9. Tag: Roskilde - Jelling

Schade! Über Nacht ist das Wetter kaputtgegangen! Während dem opulenten Scandic-Frühstück schauen wir durch die Panoramafenster auf den trübgrauen Himmel und unsere tropfnassen Motorräder. Wir lassen uns erstmal Zeit.

Aber nach einem Tag Pause macht uns das Fahren wieder viel Spaß und so schlüpfen wir unbeeindruckt vom beständigen Niesel in unsere neuen Regenkombis.

Es ist schon 11:00, als wir das sehenswerte Roskilde verlassen. Es regnet alle paar Minuten und es ist mit 17°C auch nicht allzu warm, als wir auf der schnurgeraden R14 bis Ringsted cruisen. Wir wollten die langweiligen dänischen Geraden vermeiden, aber hier ist es schön zu fahren! Ab und zu durchqueren wir kleine Wälder und der ein oder andere hübsche Bauernhof bringt ein wenig Abwechslung. Wir lassen die Hondas einfach am langen Zügel dahinlaufen.

Es gäbe sicher interessantere Strecken über die Insel Seeland, aber bei diesem Mistwetter wollen wir es unkompliziert. Deshalb bleiben wir bei Ringsted noch ein Stück auf der R150, bevor wir in Slagelse auf die Autobahn auffahren. Als wir uns dem Ufer des Storebælt nähern, regnet es mal stärker, mal schwächer. Hauptsächlich stärker!

Wir haben 80 km hinter uns, als wir zur Zahlstelle an der berühmten Storebælt-Brücke rollen. Wir zahlen schnell pro Motorrad etwa 20 EUR Mautgebühr und paddeln die Transalps an den Straßenrand.

Wir sind betrübt, dass das Wetter gar so mies ist, denn wir hätten die spektakuläre Brückenüberfahrt so gerne gefilmt! Aber diesem Sturmregen wollen wir unsere gute DJI Osmo Pocket nicht aussetzen. Die bleibt gut und trocken verpackt im Tankrucksack!

Angelika erinnert sich mit Schaudern an die Brückenfahrt 2018 und den starken Sturm, der die 13 km zum furchteinflössenden Abenteuer machte. Leider schaut es heute nicht besser aus und wir halten noch kurz vor der Auffahrt und atmen einmal tief durch. Da vorne erkennen wir im Regen die 254 m hohen Pylonen - die höchsten Punkte Dänemarks! - deren Spitzen hoch oben in den Wolken verschwinden.

Beherzt treten wir den 1. Gang hinein und los gehts! Die geschwungene Brückenauffahrt soll ja gewährleisten, dass die Fahrbahn exakt Ost-West ausgerichtet und bei Westwind entsprechend windstill verläuft. Das funktioniert heute nicht! Wir schlingern über die Brücke und erkennen kaum den Fahrbahnverlauf, geschweige denn die Insel Sprogø, die die Brücke in einen Ost- und einen Westteil trennt! Um Himmel Willen, das macht überhaupt keinen Spaß hier!

Ohne viel links und rechts zu schauen, halten wir stur Kurs West und bringen die Brücke hinter uns. Schade, dass das so eine enttäuschende Fahrt war! Wir hätten uns so auf diese Fahrt 65 m hoch über der Ostsee so gefreut, muffeln wir enttäuscht, als wir am Westufer unter ein winziges Vordach einer Tankstelle vor dem Regen flüchten und eine Pause machen.

Nun studieren wir die Karte. Weil wir diese Dänemarkreise so spontan unternommen haben, suchen wir mitunter einfach vor Ort gute Routen zu unseren Zielen. Hier auf der Insel Fünen ist es ganz einfach! Nach einer stärkenden Handvoll Lakritz aus dem Tankrucksack klettern wir auf unsere Hondas und es geht weiter. Wir durchqueren die kleine Stadt Nyborg, die uns wenig sehenswert erscheint.

Plötzlich sind wir am freien Land und es geht in sanften Schwüngen gen Süden. Die R163/R8 führt durch weitläufiges landwirtschaftlich genutztes Gebiet und wir haben schöne Ausblicke auf hübsche Bauernweiler. An den mit Reet gedeckten uralten Backstein- und Fachwerkhäusern können wir uns nie sattsehen! Der kleine Ort Kvændrup ist bald angeschrieben und nach einem winzigen Kreisverkehr folgen wir der Straße, die sich in weiten Kurven zwischen Getreidefeldern dahinschlängelt.

Eine unendliche Gerade später werfen wir hektisch Anker! Hier weist das Schild "Slot Egeskov" scharf nach rechts. Der Abbiegepfeil trägt das internationale Symbol für eine Sehenswürdigkeit. Wir paddeln die Hondas ein wenig zurück und tuckern auf den kleinen Weg. Der schmale Single Track führt einmal links und zweimal rechts und wir erahnen, dass wir bereits an der hohen Zaunhecke des Schlossparks entlangfahren. Dennoch fragen wir uns langsam, ob wir hier richtig sind, bis sich plötzlich linker Hand ein weitläufiger Schotterparkplatz eröffnet!

Es hat seit wenigen Minuten zu regnen aufgehört und wir beeilen uns zum Eingang von Schloss Egeskov. Wir trauen dem Wetter nicht und haben das Regengewand einfach angelassen. Im Shop studieren wir das Schild mit den Tickets. Und jetzt passiert etwas Ungewöhnliches! Haben wir in Frankreich 2020 bereits zu viele Schlösser besichtigt? Wir haben null Bock, dieses spektakuläre dänische Schloss von innen zu sehen und kaufen um 55 EUR nur zwei Karten für die Parkbesichtigung. Für Fotos wird es reichen!

Wir stiefeln jetzt durch den großartigen Schlossgarten. Vor etwa 300 Jahren haben die adeligen Besitzer dieses Kleinod geschaffen. Es gibt verschlungene Wege zwischen seltenen Pflanzen, enorme Blumenbeete, geheime Lauben und ein Labyrinth. Französische und englische Landschaftsarchitekten haben sich hier ausgetobt. Ein Lustgarten, wie er wohl in jedem Schloß der Renaissance zu finden ist!

Schau, da vorne! Spekakulär ruht das backsteinrote Gebäude am Ufer des kleinen Sees, der den Mittelpunkt der Parkanlage darstellt. Mit seinen unzähligen Erkern, Türmchen und Fenstern mutet das 600 Jahre alte Schloss fast französisch an. Was für ein ungewöhnlicher Anblick, auf den so gar nicht gefasst waren!

Wir zücken die Kameras und knipsen unzählige Bilder aus verschiedenen Perspektiven. Egeskov ist wunderschön! Und es ist seit 235 Jahren von derselben Familie bewohnt, bis heute. Zum ersten Mal wird uns bewusst, dass wir in Dänemark in einer Monarchie zu Gast sind, auch wenn der historische Adel hier keine besondere Bedeutung mehr hat.

Während wir uns vom Anblick des Schlosses kaum losreissen können, eilen wir hinüber in das kleine Café "Jomfru Rigborg". Der lästige Niesel hat uns eingeholt! Wir entern den letzten überdachten Platz im Freien und Didi beeilt sich, Kaffee und lauwarmen Vanillepudding-Kuchen zu holen. Wir sitzen lange in dem wunderhübschen Garten, der ausschließlich mit weißen Blumen, weißen Sträuchern und weißen Blütenbäumen bepflanzt ist.

Es ist 15.30 Uhr, als wir uns zum Weiterfahren aufraffen können. Auf dem R161 über wunderbar unspektakuläre Wege, die mitunter mit leichten Kurven über sanfte Hügel und durch Orte wie Espe, Brobyværk und Vissenbjerg führen, erreichen wir die Autobahn. Unser nächstes Ziel ist Middelfart. Keine Ahnung, was dieser Ort kann, aber dort kennen wir eine Raststation mit sensationellem Fastfood! 2018 aß Didi hier sein erstes Ribbesandwich und diese Spezialität adelt jede Tankstelle zum Fastfood-Tempel! 

Kaum haben wir die Hondas eingefangen und auf den Parkplatz gewuchtet, stiefelt Angelika schon in den kleinen Kiosk mit der großen heißen Theke. Ach schade! Ribbesandwich ist aus! Nun, dann tun es auch ein paar Pølsehorn, wie die leckeren kleinen Würstchen im Teig hier heißen. Wir sind müde geworden, als wir uns auf einer kleinen Bank ausbreiten und den stärker gewordenen Verkehr beobachten.

Es nutzt nichts. Wir haben noch 50 km bis zu unserer Unterkunft, wir müssen weiter! Der Sturm hat nachgelassen und nun kommt sogar die Sonne ein wenig heraus. Es ist unangenehm dunstig-schwül und die hohe Luftfeuchtigkeit macht uns zu schaffen. Wir schwitzen in unsere Motorradsachen, obwohl es eigentlich gar nicht so warm ist. 

Wir können den gemütlichen Abend kaum erwarten und so ziehen wir auf der E20 ein wenig am Gas. Oh, da vorne ist die Lillebælt-Brücke! Hier machte uns 2018 der Sturm schwer zu schaffen aber jetzt finden wir die Fahrt über den Kleinen Belt richtig toll! Die hohe Brücke schwingt sich in einem eleganten Bogen über das Wasser und ein paar schöne Fernblicke später sind wir schon in Südjütland, sozusagen auf dänischem Festland. 

Die Autobahnfahrt verläuft unspektakulär und die Ausfahrt "Kolding Øst" ist leicht zu finden. Runter von der langweiligen E20! Nun fahren wir wieder nach der Karte und der R176 scheint uns die beste Route in den Norden. Die kurvenlose Fahrt auf der schmalen Straße zwischen unendlichen Getreidefeldern verläuft ereignislos und das ist uns auch ganz recht. Wir finden das meditative Spazierenfahren mittlerweile richtig klasse!

Die Sonne neigt sich schon zum Horizont und das beginnende Abendrot färbt den Himmel rosa, als wir den kleinen Ort Jelling erreichen. Wir kurven ein wenig herum, bis wir unseren Campingplatz finden aber dann geht alles ganz schnell: Schranken hoch, bei der Rezeption Frühstücksbrötchen bestellen, Hütte Nr. 3 checken, einziehen, leben!

Es ist großartig! Für uns ist diese erste Hütte dieser Reise etwas ganz Besonderes, denn diese Hütten sind einer der Gründe, warum wir so gerne in den Norden reisen! Und dieses Häuschen hier in Jelling ist ein ganz besonders hübsches Beispiel dafür. Es ist ein schönes Gefühl, erstmals wieder die seidigen Hüttenschlafsäcke auszubreiten!

Wegen dem dauernden Regen war heute ein anstrengender Tag, wie wir feststellen. Wir grüßen freundlich zu den lustigen Dänen hinüber, die vor ihrer Hütte sitzen und mit einer Dose Bier herüberwinken. Dann kochen wir leckeres Travellunch und sitzen noch lange mit einem Häferl Kaffee auf unserer winzigen Terrasse und freuen uns, in Jelling zu sein. Jelling? Solltet ihr Wikingerfans sein, wird euch der Name bekannt vorkommen, aber davon morgen mehr...

Tageskilometer: 250 km

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Regen

Moin, Moin
Das mit dem flüssigen Sonnenschein haben wir heute in Tschechien...
Da bleiben wir halt in unserem Zelt hocken. Um so schöner ist es dann, wenn man eine nette Lektüre zu lesen hat

klasse!

ein toller tag! das schloss schaut wirklich erstaunlich aus, für dänemark! :-O

dlzg

Fünen

Oh, die Hütte ist so herzallerliebst. Ein Zelt aus Holz. Das und die Fotos von euch mit und ohne Motorrad wecken so sehr die Reiselust, auch wenn hier schon der Frühherbst eingezogen ist. Aber macht nix, näh?!
Sagt, hat der Eintritt in den Park bei Slot Egeskov tatsächlich 55 Euro gekostet? Das ist aber viel.
Nun, am liebsten läge ich jetzt auch im Zelt, würde noch ein, zwei Stündchen schlummern und dann zur Rezeption stiefeln und die Brötchentüte für Svenja und Pieps abholen.
Weiterhin gute Reise, ihr Lieben.
Drück euch.

Antw.:Fünen

Fotos von uns im Regengwand machen Reiselust? Schätzchen, du bist schon sehr speziell. :-)))
Nein, ich verstehs. Auch bei uns ist es Herbst geworden und es ist ein vorerst nasser und kalter Herbst. Aber ändert nichts am Reisefieber!

Ja, es waren wirklich 55 Euro (für 2 Personen) und das war genauso teuer wie die Tickets MIT Schlossbesichtigung. *hmpfff*

Aber es wars wert. Alleine der verwunschene Garten mit dem hübschen Café! Und lauwarmer Kuchen mit Vanillepudding! Hörst du?

Ich umarm dich
Geli

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zuletzt aktualisiert am 12.10.2021