2. Tag: Hamburg - Kiel

Um 7:30 klopft der höfliche Zugbegleiter an unsere Kabinentür und weckt uns mit einem kleinen Frühstück. Wir sind schon seit einer halben Stunde wach, denn traditionell läutet unser Handywecker immer um 7:00 in Hannover und wir gucken verschlafen aus dem Fenster. Dann schauen wir in ebenso müde Gesichter und manchmal winkt einer freundlich beim Fenster herein.

Während wir die spektakuläre Bahnhofshalle in Hamburg durchfahren, holen wir uns gerade zum zweiten Mal gratis Refill für den Kaffee, der erstaunlicherweise gar nicht schlecht schmeckt. Nach dem letzten Bissen vom knusprigen Schinkenbrötchen ziehen wir uns langsam an und suchen unser Zeug in der engen Kabine zusammen. 

Noch aus dem Fenster knipsen wir die ersten Fotos der Reise und nehmen die Eindrücke der für uns fremdartig wirkenden Hafenstadt in uns auf. Fahrplangemäß pünktlich um 9:04 Uhr hält der Zug in Hamburg-Altona. Die Hansestadt empfängt uns mit einer Überraschung: Sonnenschein! Wir landen hier zum 7. Mal mit dem Autoreisezug und bisher kannten wir Hamburg nur im Regen. Aber heute ist der perfekte Reisebeginn! Es scheint sogar ziemlich warm zu werden...

Kurz später fahren wir die Motorräder vom Waggon (158 cm Höhe!) und verlassen durch das Einkaufszentrum den Bahnhof. Weil heute nur zwei Biker den Zug verlassen, sperrt niemand einen Korridor zwischen "Press&Books" und "Le Crobag" für uns. Mehrmals müssen wir vor hektisch umherlaufenden Menschen und ihren Einkaufswägen hart bremsen. Diese Ausfahrt ist immer wieder irre!

Vor dem Hotel Intercity stellen wir ab und stopfen unser Zeug in die Motorradkoffer. Auf das traditionelle Ankommen mit Kaffee + Ayran bei Köz Urfa verzichten wir heute ausnahmsweise. Noch im Zug haben wir die Möglichkeiten diskutiert, die furchtbare Autobahnbaustelle bei Hamburg-Stellingen zu umfahren, denn zu Weihnachten 2018 fanden wir mit dem Auto einen besseren Weg aus der Stadt. Ob wir den nochmal finden?

Aber heute gehen wir kein Risiko ein und so verlassen wir uns wie gewohnt auf die "Kieler Straße". Wir mögen sprechende Straßennamen!

Der Stau bei der Auffahrt auf die A7 ist an diesem Donnerstag nicht so schlimm. Später geht die ereignislose Fahrt durchs flache Land. Wir kennen die Strecke schon und schauen kaum nach links oder rechts. Ausserdem haben wir es ein bissl eilig...

Um 11:00 halten wir an der Raststation in Brokenlande. Uns ist heiß und wir kaufen kalten Dosenkaffee, um die letzten Reste der Zugsmüdigkeit wegzuspülen. Jetzt aber los! Wir treffen Svenja, die "Godmother of Endurowandern" (© Eggi) in einer Stunde bei Gosch in Kiel!

Kurze, sehr kurze Zeit später bremsen wir bei Louis am Kieler Schwedendamm. Wir brauchen noch Kettenspray! Wir haben den Einkauf in Wien nicht mehr geschafft und eine innere Stimme drängt uns, eine größere Menge für etwaiges nasses Schlechtwetter mitzunehmen. Oh, wir wissen noch nicht, wie wichtig dieser Einkauf gewesen sein wird...

Um Punkt 12:00 kurven wir eilig auf den Parkplatz von Gosch an der Kiellinie und werden von Svenja und Claudia schon fröhlich winkend erwartet. Was für eine Wiedersehensfreude! Wir trafen uns zu Weihnachten das letzte Mal und es gibt so viel zu erzählen! Schnell finden wir einen Tisch und entscheiden uns für den Gastgarten. Gibt es Schöneres, als mit lieben Menschen bei sonnigen 20°C an der Wasserkante zu sitzen und auf die Förde zu schauen? Wir lieben diesen Platz in Kiel, er ist für uns so besonders! 

Wir "schnacken" stundenlang über Dies und Das, Wichtiges und Unwichtiges, Lustiges und Trauriges. Währenddessen wandern große Fuhren Backfisch, gegrillter Lachs und gebratener Dorsch auf unseren Tisch. Und etwas, das die Nordlichter "Rote Grütze" nennen. Marmelade zum Löffeln, lecker! Als sich um 14:00 die riesige Color Line Richtung Oslo langsam an uns vorbeischiebt, da werden wir ganz sentimental. So schöne Erinnerungen an unsere Reise 2017 und bald sind wir wieder in Norwegen! 

Ein perfekter Nachmittag und  - so wie immer - die gemeinsame Zeit vergeht viel zu schnell.

Noch schnell Fotos machen und um 17:00 verabschieden wir uns mit einer langen Umarmung, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Uns sind die Beiden schon lange sehr ans Herz gewachsen! Mit schlingernden Reifen verlassen wir diesen schönen Platz, denn die Fähre wartet nicht auf uns.

Beim Boarding drängeln wir uns rücksichtlos vor, was aber nicht weiter auffällt. Anders als wir es kennen, stehen die Motorräder hier nicht gemeinsam an. Jeder wartet, wo er will. Mit uns stehen noch weitere vier Motorräder in Warteposition und wir beginnen, uns zu langweilen. Um 18:30 kommt endlich Bewegung in die Sache und wir rollen gemütlich in den riesigen und ziemlich leeren Schiffsbauch der Stena Line

Das Verzurren der Motorräder geht heute ganz leicht: erstens haben wir voriges Jahr einen Trick mit den Zurrgurten entwickelt und zweitens stehen nur sechs Bikes auf dem großen Stellplatz. Zwischen jedes Motorrad werden in der Hauptsaison garantiert noch ein oder zwei andere passen. Wir haben soviel Platz wie auf keiner Fähre zuvor!

Die kleine Kabine auf Deck 8 ist schnell gefunden. Wir werfen die warmen Jacken aufs Bett und schon eilen wir ganz hinauf aufs Sonnendeck, um das Ablegemanöver zu sehen. Dieses Schiff ist so enorm hoch! Wir schauen von Deck 11 hinunter auf die roten Backsteinhäuser Kiels, die uns so gut gefallen, die so ein heimeliges Gefühl verbreiten.

Während wir unseren Gedanken an diesen schönen Nachmittag nachhängen, verwickelt uns ein Biker in ein Gespräch. Er ist ein Fan unserer Website und hat sich schon von unseren Touren inspirieren lassen. Das macht uns doch ein klein wenig stolz! Er wünscht uns alles Gute für die Reise, deren Route er schon kennt. 

Um 18:45 legt das Riesenschiff mit einem sanften Ruckeln ab und schiebt sich durch die Kieler Förde Richtung Ostsee. Wir verabschieden uns von Kiel und - schau da drüben! - Laboe mit seinem Ehrenmal und dem U-Boot, das wir 2017 besichtigten. Als die deutsche Küste langsam in der Ferne verblasst, machen wir einen Rundgang durchs Schiff. Wir haben keinen Hunger, aber wir holen uns ein paar Getränke und dänisches Lakritz. Das mögen wir seit der letzten Dänemarkreise sehr! 

Angelika hat sich bereits in Kiel ein überaus wirksames Scopoderm®-Pflaster hinters Ohr geklebt. Das einzige Medikament, das ihr zuverlässig gegen Seekrankheit hilft! Trotzdem hofft sie auf ruhiges Wasser und Windstille am Kattegat ...

Später sitzen wir lange auf dem einsam gewordenen Oberdeck und freuen uns über den schönen Sonnenuntergang um 21:30 und die absolut ruhige See. Noch viel später überlegen wir, die Fahrt unter der Storebælt-Brücke abzuwarten. Sind das da am Horizont vielleicht schon die beleuchteten Pylonen? Wir sind aber zu müde, um lange zu warten und wir verrollen uns in die hübsche Kabine. Gute Nacht!

Tageskilometer: 95 km

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Unser erstes Urlaubshighlight!

Kiel

Kiel ist eine nette Stadt und es gibt tolle Lokale dort! Wenn man einige Stunden auf die Fähre wartet, gibt es viele Möglichkeiten.
Aber ihr hatte ja ein schönes Nachmittagsprogramm, ne?

Sacht mal, kann es sein, dass wir uns voriges Jahr in Wien beim Autoreisezug getroffen haben? Ich war auf der Heimreise und ihr wolltet nach Hamburg und dann Hirtshals.

Liebe Grüße aus Plön
Björn

Antw.:Kiel


Hallo - ja wir erinnern uns. Deine Rückreise gen Norden.

LG aus Wien

Gute Reise...

Refill? Paprikahähnchen? Nockerln? Zwei von drei weiß ich, was das ist. Bei der nächsten Reise mit der ÖBB will ich das auch alles. Ja, Bundesbahn könnt ihr. Echt klasse und sogar noch die günstigsten dabei.

Die Fahrt durch die Bahnhofshalle in Altona ist ein echter Anachronismus. Ich liebe es, an den Läden vorbeizufahren. Man könnte Le Crobag direkt zum Drive-In machen. Man muss sich nur trauen.

Aber wir haben ja später bei Gosch an der Kiellinie gesessen. Das war klasse. Ich hatte aus Versehen allein für mich zwei Hauptgerichte bestellt, aber egal, näh? Wir sind gut satt geworden.
Ach, ihr Lieben, gute Reise und danke für das hübsche Foto. Wir sehen alle vier doch recht entzückend aus darauf.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht...

Antw.:Gute Reise...

Du solltest dir die Luxusfahrt mit der ÖBB unbedingt mal gönnen! Das Abteil ist gewiss groß genug für dich und Pieps und Pieps könnte im Abteilwaschbecken sogar Köpper üben!

In Altona denk ich mir immer: Leute, das meint ihr nicht ernst! Tun sie aber. Beim nächsten Mal halte ich direkt vor Le Crobag und hol mir dieses fette und it Käse überbackene Baguette. Ich werde dafür nicht einmal absteigen! (Remember den Tresen in der tschechischen Bikerhöhle...)

Nockerl? Ich weiß gar nicht, wie man bei euch dazu sagt. Vielleicht Spätzle? Auf jeden Fall kochen die echt gut bei der ÖBB!

Ich drück dich,
Geli

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zuletzt aktualisiert am 14.7.2019