12. Tag: Burfjord - Arctic Fjord Camp

Was für ein göttlicher, unübertroffener Morgen! Wir wachen ohne Wecker um 10:00 auf und schälen uns aus der fluffigen Bettwäsche, die hier im Hüttenpreis inbegriffen ist. Wir müssen das Licht einschalten, denn es ist ziemlich düster draußen. Sofort erstrahlt der mit Holz getäfelte Raum in honigfarbenem Licht.

Wir rühren ein Häferl Kaffee an und schauen mal hinaus. Draußen nieselt es kräftig. Die Wolken hängen tief über dem Kvænangenfjord, es hat nur 4°C. Wir beglückwünschen uns zur spontanen Entscheidung, heute hierzubleiben und an diesem ersten Sonntag im Juni Pause zu machen. 

Gestern spät nachts kam noch eine Bikergruppe auf den Platz. Sie wurden im strömenden Regen weggeschickt, denn die zweite Hütte war auch schon belegt. Später wird uns die Chefin vom Campingplatz erzählen, dass derzeit viele Zeltcamper in Nordnorwegen spontan lieber Hütten buchen und das Zelt eingepackt lassen!

In den Tankrucksäcken müssten doch noch Kekse sein? Wir finden eine angebrochene Packung unserer Lieblingskekse und noch weitere Kleinigkeiten. Mit zwei Packerl Travellunch müssten wir doch heute genug haben, so dass wir gar nicht raus müssen? Wir wissen, dass im 6 km entfernten Burfjord eine kleine Tankstelle mit Shop ist. Aber lieber würden wir einfach hierbleiben! 

Wir schlüpfen in unsere kuschelig-warme Merino-Unterwäsche plus dicke Socken und fläzen uns in die Sofasessel vorm Panoramafenster. Draussen regnet es, aber wir haben große Becher mit heißer Schokolade. Das ist der Moment, an dem wir entdecken, was "Hygge" bedeutet! Kennt man aus Reiseerzählungen und Büchern, aber jetzt können wir die Entschleunigung fast körperlich spüren!

Nur aus Neugier probieren wir den TV mit den vielen Apps, der hier neuerdings steht. Ob Netflix geht? Ja, geht! Aber dazu fehlt uns die Lust. Das ist etwas für zuhause. Hier schauen wir lieber aus dem großen Fenster und hängen unseren Gedanken nach.

Später nutzen wir eine kurze Regenpause, um ´rüber in die Rezeption zu laufen und die zusätzliche Nacht zu bezahlen. Es ergibt sich ein nettes Gespräch mit der Campingplatz-Chefin. Lin erzählt ein wenig aus ihrem Leben in der Vier-Personen-Gemeinde Storeng.

Sie schildert die Schwierigkeiten mit dem Elektriker, der auf Grund seiner Alleinstellung hier im Nirgendwo wählerisch bei seinen Kunden sein kann. (Und dass sie deswegen noch keine Zeltcamper empfangen kann, weil die neuen Gemeinschaftsduschen noch nicht funktionieren.)

Die sympathische Lin erzählt auch von traumhaften arktischen Wintern hier, von kristallklarer Luft und schwarzblauem Himmel über glitzerndem Schnee. Wie sie als gebürtige Südnorwegerin diese Region erst lieben lernen musste, nachdem Fred beim Kennenlernen gestand, wo sein Zuhause ist. "And then he tricked me moving in the arctic", grinst sie schelmisch.  Wir beschließen, das nächste Mal im Winter herzukommen! 

Wieder in unserer hyggeligen Hütte widmen wir uns den Filmchen aus der Helmkamera und den vielen Fotos, die wir bis hierher geknipst haben. Heute ist auch Zeit für eine Haarpackung und die eine Gesichtsmaske, mit der Angelika das bei jeder Motorradtour drohende kosmetische Malheur hinanthalten will. Meine Güte, es ist so gemütlich hier! 

Wir setzen eine kleine Facebook-Meldung ab, sind doch derzeit einige unserer Leser unterwegs zum Nordkapp. Vielleicht interessiert die ein kurzer Live-Bericht aus dem Bezirk Troms?

"An alle, die gerade in NOR unterwegs sind: versichert euch, dass das Sennalandet nicht zwischen Leirbotnvatn-Skaidi wegen Schnee gesperrt ist. Wir hatten heute großes Glück.
Ratsam ist derzeit, eine Unterkunft vorzubuchen. Hier am Altafjord wurden 5 Biker weggeschickt... und das bei Starkregen und 4°C. Derzeit suchen auch viele Zeltcamper feste Unterkünfte! Ride safe!"

Nach einem stärkenden Mousse au Chocolat machen wir einen kleinen Rundgang. Es hat fast zu regnen aufgehört und sogar die Sonne kommt heraus, als wir den 800 m langen Schotterweg zur E6 entlang stiefeln und den winzigen Friedhof von Storeng entdecken. Viele Gräber sind liebevoll mit bunten Blumen geschmückt, die tapfer dem Wetter trotzen.

Natürlich spazieren wir wie 2017 auch zur Wasserkante des Fjords. Weit draussen hofft ein Fischer auf sein Glück und hoch über uns versucht ein Seeadler, im Flug einem kleineren Vogel die Beute abzujagen. Bald wird uns in der kühlen Brise vom Jøkelfjord-Gletscher kalt. Immer noch 4°C!

Nachdem wir leckeren Jägertopf mit Nudeln gelöffelt haben, widmen wir uns der Landkarte und Googlemaps. Wir müssen die morgige Strecke ausklabüsern, denn den ursprünglich geplanten Track können wir nicht aufrecht erhalten. Bei etwa 600 km Mistwetter zählt jede kleine Fähre, jeder Umweg, jede Bergstrecke, jede gefahrene Fjordumrundung. 

Mit einem Leuchtstift malen wir die neue Route in die Karte. Wir wissen nun, dass wir die Inseln Andørja und Rolla überqueren müssen. Zu Mittag sollten wir in Sørrollnes sein, um die Fähre auf die Lofoten zu erreichen. Die Überfahrt dauert lange und die nächste Abfahrt ist viel zu spät, um noch 180 km nach Svolvaer zu schaffen.

Wie schnell müssen wir fahren? Ob am Kvænangenfjellet noch Schnee liegt? Vielleicht können wir da nur langsam drüber? Wie wird das alles bei Sauwetter? Werden wir diesen Fahrtag genießen können?

Diese Gedanken beschäftigen uns, als wir unser Zeug zusammenpacken, nochmals fett Imprägnierspray auf die Stiefel sprühen, den Wecker auf 3:00 stellen und früh schlafen gehen.

Morgen gehts auf die Lofoten! 

 

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Ein hyggeliger Tag...

Eintrag FB

Moinsen, jo Kuscheldecke und heißer Tee wahr eine gute Wahl beim weiterlesen. Aufgrund eures FB Eintrags habe ich meinen Urlaub verschoben und wir sind erst im Juli los, was eine hervorragende Entscheidung war, trotz Ferienzeit. Haben halt Sträßchen abseits der womokaravanen gesucht und oft gefunden (kostet halt dann mal 3 Euronen so ne 50 km lange geile schotterpiste) oder ein Fünfer für eine geniale Piste über eine einsame Hochebene. Bin jetzt Mega gespannt auf die Lofoten.... Liebe Grüße Wibi

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Super Idee! Wir lesen von vielen Bikern, dass das Wetter später in der Saison dort viel besser war. :-)

Wir wollten zu dieser 3. Reise halt zu den Hotspots "Nordkapp" und "Lofoten" und wir wollten alleine sein und keine Karawanen von deutschen/holländischen Bobil. Daher wählten wir die Vorsaison. Gerade der Lofot mit seinen engen Wegen muss in der Hauptsaison der Horror sein.

Hätte auch klappen können, wenn nicht der kälteste und nasseste Mai seit 1846 ausgerufen worden wäre.

Aber wurde gegen Ende der Reise ja auch besser... :-)

Angelika + Didi

Antw.:Antw.:Eintrag FB

In der Tat war der Weg von Moskenes nach A der absolute horror, den hätten wir uns getrost sparen können. Ansonsten fanden wir auch dort abgelegenere Sträßchen. Ein paar Hotspots waren ziemlich voll, aber ich hatte es deutlich schlimmer erwartet. Ich hatte schon gelesen, dass ihr das Pech mit dem kältesten Mai seit ewigen Zeiten hattet. Aber riesen Respekt vor eurer Leistung dem Wetter den Mittelfinger zu zeigen und euch da durch zu beißen. Ich selbst bin gerade gespannt wie es in der zweiten September Woche in den Alpen aussieht.... Eine Freundin hatte zu der Zeit in einem jahr schon verschneite Pässe. Aber das ist mir lieber als mich mit hunderte Moppett Fahrer da hoch zu schieben.. Sonnigen Gruß Wibi

Antw.:Antw.:Antw.:Eintrag FB

September?

Da würde ich jedenfalls laufend recherchieren, welche Pässe schon gesperrt sind ...
https://alpenpaesse.de/ kennt ihr ja, ne?

Wir können diese Strecken ja leichter schnell mal probieren, aber wenn die Anreise schon so lange dauert?

Grüßli!

Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Eintrag FB

Viiiieeeelen Dank für den Tipp mit der Webseite. Hatte nur die Seite von Touren Fahrer.de. Jau, von bremerhaven aus sind das ein paar Kilometers bis ins bergige. Da sind wir fast schneller in den Fjorden ;) Heute morgen hatten wir hier Eis auf der Liege von einem heftigen Hagelschauer heute Nacht. Aber nu geht das erstmal hier um eure Tour! Bin schon auf die Fortsetzung gespannt, sonnigen Gruß Wibi

Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Eintrag FB

Bremerhaven, also. :-) So ein Nordlicht bist du.

Die Bremerhavener waren mein Angstgegner bei sämtlichen Tanzturnieren, damals, als ich noch jung war. :-)))

Schöne Gegend bei euch! Auch wenn sie mir - möglicherweise - auf Dauer zum Motorradfahren zu eintönig wäre. ;-)

Geli

Winterreise

< Wir beschließen, das nächste Mal im Winter herzukommen!

Das war ja wohl ein Satz wie Donnerhall. Ich bin so neugierig. Davon müsst ihr bei Gelegenheit mal erzählen. Welch ein Projekt.
Das war ein schöner Tag. Ich liebe solche ruhigen Jokertage mit Essen und Trinken, etwas Gemütlichkeit, nichts tun, mal runter zur Rezeption dackeln, reden, schlafen und erholen.
Den Platz hab ich auch in guter Erinnerung. Und damals wurde auch eine Gruppe Biker weggeschickt, weil keine Hütte mehr frei war. Und geregnet hat es und kalt war es. Aber nichts im Vergleich zu eurem Aufenthalt dort.
Ach, ihr Lieben, dass ihr das durchgezogen habt. Aber mit Travellunch und Kakao ....
:-)

Lieben Gruß
Svenja

Antw.:Winterreise

Das war der Platz, wo Lindsey aus Alaska für ihre Masterarbeit campierte, oder? Bei manchen Regionen fragt man sich ja wirklich , ob die Sonnenschein nur aus dem TV kennen. *pfff*
Aber wir lieben diesen Campingplatz und er wird möglicherweise bei der geplanten Wintersache eine Rolle spielen. Wir reden noch!

Drück dich
Geli

Antw.:Antw.:Winterreise

Nee, Lindsey aus Alaska war auf Senja, einen Platz weiter. Also jedenfalls zelte ich da bei Regen, Kälte und Sturm, bin eingepackt in alles was ich anzuziehen mithabe, da kommt eine blonde junge Frau auf dem Fahrrad den Pass runtergerollt. Strahlend hübsch und jung mit leuchtenden Augen: Lindsey aus Alaska und freut sich wie ein Schnitzel über das Wetter. Endlich normales Wetter wie zuhause und nicht dieses blöde Schwitzen bei 20 °C.
Ich hab sie gehasst.
Und dann hat sie auch noch ihr Zelt bei Starkwind eleganter aufgebaut als ich.
Hmpff...

Antw.:Antw.:Antw.:Winterreise

Das sind so Momente....

:-)))
Geli

Antw.:Antw.:Antw.:Winterreise

Mit der Aussage mit dem Wetter bin ich mit Lindsey auf einer Wellenlänge

Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Winterreise

Pff der Resttext ist weg. Komisch.

Liebe Grüße Heike

P.S was war das für ein schöner fauler Tag. In die Hütte möchte ich auch. Scheint schwer zu buchen zu sein oder gibts nen Trick?

Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Winterreise

Nö, kein Trick. Ist seit kurzem sogar auf booking.com.

Ich erfuhr aber soeben, dass dieser Campingplatz ab 1.10.2019 schließt. Ob für immer, muss ich erst anfragen. :-(

Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Winterreise

Vielleicht kann man deshalb nicht buchen. Habe schon alle möglichen Termine nächstes Jahr versucht.

Schönes Wochende

Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Antw.:Winterreise

Oh...
Das musst du bitte unbedingt herausfinden. Denn zum 10-jährigen meiner Nordkap-Reise könnte ich vielleicht ...

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zuletzt aktualisiert am 1.11.2019