23. Tag: Jokertag in Colmar

Meine Güte, ist das Ausschlafen heute fein! Unser letzter motorradfreier Tag war vor 1400 Kilometern und wir kuscheln uns noch ausgiebig in die bauschige Bettwäsche, als draussen schon die Sonne scheint. Wir sind müde von den vielen Eindrücken der letzten drei Wochen! Erst spät rühren wir unseren Morgenkaffee an und schlüpfen in bequemes Zeug. Mal sehen, ob Colmar das hält, was die ersten Eindrücke gestern versprochen haben!

In einem Café zu frühstücken, ist für uns ein echtes Urlaubsding. Kein Wunder also, dass wir um 11.30 Uhr ohne Verzögerung zu jenem Platz eilen, an dem wir gestern den Abend ausklingen ließen. Heute ist Sonntag und die ganze Stadt ist auf den Beinen! In Colmar treffen wir mehr Touristen als in Bayeux und den großen Loire-Schlössern zusammengerechnet! Trotzdem ist im "L´Amandine" noch ein guter Platz in der ersten Reihe frei.

Der Einfachheit halber bestellen wir eine große Frühstückskombi, während wir faul in der Sonne sitzen. Ach, es ist einfach wunderschön hier! Es ist mit sonnigen 25°C einfach der perfekte Spätsommertag! Die ersten Touristengruppen entern gerade den spektakulären Dom "Collégiale Saint-Martin", den Martinsmünster, während wir die leckeren Kleinigkeiten genießen. Wollen wir auch mal hineinschauen? Nein, heute ist uns nicht danach. Sind wir auf dieser Reise bereits kultur-übersättigt? (Und würde es jemanden wundern?)

Lieber bestaunen wir die uralte Altstadt, die pittoresken Fachwerkhäuser, die grandiosen Schnitzarbeiten an den ehrwürdigen Holzhäusern, die Colmar so einzigartig machen. So ein großartiger geschlossener Stadtkern ist selten! Wir können uns kaum sattsehen, als wir die Maison Pfister beäugen, die seit fast 500 Jahren pompös an ihrer Ecke steht.

Auch die reich verzierte La Maison des Têtes ist nur unwesentlich jünger! Wir machen viele Fotos und bewundern, wie prunkvoll die Superreichen von damals gelebt haben. Wir finden auch die schmucke Maison Adolphe, die das älteste Haus in dieser Renaissance-Stadt sein soll. Als die Pfisters ihr Haus bauten, war es bereits 200 Jahre alt. Dennoch wirkt die tolle Fachwerkfassade so säuberlich, als sei sie erst letzte Woche fertig geworden!

Heute ist unser touristischer Urlaubstag! Und was machen Touristen in solchen Städten? Richtig, sie zuckeln mit dem Bummelzug durch die Altstadt und lassen sich von informativen Audio-Guides bespaßen. Wir finden endlich die Station des farbenfrohen Gefährts, das uns gestern an jeder Kreuzung im Weg stand, als wir mit den Motorrädern hektisch unsere Unterkunft suchten.

Eine schmale Gebühr später tuckern wir lautlos mit dem kleinen Zug durch Colmar und erfahren viel über die Geschichte und die Architektur der Stadt. Sie ist doch größer und älter als gedacht! Und wie immer machen wir uns bei diesen Bummelfahrten (sei es mit Zügen, Booten, Gondeln in Venedig oder Pferdekutschen) Notizen, was wir uns am Nachmittag noch anschauen wollen.

Wir haben bei dieser Fahrt auch ein Lokal notiert, in einer besonders uralten Straße. Mittelalterlich schmal und schattig ist es dort! Dorthin latschen wir jetzt, denn wir haben Hunger bekommen und es ist heiß geworden! 

Colmar ist wahrlich unglaublich! Eine ganze Stadt, nur mit Fachwerkshäusern erbaut, eines schöner als das andere. Eine Stadt wie ein Zeitsprung in die Vergangenheit! Sie war mal deutsch, dann französisch, wieder deutsch und seit 1945 endgültig französisch. Die Zweisprachigkeit ist an allen Beschriftungen zu erkennen.

INFOBOX

Heikles Thema hier! (Dass nicht die Basken, die Korsen und die Bretonen noch auf blöde Ideen kommen!) Die Zweisprachigkeit des Elsass ist ständig unter Beschuss und vielleicht nicht ausdiskutiert! Vor fünf Jahren heizte Präsident Hollande den Zwist an, in dem er die historische Region Elsass auflöste (und der Region Grand Est zuschlug). Erst 2021 wird Präsident Macron die hitzigen Separatisten beschwichtigen und ihnen ein Elsass-Statut zugestehen, nach dem sie für gewisse Politikbereiche selbständig tätig werden dürfen. Zweisprachigkeit in der Schule ist ein Teil davon...

Diese interessanten Dinge lesen wir, als wir in der mittelalterlichen Hauptstraße Colmars an einem winzigen Tischchen hocken und bei "La Pergola" einen leckeren Elsässer Flammkuchen knabbern. Wir könnten ewig hier sitzen und die spektakulären Häuser angucken! Aber eine Kleinigkeit haben wir noch vor, also los!

Überall in der Stadt finden wir Wegweiser nach "Klein-Venedig". Das macht uns neugierig, denn Venedig (also das in Italien) ist uns sehr vertraut! Darum beeilen wir uns nun, durch das historische Gerberviertel zu kommen. Wir fuhren mit dem Bummelzug hier schon durch, darum finden wir uns leicht zurecht.

Petite Venise! Bei der alten Markthalle geht es los und wir können den Anblick kaum fassen! Winzig kleine, uralte und bunte Häuschen drängen sich dicht an dicht an der Lauch, die durch Colmar fließt. Viele klitzekleine Lokale am Wasser locken mit bunten Schirmchen und üppigem Blumenschmuck, wohin das Auge schaut! Was für ein bezaubernder Anblick!

Wir schlendern durch das uralte Viertel und lesen, dass es auch schon seit über 800 Jahren besteht. Wir sind gerade auf der Suche nach einem ansprechenden Lokal für ein Glas Wein aus der Region, als wir einen kleinen Bootssteg entdecken! Die Lauch war früher der Zugang zur Stadt und mit den Holzkähnen kann man die Zufahrt nachempfinden.

Eine kurze Wartezeit und 13.- (für zwei Personen) später hocken wir nebeneinander in dem Kahn und die Fahrt geht los. Wir schippern im Schneckentempo den Kanal entlang. Unglaublich, welch urwüchsiger Urwald sich am Ufer entfaltet! Alte Holzkähne versickern langsam ins Wasser und dienen mächtigen Enten als Rastplatz. Die Sonne flirrt durch die dichten Bäume, als wir lautlos das Wasser entlangschweben (>> Clip).

Die ruhige Fahrt geht unter einigen trutzigen Steinbogenbrücken durch und plötzlich sind WIR die Touristenattraktion, die heftig geknipst und gefilmt wird! Schon passieren wir die "Alte Markthalle" und sehen den schönsten Teil dieses Grätzls: Quai de Poissonnerie, den Kai der Fischhändler! Eine lange Reihe pastellbunter Fachwerkhäuschen, prächtiger Blumenschmuck, mittelalterliches Kopfsteinpflaster! Wahrlich ein phänomenaler Anblick!

Nach einer halben Stunde ist die Bootsfahrt vorbei und wir sind uns sicher: Das hat sich ausgezahlt! Wir lassen uns in einem kleinen Café nieder und machen erstmal Pause. Was tun mit dem angebrochenen Tag? Ein paar Kaffees und Milchshakes später schlendern wir durch das malerische Gerberviertel zu unserer Unterkunft und bringen unser Zeug und die vielen Geschenke für Zuhause, die wir unterwegs mitgenommen haben, heim.

Langsam verstauen wir unser Zeug in die Motorradkoffer und laden ein letztes Mal Filme und Fotos auf die Festplatte und schwelgen in Erinnerungen. Was wir in den letzten Wochen alles erlebt haben und heute ist unser letzter Urlaubsabend... Den werden wir bis zum Schluss geniessen, stellen wir trotzig fest!

Es ist früher Abend, als wir uns auf die Suche nach einem schönen Abendessen machen. Wir wollen einen besonders guten Platz und es ist uns egal, was das heute kosten wird! Obwohl Sonntag abends um einiges weniger los ist als gestern, ist Colmar auch heute gut besucht. Wir wählen ein Lokal unweit unseres Hauses, die "Brasserie Tanneurs". Die Beleuchtung und die Deko sind uns schon untertags aufgefallen, die jungen Kellner sind nett und die Speisekarte gefällt uns sehr!

Wir entscheiden uns für eine große Portion "Quiche Lorraine" und Bretonische Galettes mit Käsevariation. Dazu einen tönernen Krug vom wirklich fantastischen "Pinot Gris" aus der Region. Mit einer Auswahl vom Dessert und einem weiteren Krug des leckeren Weines geht der Abend zu Ende. Es war schön in Colmar, wir kommen fix wieder hier her!

Morgen fahren wir zurück nach Österreich: >> klick

Wir fanden Colmar toll! Und ihr?

Fantastisch

Moin, Moin
Meine Güte, ist das hübsch in Colmar !! Das ist auch ganz nach unserm Geschmack!
Ja, Kultur gibt es wahrhaft reichlich in Frankreich. Da kann man sich wirklich nicht alles anschauen.
Schade, dass eure tolle Reise zuende geht. Ich bin der Meinung, dass Ende sollte man abschaffen!! Immer weiter und weiter kann es gehen, niemals endend...
Nordischen Sehnsuchtsgruß
Wibi
PS ward ihr eigentlich schon mal in Monschau??

Antw.:Fantastisch

Colmar war DER Wahnsinn! Das haben wir völlig unterschätzt, es war einfach unglaublich!
Morgen ist die Reise zu Ende erzählt... *snif* Aber bis es kein Reiseende mehr gibt, ziehen noch einige Monde ins Land. :-)
Monschau? Sagt uns null! Sollen wir mal schauen?
:-) Geli und Didi

Antw.:Antw.:Fantastisch

Jaaa, google mal Monschau. Ein Städtchen in der Eifel. Von dort kann man schön in die Ardennen fahren. Monschau war auch schon öfters Filmkulisse. Ihr werdet begeistert sein!!

Antw.:Antw.:Antw.:Fantastisch

Monschau ist ja DER Wahnsinn! Ja, schaut ganz aus wie Colmar, nur bergiger. Da müssen wir unbedingt mal hin! *zückt bucket list*
Danke für den Tipp!

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zuletzt aktualisiert am 31.7.2021