton...

In Florina ist politisch heißer Boden, stellen wir fest. Nach diesen intensiven Geschichtsstunden in der Taverne und viel Ouzo in der örtlichen Lokalmeile gehen wir nicht nur von der Hitze erschöpft schlafen.

Tageskilometer: 325 km

11. Tag: Florina - Ohrid

Dieser Tag beginnt bereits mit dunstigen 32°C und wir steuern 16 km zum Grenzübergang nach Niki. Wir folgen dabei den Schildern "Yugoslawia", die hier verrostet aber immer noch funktionstüchtig überall angebracht sind. (Auch schon ca. 20 Jahre lang her, das  gewaltsame Ende dieses Staatenbundes!)

Uns fällt die extrem gastfreundliche Begrüßung an der mazedonischen Grenze auf! Da gibt es Gastgeschenke wie Straßenkarten, eine Übersicht der Verkehrsvorschriften, Postkarten, Lesezeichen und Mineralwasser. Die Straßen in Mazedonien sind übrigens gut ausgebaut, der Asphalt vielleicht ein wenig rauh.

Nach 16 waldreichen Kilometern sind wir in der bunten Universitätstadt Bitola. Es ist wohl gerade Vorleseungsschluß, denn zahllose junge Menschen mit Collegetaschen bevölkern die sonnigen Straßen und Plätze. Was für eine schöne und friedvolle Stimmung! In der Stadt wird großflächig gebaut und wir passieren viele Umleitungen.

Wir verfahren uns und in einem Kreisverkehr einer Baustelle lernen wir Goce kennen. Einen Polizisten, der jahrelang in Österreich als Bauarbeiter gearbeitet und in unserer Nähe gewohnt hat.

Wir bleiben auf einige Getränke und noch mehr Gesprächsthemen mit ihm in einem Straßencafe sitzen! Wir haben dort einen Freund gewonnen, aber mehr davon in unserem Blog.

Über die kurvige A3, quer durch die dichten und unbewohnten Waldgebiete im Nationalpark von Baba, erreichen wir nach 70 km am frühen Abend Ohrid am gleichnamigen See.

Nach dem legendären Empfang im Quartier besichtigen wir noch die Festung von Zar Samuil aus 992 n. Chr. sowie den Plaosnik, den heiligen Berg mit zahlreichen uralten Kirchen. Das Panorama über den (fast) ältesten See der Welt ist atemberaubend! Die Fahrt mit dem Taxi durch die Stadt kostete übrigens 2.- (inkl. Trinkgeld)...

Illyrer, Makedonier, Griechen, Römer, Bulgaren, Serben, Osmanen und Jugoslawen haben in dieser Stadt ihre Spuren hinterlassen. Faszinierend!

Ohrid ist eine schöne Stadt mit netten Menschen. Der Tourismus ist hier längst angekommen, es gibt zahllose Bars, Restaurants und wunderhübsche Plätze mit grandiosen Aussichten. Eine blumengeschmückte Seepromenade ist das gesellschaftliche Zentrum der Stadt.

Wir lassen den Abend mit einem deftigen Essen am See-Ufer ausklingen. Boban hat uns das Restaurant des Hotels Belvedere an der Seepromenade empfohlen. Fraglos das beste Haus in Ohrid und für Einheimische vermutlich jenseits aller Leistbarkeit!

Es gibt einen großartigen Gastgarten am Seeufer und die Kellner tragen dunkle Anzüge und blütenweiße Westen. Wir geben eine umfangreiche und äußerst fleischlastige Bestellung auf. Höhepunkt ist wohl das "Čevap". Eine enorme Hackfleisch-Rolle, gefüllt mit geschmolzenem Käse. WOW!

Wir wissen, dass das Speisen hier auf Grund des mazedonischen Preisniveaus für uns günstig sein wird, aber wir sind trotzdem erstaunt, als man uns die Rechnung präsentiert. Um so schmales Geld bekommt man in Österreich nicht einmal ein vernünftiges Frühstück! 

Tageskilometer: 115 km

12. Tag: Ohrid - Shkoder

Am Vormittag verlassen wir bei 32°C Boban und seine Familie. Wir sind fest entschlossen, wiederzukommen. Mazedonien ist einfach ein grandioses Urlaubsland! Wir mochten die Landschaft, die Menschen und das Essen! Wir tuckern aus der Stadt und über Struga erreichen wir nach 30 km die albanische Grenze bei Kjafasan. Wir sind neugierig auf dieses Land!

Der allererste Eindruck ist überraschend. Hier fährt man Mercedes Benz und zwar ausschließlich. Librazhd wirkt ziemlich heruntergekommen und die Bauten sind abgewrackte Beispiele der kommunistisch-stalinistischen Architektur oder nie fertiggestellte Rohbauten. Aus zahllosen unbeaufsichtigten Gartenschläuchen strömt Wasser auf die Straße und die gesamte männliche Bevölkerung ist mit Autowaschen beschäftigt. Unzählige Müllsäcke prägen das Stadtbild.

Aufmerksam durchqueren wir das kurvenreiche wie menschenleere Shkumbin-Tal. Schüsse fallen in unmittelbarer Nähe und in den Parknischen gehen fremdländisch aussehende Frauen und ihre grobschlächtigen Begleiter ihren Geschäften nach. Wir verschieben eine Pause lieber auf später.

Ein räudiger Wolf begleitet uns und wir erkennen einige Bunker aus der Zeit von Enver Hoxha. Dieses Land fühlt sich wie eine andere Welt an! Wir folgen der schmalen E852 bis Elbasan, wo wir nach 100 km erstmals Pause machen. Puuhhh, Albanien macht es einem bis jetzt nicht leicht! 

Bei einer winzigen Tankstelle benutzen wir das unsägliche WC und kaufen Mineralwasser. Die Männer hier sind wenig gastfreundlich, aber sie beobachten uns während ihres Kartenspiels stumm aus den Augenwinkeln. Also brechen wir bald wieder auf. Irgendwann haben wir uns dann verfahren. In diesem bettelarmen "Dorf ohne Namen" laufen uns zerlumpte Kinder nach und mißtrauische Blicke verfolgen uns. Ohje, das ist wohl keine gute Gegend!

Wir wissen, dass in Ostalbanien Kinderarbeit der furchtbaren Sorte noch üblich ist. Zu Hungerlöhnen schuften die Kleinen in Erzminen und Bergwerken und müssen mit dieser Sklavenarbeit ihre Familie erhalten. Dass sich dieses Land bemüht, der EU beizutreten und Österreich dies auch unterstützt, wirkt angesichts dieser Eindrücke nur mehr absurd! Immerhin sind die Deutschen derzeit noch dagegen.

Erst in 2 Jahren wird Albanien den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten erhalten, die Verhandlungen werden in 7 Jahren beginnen. Die größten Hemmnisse werden in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität gesehen werden.

Langsam rumpeln wir weiter. Wir fühlen uns mit unseren im Sonnenschein glänzenden Motorrädern nicht gut, jedes einzelne mehr wert als ein Jahresgehalt der Arbeiter hier. Hoffentlich werden die nicht als Provokation aufgefasst? Die Schlaglöcher erreichen im Ortszentrum die Größe ausgewachsener Kleinwägen. Wenn wir da hineinfallen, kommen wir ohne einen Trial-Stunt nie wieder raus!

Irgendwie schaffen wir es aus diesem Dorf und folgen der SH7 durch Rrogozhine 80 km Richtung Durres, wo römische Ausgrabungen locken. Die Strasse verläuft unspektakulär zwischen leichten Hügelketten und die Wiesen hätten wohl etwas Regen notwendig. 

Alle paar Kilometer sitzt ein Typ im Plastiksessel am Straßenrand. Hinter ihm ein selbstgemaltes Schild "Auto Servis" und neben ihm ein Gartenschlauch, durch den umgebremst Wasser in den Boden läuft und im Staub versickert. Ein frisch gewaschener Benz hat hier offensichtlich große Bedeutung. 

Die Touristenmetropole Durres ist dann das reinste Verkehrschaos! Die Italiener kaufen offensichtlich nicht nur den gesamten Strand auf, sie bringen auch ihre verkehrstechnische Mentalität mit.

Es herrscht Faustrecht in den Kreisverkehren und die entspannten Polizisten sehen Zigaretten rauchend zu. Eine Weile suchen wir diese historische Stätte in der Stadt, dann geben wir diesen Plan hitze- und verkehrsbedingt auf. Macht nichts, ein Kolosseum haben wir in Rom schon gesehen. Es hat mittlerweile 42°C. Es reicht uns!

Stattdessen rasten wir wenige Kilometer später im guten und stark klimatisierten Restaurant "Nordpark" bei Kruja an der SH52, wo wir köstliche "Polenta Bolognese" bekommen und einen gratis Obstteller zum Dessert. Warum wir das hübsche Schwimmbad nicht benutzt haben, wissen wir nicht. Der Chef hätte uns sogar eingeladen...

Kurz überlegen wir, das historische Heiligtum Albaniens, die Festung in Kruja zu besuchen. Jedoch es ist uns zu heiß und wir sind zu faul dafür. Wir schmieren uns wieder (zum wievielten mal heute?) mit Sonnencreme LSF 50 ein, bevor wir im T-Shirt weiterfahren und zwar entlang der E762 und E851, die keine Autobahn ist, auch wenn sie so heißt.

Es sorgt immer wieder zuverlässig für Erheiterung, wenn man entspannt mit 100km/h über ganz guten Asphalt dahinbrettert und die Straße plötzlich und vorwarnungslos in einen geschotterten Feldweg übergeht!

 

Über Lezhe und seine mittelalterlichen Anlagen erreichen wir am frühen Abend Shkoder. Auf eine Besichtigung der Burg Rozafa mit ihrer gruseligen Baugeschichte verzichten wir bei 43°C. Wow, es ist wirklich heiß hier! Da unser Quartier auch ein Ethnologisches Museum ist, haben wir "zu Hause" genug zu sehen und wir beenden den Abend im Gastgarten des Hotels bei deftigem und sehr fleischlastigen albanischem Essen.

 

Auf Grund der historischen Bedeutung des Hauses gibts keine Klimaanlage, was uns zuerst in Verzweiflung stürzt. Jedoch macht Not erfinderisch und ein starker Ventilator vor dem geöffneten Mini-Kühlschrank tut auch ganz gut seinen Dienst. Den Rest besorgen nasse Handtücher, mit denen wir uns bedecken, und so finden wir einigermaßen erholsamen Schlaf.

Tageskilometer: 282 km

13. Tag: Shkoder - Herzeg Novi - Dubrovnik

Bereits in der Früh hat es 38°C! Das Frühstück ist deftig und macht uns bei dieser Temperatur ganz schön zu schaffen.  Wir beeilen uns, bevor es noch heißer wird und verlassen am späten Vormittag Shkoder. Wann hatten wir eigentlich zuletzt unsere Motorradjacken an?

Wir nehmen die SH1 und nach der Brücke unterhalb der Festung Rozafa wechseln wir auf die SH41/E851. Die Straßen sind zwar schmal aber der Asphalt ist akzeptabel. Viele Einspänner mit müden Pferden kommen uns entgegen und die Kutscher winken uns freundlich zu!

Nach 18 km sind wir an der Grenze in Sukobin und betreten Montenegro. Ein problemloser Grenzübergang, es gibt keinerlei Wartezeit und die Beamten sind wirklich nett! Hier wird gebaut und die ersten Meter schwimmen wir in tiefem Schotter nach Montenegro hinein. 

Wir sind heute müde und wenig abenteuerlustig, daher bleiben wir auf dieser Straße und cruisen oberhalb der Küste vorbei an Ulcinj, Bar und Petrovac. Wir genießen die kurvenreiche Strecke an südlicher Vegetation mit tollen Ausblicken aufs Meer, bis wir nach 70 km "Sveti Stefanerreichen. Dort machen wir längere Pause und besichtigen kurz die faszinierende Stadt aus dem 15. Jhdt.

Wir bleiben auf der "Jadranska Magistrala", gilt sie doch mit ihren Kurven am Meer als eine der schönsten Straßen weltweit! Nach 40 km die malerische Küste entlang sind wir in der Bucht von Kotor. Wir überlegen kurz, ob wir die Bucht umrunden sollen. Aber das machen ein anderes Mal! Heute nehmen wir die Fähre in Lepetane auf die andere Seite (2€/Motorrad).

Nach 15 km wunderschönem Kurvenspaß pausieren wir in der Hitze von Herzeg Novi bei "Marinero" am Strand.  Wir müssen endlich raus aus der Sonne und wir besorgen ein paar kalte Getränke bei diesem kleinen Buffet. Es hat immer noch 38°C, was uns kurz darauf beim Grenzübergang nach Kroatien "Debeli Brijeg" schmerzhaft bewusst wird. Dort warten wir in praller Sonne unerklärlicherweise 35 Minuten. Die nehmen ihre Grenze sehr ernst, die Kroaten! Was machen die, wenn einmal tatsächlich Verkehr herrscht?

Später cruisen wir die dalmatinische Küstenstraße entlang, etwa 40 km bis Dubrovnik. Nach einer Erholungspause im Quartier nehmen wir ein Taxi in die Innenstadt, flanieren durch die Altstadt, ärgern uns über die Touristenmassen, kaufen Frühstück für den nächsten Tag und genießen ein romantisches Abendessen mit Blick auf den historischen Hafen.

Tageskilometer: 187 km

14. Tag: Dubrovnik - Mostar - Zaostrog

Boah, 36°C, es ist heiß. Nach einem Frühstück am Balkon gehts die Küstenstraße weiter nach Norden. Nach 65 km mit großartigen Panoramen erreichen wir die Grenze zu Bosnien bei Neum. Nur 5 km später verlassen wir den Neum-Korridor und  Bosnien wieder! Wieder zurück in Kroatien kurven wir ins Landesinnere bis Opuzen. Wir erkennen entsetzt: wenn man die Meeresnähe verlässt, wird die Hitze noch unerträglicher!

Wir cruisen nun langsam die D9 die Neretva entlang bis Metkovic. Wir brauchen dringend kalte Getränke! Nach einer Pause in einem Straßencafe ohne Klimaanlage halten wir uns nicht mehr auf, passieren erneut eine Grenze zu Bosnien und fahren die Neretva entlang noch 45 km flott bis Mostar. Obwohl diese Straße zum Rasen verleitet, sehen wir etwas aus den Augenwinkeln. Etwas Großes und Braunes! Meine Güte, wir beneiden den Bären, der neben uns im Fluss badet!

Angelika war vor 6 Jahren im Rahmen ihres Universitätsstudiums schon mal da und daher finden wir nun leicht den Weg in die Innenstadt. Die Kriegsschäden aus dem "Bruderkrieg" sind immer noch sichtbar. Zahlreiche Häuser sind übersät mit Einschußlöchern...

In Mostar hat es unfassbare 43°C, als wir zuerst unter der Stari Most in einem Café pausieren und dann den muslimischen Altstadtteil besichtigen. Es ist wirklich ziemlich heiß und Dietmar fühlt sich gar nicht wohl. Wir sitzen in Unterwäsche da und schütten literweise Mineralwasser in uns hinein. Trotzdem setzt erst langsam die Erholung ein...

Als wir später die gleiche Strecke zurückfahren, halten wir nach etwa 30 km bei Pocitelj. Dieses Städtchen wurde 1383 erbaut, hat ein Hammam und eine Moschee! Wir kaufen einer Bäuerin Melonen gegen den Durst ab. Auch ihre Weintrauben schauen süß und saftig aus, aber diese sensiblen Früchte können wir nicht transportieren! Die nette Frau lässt uns ausgiebig kosten...

Weiter bis Opuzen, wo wir uns auf der D8 dann rechts halten und an den 7 Seen von Bacinska Jezera vorbeifahren. Hier ist ein wichtiges Naturschutzgebiet und wir fahren äußerst achtsam die zahlreichen engen Kurven. Aber alles nutzt nichts. Ein großer Schwan überquert unmittelbar vor Angelikas Vorderreifen die Fahrbahn und wird von Transalp-Speichen geköpft. Was für ein Schreck! Der Anblick im Rückspiegel muss auch erst verdaut werden...

Etwas später erreichen wir nach 40 kurvenreichen Kilometern unser nächstes Ziel in Zaostrog. Ein winziges Dorf am Meer mit wenigen Häusern und trotzdem haben wir Schwierigkeiten, unsere Pension zu finden. Die Hitze hat uns geschafft! Nach der üblichen Abendroutine "Kalte Dusche, Sommergewand, Abendessen" verbringen wir einen faulen Abend im Hafen dieses kleinen Ortes. Ach ja, bei einem kleinen Kiosk kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten für ein gutes Frühstück morgen...

Tageskilometer: 240 km

15. Tag: Zaostrog - Vodice

Wir lassen uns beim Frühstück am Balkon Zeit. Es ist ein großartiger Ausblick hinüber auf die Insel Hvar! Langsam machen wir uns bei 33°C auf den Weg über die kurvenreiche "Jadranska Magistrala" Richtung Norden. An den Panoramen Mitteldalmatiens kann man sich kaum sattsehen! Etwa 40 km später erreichen wir Makarska, wo wir das 500 Jahre alte Franziskanerkloster besuchen.

Die nächsten 150 km halten wir uns an der Küstenstraße, wobei wir zahlreiche Fotopausen machen! Wir haben unseren kleinen Sonnenschirm mit und er leistet uns in vielen Parknischen gute Dienste! Anders wäre es wohl unerträglich! Es ist unglaublich heiss hier und der Name "Dürres Kap" für Primosten könnte passender nicht sein! Diese Halbinsel ist wirklich ein pittoresker Anblick! Noch 30 km bis Sibenik, wo uns die 500 Jahre alte Kathedrale des Heiligen Jakob interessiert.

Dann sinds nur mehr 14 staubige Kilometer bis zu unserem Etappenziel nach Vodice. Nach dem Einchecken und langer kalter Dusche besichtigen wir das uralte Künstlerviertel der Hafenstadt und genießen dort ein romantisches Abendessen.

Tageskilometer: 195 km

16. Tag: Vodice - Plitvice

Wir verlassen Vodice bei 35°C Richtung Nordosten. Um Himmels Willen, lässt diese Hitze überhaupt nicht nach?! Über die D27 erreichen wir die A1, die wir 70 km bis Posedarje entlang fahren. Wir geraten in einen gewaltigen Stau und können aufschnappen, dass ein schweres Busunglück da vorne die Sperre der Autobahn erfordert! Erst nach unserer Rückkehr werden wir erfahren, dass viele Menschen gestorben sind und noch mehr verletzt wurden...

Wir paddeln langsam an den wartenden Autokolonnen vorbei und nehmen die nächste Ausfahrt. Was für ein Glück! Die Nebenstrecke ist ein Traum! Wir sind nun auf der D8 bis Jasenice und weiter auf der ebenso schmalen und kurvenreichen D54 bis zur D27.

Wir  durchqueren 40 km das nahezu unbewohnte Karstgebiet von Dalmatien, bis wir Gracac erreichen. Nach einer Essenspause in einem urigen Wirtshaus durchfahren wir das Krbava-Feld bei Udbina, das von Ruinen und Friedhöfen aus dem "Bruderkrieg" der 90er Jahre geprägt ist.

Über die gut ausgebaute D1 kommen wir in die damals schwer umkämpfte Gegend von Bihac. Kriegsspuren überall! Wir finden das bedrückend, dass hier so lange nach dem Krieg immer noch so viele Überreste zu sehen sind. Wie leben die Menschen hier damit?

Nach weiteren 30 km haben wir unser Ziel in Dreznik Grad erreicht. Wir sind am Rand der berühmten Plitvicer Seen! Wir lassen den Abend in einem guten Restaurant ausklingen und genießen bei einem Abendspaziergang die Landschaft, die eigentlich schon so ausschaut wie bei uns daheim. Es ist der erste Abend, wo es zumindest ein wenig abkühlt und wir schlafen bei weit offenen Fenstern. Was für eine Erholung!

Tageskilometer: 202 km

17. Tag: Plitvice

Heute haben die Transalps fast Ruhepause, der Plitvicer Nationalpark steht am Programm! Nach einem fantastischen Frühstück in unserem tollen Quartier tuckern wir 5 km bis zum Eingang "Tor 1". Wir schlüpfen in Bequem-Schuhe, das "leichte Sommergewand" haben wir bereits im Quartier angezogen.

Es ist heiß und in dieser Gegend vor allem schwül, was noch schlimmer ist. Wir finden schnell den Eingang und treten ein. Wir entscheiden uns an der Kassa für die 6-8-stündige Tour "C" (ca. 15€/pP). Motorräder stehen - im Gegensatz zu Autos - gratis!

Die nächsten Stunden verbringen wir in diesem Weltkulturerbe und können uns nicht sattsehen an diesem Naturereignis! Die dunstige Hitze macht uns etwas zu schaffen, denn der zahlreich vorhandene Schatten täuscht. Die Luftfeuchtigkeit durchnässt uns in kürzester Zeit.

Als wir müde und die Füße schwer sind, fahren wir den Katzensprung zurück und erfrischen uns erst mal. Frisch geduscht und mit gewaschenen Haaren verbringen wir dann noch einen romantischen Abend in diesem guten Restaurant vom Vorabend, in Fußnähe zu unserem Quartier.

18. Tag: Plitvice - Graz

Heute geht es Richtung Heimat. Als wir aus der Pension treten und die Transalps beladen merken wir, dass es ein wenig abgekühlt hat. Großartig! Wir cruisen nun bei angenehmen 28°C die bequeme D1 etwa 70 km Richtung Norden. Unser gemütliches Dahincruisen wird durch etwas jäh unterbrochen, das wir aus den Augenwinkeln wahrnehmen. Kurz vor Karlovac irritieren uns Panzer und zerschossene Häuser am Straßenrand von Turanj. Was war das denn?!

Lass uns mal schauen! Vorsichtig paddeln wir die Transalps in die Gegenrichtung und tuckern zurück. Es ist ein kleines Freiluftmuseum am Straßenrand, dort "wo die militärische Macht der großserbischen Eroberer gestoppt wurde", wie ein Schild stolz verkündet. Mehrere Panzer, Fliegerabwehrkanonen und zerschossene Gebäude sind dort mitten im Ort Turanj konserviert. Ein bedrückender Anblick!

Da das Wetter sich plötzlich verschlechtert, halten wir uns nicht länger auf sondern fahren flott auf der Autobahn an Zagreb vorbei bis zur slowenisch-kroatischen Grenze bei Macelj.

 

Während wir dort die erforderlichen Autobahn-Vignetten (7,50 € pro Motorrad) kaufen, beginnt ein furchtbarer Regenguß, den wir im Tankstelle-Café aussitzen wollen. Es wird aber nicht besser und so begleitet uns der Regen dann durch Slowenien an Marburg vorbei bis nach Österreich.

Wir reisen bei Spielfeld in unser Heimatland ein, es hat kühle und äußerst angenehme 17°C! 45 km später haben wir unser letztes Quartier in Graz-Strassgang erreicht. Wir erholen uns bei einem Spaziergang auf den Florianiberg und gutem österreichischem Essen. Was für ein Unterschied der Temperaturen! Wir finden es richtig erfrischend hier, bei 25°C weniger als noch vor wenigen Tagen!

 

Tageskilometer: 290 km

19. Tag: Graz - Wien

 Heute ist ein kühler Tag und wir verlassen erst um die Mittagszeit das gemütliche Gasthaus. Via Gleisdorf über die A2 "Südautobahn", die B64 nach Weiz und die B72 erreichen wir nach 80 km das hübsche Dorf Ratten. Dort halten wir uns rechts und überqueren auf der kurvenreichen L407 den Feistritzsattel (1.286m).

Über die L175 und die L134 erreichen wir nach weiteren 50 km die private Burg Wartenstein und blicken hinunter auf Gloggnitz an der Semmeringschnellstraße S6. Dort trinken wir einen letzten gemütlichen Kaffee bei einer Tankstelle. 

Nun sind es nur mehr flotte 90 km bis nach Hause. Am frühen Abend erreichen wir nach einer ereignisreichen "Großen Tour" den Heimathafen!

Tageskilometer: 202 km

Für euren Kommentar ganz hinunterscrollen!

Hat dir die Reise gefallen? Hast du Fragen? Schreib uns deine Meinung!

Albanien

Hi,
danke für Tourbeschreibung und die Bilder.
Allerdings - was Albanien angeht - wir waren 2012 zu genau der gleichen Zeit dort. Ja, es war heiss, aber das waren auch schon die einzuigen Gemeinsamkeiten.
Räudige Wölfe? Eher streunende Hunde - davon gibt es sehr viele. Wölfe sind sehr scheu und man kann sich sehr glücklich schätzen, auch nur eines aus weiter Ferne kurz zu erspähen.
Das Shkumbintal menschenleer? Das ist a) eines der Hauptverkehrswege und b) sind da auch die Haupt-Industriezentren (zumindest unter Hoxha gewesen). Insofern war der Besuch von Elbasan wohl eher unglücklich, das ist so, als ob man früher Duisburg-Rheinhausen besucht hatte.
Und wenn man sich nicht verfährt sind diese Strassen auch ok.
Ein Besuch der Rozafa-Burg hätte sich gelohnt - zumal da oben Abends ein angenehmer Wind war. Die Burg in Gjirokaster ist allerdings noch eindrucksvoller.
Und was die Gastfreundschaft der Leute angeht: einfach unglaublich.
Also: unbedigt nochmal hin und mehr vom Land aufnehmen.
Grüsse, Martin

Antw.:Albanien

Hallo Martin! Danke für deinen Beitrag. Wir haben uns dort nicht besonders wohl gefühlt und für uns hat auch das Land keine schönen Besonderheiten aufgewiesen.

Aber du hast natürlich recht: nach dem ersten Eindruck werden wir irgendwann dieser Gegend eine "2. Chance" geben.

Das Shkumbintal war allerdings wirklich menschenleer und null Verkehr. :-)

Neuer Beitrag

Seit 25.5.2018 gilt die EU-DSGVO iVm DSG 2018. Gemäß Art.2(2)2c der EU-DSGVO findet diese Verordnung keine Anwendung auf die Verarbeitung personsbezogener Daten durch natürliche Personen zur Ausübung persönlicher oder familiärer Tätigkeiten. Diese Website ist eine rein persönliche und nicht-kommerzielle Seite und wird von keiner juristischen Person betrieben.
 Wir bieten keine Mitgliedschaften, keinen Mitgliederbereich und verschicken keine Newsletter.
Es gibt keinen Online-Shop, wir haben keine Kunden und nichts zu verkaufen. Die Website ist werbefrei.
Dennoch ist uns der Schutz ihrer Daten ein Anliegen. Bitte lesen sie unsere ausführliche Datenschutzerklärung!

Cookie-Hinweis

Diese Webseite nutzt Cookies, um die Funktionalität der Webseite sicherzustellen und das Surfen zu verbessern. Das war zwar schon immer so, aber jetzt müssen wir darauf aufmerksam machen.
Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu.
zuletzt aktualisiert am 16.6.2019