Die Tour

1. Tag: Wien - Kötschach-Mauthen

Bei 26°C und blauem Himmel verlassen wir Wien auf der A2-Südautobahn. Das ist wohl immer wieder einer der schönsten Momente des Jahres! Dieses Gefühl "Nein, heute abend kehren wir nicht zurück wie bei einer Tagestour"...

Bei Seebenstein wechseln wir auf die S6 und besorgen am Semmering ein kleines Frühstück. Es ist bereits unsere Urlaubstradition, bei der großen Raststation "Maria Schutz" die erste Rast zu machen und zu frühstücken!

Die S6 ist wie eine Autobahn durch schönes Gebiet und wir kennen jede Kurve im Schlaf. Daher sind wir bald mitten in der waldreichen Steiermark. Bei Judenburg wechseln wir auf die S36 und cruisen entspannt über unsere Hausstrecke im Murtal. Wunderschön ist es hier, immer wieder! In Scheifling biegen wir diesmal nicht rechts nach Murau, sondern wir nehmen die B317 über den Neumarkter Sattel. Wir machen echt Kilometer auf diesen gut ausgebauten Straßen in einer wunderschönen Gegend!

In St. Veit an der Glan wechseln wir auf die flotte B94 in Kärnten, die uns an der *BURG GLANEGG* am Ossiacher See vorbei und nach der *BURG LANDSKRON* nach Villach führt. Noch ein kleines Stück auf der A2 und der B111 und dann machen wir eine längere Pause nach 350 km bei Nötsch/Gailtal. Heiß ist es geworden! Wir können es nicht fassen, wie kurz wir hierher gebraucht haben, also verbummeln wir einige Zeit im Schatten und vertilgen die mitgebrachte Jause. Später cruisen wir noch eine kurze Strecke auf der B111 weiter und kommen nach etwa 60 km um 16:00 in Kötschach-Mauthen in unserem Quartier an.

Hier gefällt es uns gut! Ein familiäres Haus, dunkles Holz in den Zimmern, hübsche bäuerliche Deko gibts hier. Nach gutem und deftigem Essen (knuspriges Schnitzel mit Erdäpfelsalat!), einer Führung durch die Privatbrauerei *LONCIUM* und einem Spaziergang am Fuße des Plöckenpasses beenden wir den Tag. Ach ja! Angelikas Bankomatkarte hat hier den Geist aufgegeben. Nicht so super, am ersten von vielen Urlaubstagen... aber auch das kann unsere enorme Vorfreude auf die kommenden Wochen nicht trüben!
Tageskilometer: 407 km

2. Tag: Kötschach-Mauthen - Villafranca di Verona

Draussen regnet es, als wir ein deftiges Frühstück bekommen. Leider haben wir heute nicht so viel Zeit und daher packen wir bald unsere Sachen. Früh an diesem grauen und kühlen Morgen brechen wir auf und durchqueren auf der sehr schmalen B111 das romantisch-pittoreske *LESACHTAL*. Leider nieselt es aber dieses enge und kurvenreiche Tal ist immer wieder ein Erlebnis! Nach 55 km haben wir die österreichisch-italienische Grenze in Arnbach erreicht. Wir halten uns hier nicht auf, denn es regnet mittlerweile beständig. Wir vertrauen auf unsere wasserfesten Moto-Jacken und fahren weiter.

Bei Toblach/Dobbiaco zwingt uns ein Regenguß dann doch zur Flucht in eine überdachte Busstation. Wir warten mal ab und jausnen etwas Mitgebrachtes. Nun regnet es noch stärker und wir legen doch das Regengewand an. Dick eingepackt nehmen wir die SS49 bis Bruneck/Brunico und später schlängeln wir uns das enge Gadertal über Alta Badia nach Corvara/Kolfuschg. Eine Traumstrecke ist das, wenn auch bei Regen auf Grund der vielen engen Kurven nicht einfach zu fahren. Immer wieder sehen wir die kalkweißen Spitzen der Dolomiten zwischen den Bäumen durchschimmern. Bei Starkregen erklimmen wir dann die zahlreichen Serpentinen des Passo Gardena/Grödnerjoch und stellen oben erst mal die Motos ab. Im Rifugio wärmen uns mit heissem Tee auf. Es hat nur 14 °C und wir frösteln ziemlich!

Doch langsam kommt über dem Sellajoch die Sonne heraus und wir schöpfen etwas Hoffnung. So cruisen wir die SS48 hinunter über Cavalese bis Trento. Unglaublich! Hier hat es sommerliche 28°C! Wir sind müde von dem starken Regen und nehmen einfachheithalber die flotte A22-Brennerautobahn am Gardasee vorbei bis zum Quartier in Villafranca di Verona. Wir besichtigen noch die *SCALIGERBURG*, bevor wir bei einem kleinen Imbissstand versickern und dann müde in die Federn kriechen.
Tageskilometer. 382 km

3. Tag: Villafranca di Verona - Livorno

Schon wieder nieselt es, als wir aufbrechen, das gibts doch nicht! Und richtig kühl ist es auch! Über kleine Nebenstraßen cruisen wir quer durch die Po-Ebene, bis uns lautes und wummerndes Motorengeräusch den richtigen Weg weist: *MARANELLO*! Es hat mittlerweile 30°C Grad und ebenso heiß sind die Boliden, die hier zuhauf herumstehen. Das Nest der Ferraris, es gibt hier mehr rote Schönheiten als italienische Straßenkatzen! Wir staunen und kleben mit einigen anderen Leuten am Gitterzaun der *PISTA DI FIORANO*, während wir verschiedene Ferrari-Modelle bei den Testfahrten beobachten. Die ganze Luft hier riecht nach Benzin, verbranntem Gummi und dröhnt vom Lärm der 12-Zylinder!

Später folgen wir den geilen Kurven der SS12 über die Hochebenen und durch dichte Wälder Richtung Süden. Nach 157 km machen Hitzepause in *LUCCA*! Uns begeistert die mittelalterliche Ansicht dieser Stadt und wir schwören uns, dieses Kleinod spät einmal zu besichtigen. Es ist ja nicht so weit weg von uns. 

Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis Livorno und dann 10 kurvige Kilometer hinauf nach Montenero, wo unser Hotel steht.  Hier heroben ist es völlig ruhig, das Kloster vermittelt eine andächtige Stille. Was für ein Unterschied zur geschäftigen Hafenmetropole Livorno, auf die wir nun im Sonnenuntergang hinunterblicken! Schnell einchecken und dann genießen wir den Abend mit fantastischem Ausblick auf Livorno und über das Meer und gutem Essen bei "Daddarione". Wunderschön, bedächtig, romantisch und ruhig ist dieser Klosterbezirk...
Tageskilometer: 321 km

4. Tag: Livorno - Olbia/Pittulongu

Wir lassen uns lange Zeit beim Frühstück im dekorativen Wintergarten des Hotels. Schön ist es hier! Uns gefällt das lichtdurchflutete Haus mit den kühlen Marmorfliesen am Boden! Dann kurven wir die paar Serpentinen hinunter in die geschäftige Stadt. Vormittags nehmen wir im Hafen von Livorno Aufstellung.

Die Tickets haben wir bereits online gekauft und so vertreiben wir uns mit Benzingesprächen die Zeit, bis die Fähre der "corsica ferries" um 13:15 ablegt. Die 6,5 Stunden Überfahrt auf stürmischer See verschlafen wir an Deck, bis Sardinien am Horizont auftaucht. Von Golfo Aranci sind es nur 10 km südlich ins Quartier, immer der Küste entlang! Wir stellen die Motos unter die Palmen am Hotelparkplatz und beziehen unser Zimmer, das für die nächsten Tage unser Zuhause sein wird.

Nach dem herzlichen Empfang durch die sardische Familie erkunden wir die nähere Umgebung, denn wir haben schon ziemlich Hunger! Wir finden zu Fuß ein romantisches Lokal am Strand, wo wir während dem grandiosen Sonnenuntergang ein Menü mit ziemlich viel sardischem Hirtenbrot "Pane Guttiau" und dem lokalen Wein Vermentino genießen. Noch ein Drink auf der wunderschönen Hotelterrasse unter diesem riesigen Gummibaum und dann beenden wir diesen Tag. Gute Nacht, Welt!
Tageskilometer: 20 km

5. Tag: Costa Smeralda - Capo Testa - Porto Rotondo

Dieser Tag begrüßt uns mit 31°C und tiefblauem Himmel! Unseren Frühstückskaffee trinken wir auf der Terrasse, wo es wegen der hohen Palmen noch ziemlich angenehm ist. Heute wollen wir mal die Insel erkunden. Wir starten also die Alps gen Norden, immer die Costa Smeralda entlang! Hier sind die Ferienorte der Reichen und Superreichen und das sieht man auch an der Sauberkeit und Gepflegtheit der Region. 

Wir passieren so bekannte Orte wie Porto Rotondo und Porto Cervo, das von Aga Khan in bizzarer und pastellfarbener pseudo-sardischer Architekur aus dem Boden gestampft wurde, nachdem er sardische Bauern schändlich um ihr Land betrogen hatte. Er zahlte nur Pfennigbeträge für die 55 km angeblich wertlose Küste. Heute ist der Hafen ein kleines Monaco! Flavio Briatore hat hier seinen "Billionaire Club", einen hyper-exklusiven Nachtclub, wo man nur mit persönlicher Einladung ´reinkommt. Heute gehört die Küste der US-Investment-Gesellschaft Colony Capital und die Sarden sprechen hier von der "Costa Rubata", der geraubten Küste. Der soziale Sprengstoff explodierte in den 70-er Jahren. 

Nach 65 km erreichen wir Palau. Wir sehen die Militärfestung *MONTE ALTURA* aus dem 19. Jhdt. Im Schatten riesiger Kakteen jausnen wir köstliche Melonen gegen Hunger und Durst. Diese Früchte haben sich als kleine Zwischenmahlzeit im Süden echt bewährt! Noch 30 km und wir sind beim "Friedhof der Steine" *CAPO TESTA*dem nördlichsten Punkt Sardiniens! Hier beim Parkplatz gehts auch zum Valle di Luna. Den Namen verdankt das schöne Tal den berauschenden Vollmondfesten, die hier ab den 1960er Jahren von Hippies aus aller Welt gefeiert wurden. Erst 1984 setzten die Carabinieri dem Spuk ein Ende, da die Umweltbelastung durch den Müll zu groß wurde.

Mit Blick auf die schneeweißen Felsformationen, das strahlend grünblaue Wasser, das atemberaubende Panorama und die Südküste Korsikas pausieren wir bei "Cafe Frappé"! Warum es dieses erfrischende Getränk bei uns nicht gibt, bleibt uns unerklärlich.

Der Bocche di Bonifacio ist nur 12 km breit und hier spricht man den galluresischen Dialekt, was uns eigentlich egal ist, denn wir verstehen so oder so kein sardisch! Nun wollen wir ein wenig ins Innere der Insel und über die gut ausgebauten SS133 und SP115 durchqueren wir Bassacutena und Arzachena (*TEMPEL VON MALCHITTU* - bronzezeitliche  Nuraghenkultur !), bevor wir wieder in Porto Rotondo einlangen. Mit Blick auf die Villen der Superreichen wie zB Silvio Berlusconi jausnen wir eine perfekte Pizza, bevor wir in der rotgoldenen Dämmerung wieder in unser Quartier fahren. So viel "Reich und Schön" an einem Tag!

Tageskilometer: 215 km

6. Tag: Badetag am La Cinta

Nach 5 Tagen im Sattel wollen wir heute mal pausieren. Wir lassen uns viel Zeit mit dem Frühstück auf der Hotelterrasse. Dann tuckern wir gemütlich los. 3 km vom Quartier entfernt bestaunen wir das 4000 Jahre alte Brunnenheiligtum *SA TESTA*. Dann besichtigen wir die nahe gelegene Stadt Olbia und vor allem die romanische Basilika  auf einem ehemaligen punischen Friedhof. Uns gefällt die Einfachheit der traditionellen Sakralbauten hier! In einem Café treffen wir einen lustigen Typen, der uns in tiefstem "Bayrisch" anquatscht. Wir denken, oh ein Bikerkollege oder ein Tourist, der eine Frage hat, aber nein! Er ist Sarde und stammt aus Olbia. Seine perfekten Deutschkenntnisse hat er aus München, wo er viele Jahre lang im Tourismus gearbeitet hat, bevor er hier das Hotel seiner Eltern übernahm. Er erzählt uns Spannendes aus dem Konflikt zwischen Sardinien und Italien, in dem schon mal die Treibstofflieferung zur Insel unterbrochen wird, um irgendeine Einigung zu erzwingen ...

Nachmittags gehts aber ab zum Strand! Wir wollen einen Sprung ins Wasser wagen, denn das Meer müssen wir nutzen, wenn wir schon mal hier sind! Als Angehörige eines Bergvolks begeistert uns der Blick über den Ozean und das Herumplantschen im klaren Wasser immer wieder. Wahrscheinlich geht es Menschen, die am Meer leben, mit unseren hohen Gebirgen ebenso?

Nur 35 km vom Quartier liegt "La Cinta", ein kilometerlanger weißer Sandstrand, der längste Sardiniens. Mit Blick auf ein Wahrzeichen der Insel, die sagenumwobene Felseninsel *TAVOLARA* (das ehemals kleinste Königreich Europas!) entspannen wir in der Sommerhitze von 32°C. Plötzlich hören wir das Röhren von Motoren über unseren Köpfen! Es sind Löschflugzeuge, die versuchen, einen Waldbrand zu löschen, der hinter uns ausgebrochen ist! Spannend, wie die Flugzeuge direkt vor uns Wasser aus dem Meer in ihre Flügeltanks schöpfen und ihre Last knapp über die Köpfe der Badegäste transportieren! So etwas sieht man nicht alle Tage! Mit der Ruhe ist es vorbei, aber immerhin ist das ein aufregender Anblick.

Nach Sonnenuntergang cruisen wir dann den kurzen Weg heim. Nachdem wir uns etwas restauriert haben, gibts abends dann eine Riesenpizza bei  "Mascapoti" , der unser Stammlokal werden sollte. Viel göttlich schmeckender  "Mirtó"  beendet den Abend in diesem romantischen Lokal, bevor wir etwas unsicher die 2 km nach Hause fahren...
Tageskilometer: 70 km

7. Tag: Cala Gonone

Wir bemerken schon beim Frühstück: heute wirds heiß, schon bei der Abfahrt hats 32°C! Wir halten uns südlich auf der großartigen Küstenstraße über Posada bis Orosei, das wir nach 105 km erreichen. Hier blenden uns schneeweiße Marmorsteinbrüche am Wegesrand! Wir machen oft Pause, denn im Landesinneren ist die Hitze fast unerträglich. Wir entscheiden uns für die SS125 und nach ein paar geilen Serpentinen der SP26 hinauf bei Dorgali stehen wir am Berg, vor einem kurzen Tunnel. Was ist auf der anderen Seite?

Also hinein! Der unvorbereitete Anblick bei der Tunnelausfahrt bleibt uns ewig in Erinnerung! Wir stehen an einem Steilhang, tief unter uns die weißen Häuser von Cala Gonone, blaues Meer bis zum Horizont und alles voller leuchtend bunter Blumen! Jetzt aber Rauchpause, das müssen wir auf uns wirken lassen! Etwas später cruisen wir die Serpentinen hinunter ins Dorf. Wir erfahren, dass bis zum Tunneldurchstich oben am Berg der kleine Ort nur vom Meer aus erreichbar war. Wir genehmigen uns erstmal "Caffé Frappé" in einem kleinen Hafencafé und lassen die Szenerie auf uns wirken.

Dann entdecken wir etwas: eine Bootsfahrt übers Meer zur *GROTTA DE BUE MARINO*, der Meerochsenhöhle (20 €/pP). Na dann los! Wir parken die Motos im Schatten einer Palme und zahlen so eine Fahrt. Es dauert nicht lange und das kleine Boot legt ab und braust in angemessener Entfernung den Strand entlang bis zu einem dunklen Eingang in einen Klippenfelsen. Mönchsrobben lebten noch vor 20 Jahren hier drin und jetzt gibts Führungen durch diese Tropfsteinhöhle! Etwa 1 km kann man hineingehen, aber nicht ohne Führung. Zuerst ist Angelika etwas mulmig, aber dann *wow!* steinzeitliche Höhlenmalerei! Auch die Lichtspiele hier sind ziemlich gelungen! Nach der Führung gehts zurück mit dem Boot nach Cala Gonone. Es ist toll, wie die Gischt des Wassers am Bug hoch spritzt und bunte Regenbogen in die Luft zeichnet!

Nach diesem Erlebnis gönnen wir uns noch ein Eis im Hafen und dann gehts zurück über den Lago del Cedrino und über die schnurgerade SS131 bis Siniscola. Jetzt keine Experimente mehr: wir machen uns etwas Sorgen, denn wir haben kaum noch Sprit! Das Tankstellennetz auf dieser Insel ist dünn. Gottseidank entdecken wir in der Prärie-Einsamkeit eine Tankstelle, wo wir - nachdem wir die Hühner verscheucht und die Spinnweben entfernt haben - tanken können! Sogar die VISA-Card funktioniert klaglos, sogar besser als in manchen Lokalen bei uns daheim... Zurück im Quartier erholen wir uns etwas, duschen uns den gelben Staub aus den Haaren und abends erholen wir uns wieder bei "Mascapoti" von diesem heißen Sommertag.
Tageskilometer: 250 km

8. Tag: Tempio Pausania - Monte Limbara - Lago de Coghinas

Schon wieder ein sauheißer Tag, und das schon beim Frühstück! Aber heute wollen wir ins Landesinnere. Es kostet ein bisschen Überwindung, die Motorradhose anzulegen aber dann cruisen wir über die gemächliche SS127 etwa 55 km westlich nach Tempio. Das ist das historische Zentrum der Gallura, eine ganz aus grauen Steinen errichtete kleine Stadt.

Nachdem wir am winzigen Hauptplatz mit "Sospiri" (eine unbeschreiblich göttliche Süßigkeit, übersetzt heißen die "Seufzer"!) unsere Koffer gefüllt haben, rasten wir in einem kleinen Straßencafe im Schatten neben einigen alten Sarden. Wir stellen die Transalps neben unseren Tisch und natürlich bestellen wir wieder "Caffé Frappé". Wir erzählen mit Händen und Füßen, woher wir kommen und dass es für uns hier unwahrscheinlich heiß ist. Keine Ahnung, ob er uns verstanden hat, aber jedenfalls schickt uns einer jener alten Herren dann zur *FONTO DI RINAGGIU*! In diesem schattigen Pinienpark rinnt seit Urzeiten Heilwasser aus dem Berg, gratis für alle! Oh, dort machen wir lange Pause! Am liebsten würden wir uns unter den Wasserhahn stellen. Aber wir haben Melonen gegen den Durst mit, das geht auch. Wir beobachten einige alte Frauen, die mit Kanistern zu dieser Quelle kommen und sich Vorräte für zuhause holen und mit der schweren Last dann heimwärts trotten. Das Leben muss anstrengend sein, hier in der Sommerhitze...

Dem Rat des alten Mannes folgend nehmen wir später dann südlich die SS392, quer durch unendliche Korkeichenwälder. Es ist eine schmale Straße, aber der Asphalt hält. Wir fotografieren die abgeschälten Bäume ausgiebig. Irgendwie schauen sie verwundet aus, mit ihrem rötlichen nackten Stamm in der Hitze.

Nach 7,5 km biegen wir scharf links auf den Single Track SP51 und jetzt unzählige enge Serpentinen bergauf. (Bitte, wann räumen die hier den Rollsplit weg?!). Oben am *MONTE LIMBARA* (1.363 m) angekommen, sehen wir die Attraktion auf dem höchsten Gipfel Nordsardiniens. Eine überlebensgroße schwarze "Madonna delle Neve" streckt schützend ihre Hand gen Norden, behängt mit vielen Kilo bunter Votivgaben gläubiger Sarden. Ein unfassbarer und mächtiger Anblick! Wir sehen über die Granitsteine bis zum Meer und am Horizont sogar Korsika! Viele sardische Biker sind hier heroben und es gibt spannende Benzingespräche und kalte Getränke, bevor wir wieder vorsichtig hinunterkurven!

Über den Passo del Limbara (SS392) gehts zum Lago di Coghinas, einem wunderschönen tiefblauen Stausee inmitten der staubigen Einöde. Der Fluß Coghinas zieht sich wie ein blaugrünes Band durch die Wüste... Hier hats 39°C und null Schatten! Kurz denken wir, was jetzt wäre, wenn wir hier eine Panne hätten, aber die Transalps lassen uns natürlich nicht im Stich. Was für tolle Reisegefährten! Wir fahren also weiter und sehen Reste der bronzezeitlichen *NURAGHENKULTUR*.

Quer durchs Land fahren wir zurück ins Quartier, denn heute heißt es leider Koffer packen. Noch ein letzter Abend bei "Mascapoti", gegrillter Fischplatte und reichlich Mirtó, auf den der Chef seine österreichischen Freunde heute einlädt. :-) 
Tageskilometer: 235 km

9. Tag: Olbia/Pittulongu - Orvieto

Heute ist wieder ein strahlend heißer Sommertag mit 33°C, als wir frühmorgens die 12 km zum Hafen cruisen. Die Fähre der "corsica ferries" legt pünktlich um 8:00 ab. Wir genießen die  Fahrt auf spiegelglatter See bei Eiscafé an Deck und erreichen um 13:15  *Civitavecchia*. Die Luke geht vorwarnungslos auf und alle wollen gleichzeitig von Bord! Chaos! Wir haben viel Spass, als sich die Autos in der engen Ausfahrt verkeilen und die Fahrer mit hochrotem Kopf zu Streiten anfangen. Die gelangweilten Hafenarbeiter beobachten aus der Ferne und genießen ihre Zigaretten. :-)

Wir brauchen jetzt wirklich dringend eine Tankstelle und hier wird überall gestreikt! Es ist ziemlich mühsam, eine Tankstelle zu finden, wo sich der Chef erbarmt und uns ein paar Liter Sprit verkauft. Später gehts über die SS1 und die SS675 durch die Toskana etwa 60 km bis *VITERBO*. Heiß ist es, also fahren wir lieber weiter. Eine Besichtigung werden wir ein andermal unternehmen.

Nach einem kurzen Blick auf die toll erhaltene mittelalterliche Altstadt ist es nur noch ein Katzensprung von 30 km auf der SR2 zum *Lago di Bolseno*. Wir besuchen wie 2007 eine Bekannte aus Tirol, die vor Jahrzehnten "Peppe, den Fischer" geheiratet hat und nun am Seeufer mit Campingplatz mit ihm das gleichnamige Wirtshaus betreibt. Sie freut sich, uns zu sehen und wir bekommen ein Riesenstück von ihrem guten Kuchen. Das Lokal ist wie immer gut besucht, die Weinbauern aus der Umgebung machen hier Siesta. Über der Theke hängt eine Ziehharmonika und so unterhält Didi die begeisterten Toskaner mit österreichischer Volksmusik. :-) Was für ein Spass!

Schwierig, sich hier loszureissen, aber wir müssen noch 25 km nach *ORVIETO*! Kennt ihr das? Da fährt man selbstvergessen die kurvenreiche SS71 und durchquert ein kurzes Waldstück und - ohne Vorwarnung! - genau in einer Kurve erblickt man erstmals den Stadtfelsen von Orvieto und will stehenbleiben und fotografieren! Klar, dass dort täglich Auffahrunfälle passieren und einen haben wir auch miterlebt! Hier ein Tipp: Wenige Meter später ist eine perfekte Fotoplattform am Straßenrand... ;-)

Nachdem wir uns sattgesehen und einige Benzingespräche geführt haben, kurven wir hinunter und checken im Quartier am Fuße des Felsplateaus ein. Die Hitze hat uns geschafft und so suchen wir nur mehr eine Kleinigkeit zu essen, bevor wir in die Federn kriechen. Wir freuen uns auf morgen!
Tageskilometer: 112 km

10. Tag: Orvieto - Assisi

Heute stehen wir recht früh auf, um vor der Mittagshitze noch ein Stück weiter zu kommen. Im Quartier hält uns nichts und wir verzichten auch auf das extra zu bezahlende Frühstück. Lieber cruisen wir 5 km steile Serpentinen in die mittelalterliche Altstadt mit ihren superengen Gassen. Auf der Piazza della Repubblica ist ein bisschen Platz und so stellen wir die Transalps ins Parkverbot. Die werden da sicher nicht so sein, die Italiener!

Zielstrebig finden wir das winzige "Café Montanucci" , wo wir in einem schattigen Hinterhof erst mal frühstücken. Wir beobachten elegant gekleidete Einheimische, wie sie ihren traditionellen Stehcafe hastig an der Bar schlürfen und dann zur Arbeit gehen. :-) Wir werden die "Frühstückskultur" der Italiener nie verstehen! Wie kann man so dürftig einen Tag beginnen? Wir fallen mit unserer großen Bestellung an süßen italienischen Schweinereien hier sicher auf! Trotzdem genießen wir das geschäftige Treiben und das typisch italienische Flair in diesem kleinen Café.

Dann steigen wir wieder auf unsere Motos und kurven weiter durch mittelalterliche Gassen, bis wir auf der Piazza Duomo stehen. Wir besichtigen den beeindruckenden gotischen *DOM VON ORVIETO* (1288 a.D.) und sind begeistert! Die gesamte Fassade ist über und über mit schwarzweißen Mosaiken und Malereien geschmückt! So etwas haben wir so ähnlich in Siena gesehen. Wir bestellen noch eine schnelle Limo in der "Bar Hescanas" beim Dom, denn es hat schon 40°C ...

Aber wir müssen weiter, wir haben noch etwas vor! Über die kurvenreichen SS205 und SS448 cruisen wir 35 km Richtung Osten, am *Lago di Corbara* entlang. Es ist wirklich sauheiß und bei Todi steht ein einsamer Baum auf einem Parkplatz und spendet Schatten. Pause, jetzt oder nie! Das sieht der Regler von Didis Transalp allerdings ebenso und geht in die ewigen Jagdgründe ein. Naja, das hätte an unangenehmeren Orten passieren können, hier gibt es zumindest 3m² Schatten! Nun, Didi wechselt in Windeseile den Ersatzteil, kein Problem. Schwieriger ist dann allerdings für Angelika das Anschieben der ganzen Fuhre! Auf Schotter. In voller Bekleidung. Bei 41°C. Honda sei gelobt, springt das Ding schon beim 1. Versuch an und der Motor blubbert wieder fröhlich vor sich hin! :-)

Jetzt nicht stehenbleiben, sondern die Batterie laden! Also gehts verschwitzt weiter. Kurvenreich und wunderschön präsentiert sich Umbrien! Auf der SP418 und SS316 durchqueren wir endlose hügelige Olivenhaine und kommen nach 55 km in *BETTONA* an. Eine etruskische Stadt, Ausblick auf die Ebene von Spoleto! Wir treffen den Polizisten Gianfranco, der uns nicht nur den historischen Stadtsaal aufsperrt, sondern uns auch in sein mittelalterliches Haus einlädt! Großartig! Was für ein netter neuer Kontakt! Gianfranco lässt es sich nicht nehmen, uns die letzten 17 km der SP404 bis *ASSISI* zu lotsen.

Wir wünschen ihm noch viel Glück bei seinem abendlichen Date in Perugia, das er nervös kichernd erwartet,  und dann kurven wir durch das mittelalterliche Assisi und checken im Hotel ein. Auch das leidige Parkplatzproblem (siehe Quartier) für unsere beiden Fuhren ist schnell gelöst und dann gehts frisch geduscht zur Stadtbesichtigung. Wir bestaunen die Fresken von Giotto im *DOM SAN FRANCESCO* und das *GRAB DES HL. FRANZISKUS*! Hier ruht der sympathische Heilige seit dem Jahr 1226 und wir zünden ein Kerzerl an und hinterlassen bei dem freundlichen Mönch, der seinen Ordensgründer bewacht, einen Wunschzettel. Ja, da sind wir abergläubisch! (Dass dieser Wunsch schon wenige Monate später in Erfüllung gehen wird, können wir noch nicht wissen.)

Nach diesen vielen wunderschönen Eindrücken suchen wir etwas zu Essen. Assisi ist heute eine untouristische Stadt, man findet wenige Lokale. Ausser Mönche, Nonnen und Pilger sind wenige Besucher in der Altstadt. Dementsprechend ist die Stimung auch ruhig, andächtig und sehr friedvoll. Wir mögen das! Letztendlich finden wir die Terrasse des Hotel "Giotto" und gönnen uns ein sauteures Dinner mit Blick über die Dächer von Assisi und die Ebene von Spoleto, sehr romantisch! Glücklich schlafen wir an diesem Tag ein und freuen uns einfach, zu sein.
Tageskilometer: 118 km

11. Tag: Assisi - San Marino

Nach einem wunderbaren Frühstück über den Dächern von Assisi satteln wir wieder unsere Pferde. Wir müssen da noch etwas besuchen, was wir uns seit langem wünschen! So kurven wir einige Serpentinen 2,5 km hinunter nach *SAN DAMIANO*. Hier lebte und wirkte der Hl. Franziskus mit Klara und seinen Freunden, nachdem er ins Exil geschickt wurde. Exil bedeutete also nicht "Ferne", wie in vielen Filmen dargestellt, sondern einfach "ausserhalb der Stadtmauern", was im Mittelalter sowieso eine schlimme Strafe war!

Hier renovierte er das verfallene Kloster, gründete seinen Orden und dichtete den berühmten "Sonnengesang". Im idyllischen Klostergarten wird "silentium" gewünscht und tatsächlich bewegen sich die wenigen Besucher in andachtsvollem Schweigen. Beeindruckend das original erhaltene Refektorium, wo die ersten Franziskaner gemeinsam speisten und auch der knorrige Lieblingsolivenbaum, unter dem der Heilige sitzte und mit den Tieren sprach, ist noch da. Ein wahrlich bewegender und wunderschöner Ort und Anknüpfungspunkt für viele Legenden! Uns kommt es hier spiritueller und damit religiöser vor als im Petersdom zu Rom, mit all seinem Prunk...

Über kleine und kurvenreiche Straßen cruisen wir später nördlich. Wir kommen an Gubbio und Urbania vorbei. Irgendwo dort in den Marken machen wir hitzebedingt eine längere Pause und trocknen bei 40°C unsere Bikerkluft am Straßenrand. Die Ruhe und Einsamkeit der Straßen in den Marken beeindrucken uns! Hier kommt nie ein Auto vorbei und den meisten Lärm machen riesengroße Zikaden, die hier die Pinien bevölkern. Man versteht fast sein eigenes Wort nicht, wenn so ein Tier in der Nähe hockt! 

Beim Castello Montegiardino ist *SAN MARINO* nicht mehr weit! Plötzlich erblicken wir den steilen Hang des *MONTE TITANO*! Wir kurven die engen Serpentinen hinauf und schon sind wir mitten in diesem 301 a.D. gegründeten Kleinstaat! Schnell einchecken, die Transalps in den Schatten parken und unter die Dusche. Heiß ists, wir müssen uns etwas renovieren!

Aber dann ohne weitere Verzögerung hinein in die wundersame mittelalterliche Stadt! Wir sind wirklich begeistert! Lebendiges Mittelalter! Die ganze Altstadt im Original erhalten oder renoviert! Wir finden eine tolle Pizzeria innerhalb der Stadtmauern und essen leckere Pizza mit viel Käse. Dazu eine Flasche bester Rotwein und wir sind glücklich! Morgen wird ein toller Tag!
Tageskilometer: 170 km

12. Tag: San Marino

Das Frühstück ist eine Enttäuschung, aber das macht nichts. Wir besorgen uns noch einen Kaffee an der Stadtmauer und blättern ein wenig im Reiseführer. Heute gehts auf zur Stadtbesichtigung, die Transalps bleiben im Schatten stehen! Bei blauem Himmel und 39°C erklimmen wir zu Fuß *LA GUAITA*, drei miteinander durch Wehrgänge verbundene uneinnehmbare Türme am Berggrat in schwindelnder Höhe! Ha! Die Fotos werden aussehen, als hätten wir sie aus einem Helikopter geknipst!

Die Gründungsgeschichte finden wir toll! Da war im Jahr 301 n. Chr. ein jugoslawischer Bauarbeiter namens Marinus als Christ vor der letzten römischen Christenverfolgung auf der Flucht und kletterte auf den Monte Titano. Dort versteckte er sich und so nach und nach kamen viele Glaubenskollegen zu ihm und gemeinsam wohnten sie in luftiger Höhe. Genau 10 Jahre später endete die grausame Christenverfolgung und Marinus wurde zum Diakon geweiht. Eine römische und sehr reiche Bürgerin, die ebenfalls heimlich Christin geworden war, schenkte ihm offiziell den Monte Titano und das war der Beginn dieses wundersamen Stadtstaates.

Auch ein Gefängnis (mit bewegenden Wandkritzeleien von zum Tode Verurteilten!), eine Waffenkammer, Burgkapelle und Hochgänge sehen wir, alles 750m über der Ebene von Rimini! Kein Wunder, dass diese Stadt nie eingenommen wurde und umso interessanter, dass hier die 1. Republik der Welt gegründet wurde. Wir können uns nicht sattsehen, auch wenn man hier schwindelfrei sein sollte. Bischof Malatesta von Rimini hat sich an dem Festungsbau hier einige Male die Zähne ausgebissen. Es muss ihn ziemlich geärgert haben, da er La Guaita von seinem Bischofssitz aus zweifelsfrei sehen konnte!

Wir machen nach dieser Wanderung über die Festungstürme eine längere Pause, um die Szenerie auf uns wirken zu lassen. Ein Café bietet sich dazu an und wir essen köstliche macedonia und Eiscafé zur Erfrischung. Vor dem Café - nein, wir haben das nicht zufällig ausgewählt - sehen wir dann noch die beeindruckende Wachablöse lustig bunt uniformierter Soldaten beim Rathaus. Wir kaufen dann noch Souvenirs für die Lieben daheim und essen eine Kleinigkeit. Bei dieser Hitze haben wir heute keinen großen Hunger. Tja, und in der "Cava de Ballestrieri", wo früher Armbrustschützen trainierten (und für dieses Training sogar vom sonntäglichen Kirchgang befreit wurden, so wichtig waren sie für die Stadt!), ist heute ein Jazzkonzert und die Nacht wird noch sehr lang, bevor wir endlich schlafen gehen ... 

13. Tag: San Marino - Venedig

Heute müssen wir San Marino verlassen, nicht ohne zu schwören, bald wiederzukommen. Wir chillen noch ein wenig im Café an der Stadtmauer und kommen später weg als geplant, es ist mit 34°C heute eigentlich ganz angenehm!

Die Küste entlang etwa 80 km über Rimini und das hochtouristische Cervia nach *RAVENNA*, wo wir einen Sprung in die beeindruckende Altstadt machen. Aber diese Stadt heben wir uns für eine andere Tour auf, die Altstadt ist nämlich Fußgängerzone und dafür ist es im Motorradgewand zu heiß!

Weiter gehts über Chiogga nach *VENEDIG*, wo wir abends ankommen. Ach ja!  Bei Porto Levante flüchten wir nach 170 km kurz in den Schatten und trinken ein paar kalte Limonaden in einem kleinen Lokal am Wasser der Lagune.
Tageskilometer: 240 km

14. Tag: Venedig - Lienz

Weil uns das bekannte "Kanaltal" schon langweilt, wollen wir heute mal über Treviso und Conegliano nach Norden, was sich schnell als ziemlich blöde Idee erweist. Bald nach Mestre stellt sich nämlich heraus, dass die SS13 und ab Conegliano die SS51 vollkommen verstopft sind! Was für ein Stau, hier in der "Area di Grande Guerra"!

Wir können nur sehr langsam am Rand vorfahren und bei Lozzo di Cadore flüchten wir vor dem Verkehrschaos und biegen scharf rechts auf die SS52 ab. Der kleine Mauria-Pass ist eng und extrem kurvig! Geile 64 km Kurvenspass bis Tolmezzo! Nun sind wir schon fast "zu Hause". Flott geht es 35 km bis zum Fuße des Plöckenpasses und dann erklimmen wir die berühmten eingehausten Serpentinen. Oben angekommen trinken wir erst einmal ein kaltes Cola und machen eine kurze Pause.

Über Kötschach-Mauthen und den Gailbergsattel geben wir Gas, die B110 - unsere Hausstrecke! Bei Oberdrauburg scharf links und die letzten Kilometer bis ins Quartier oberhalb von Lienz nehmen wir auf der gut ausgebauten B100. Glücklich treffen wir abends beim Sepp ein und verbringen den Abend bei deftiger Hausmannskost und ebenso deftigen Benzingesprächen! Viele Biker sind heute da und wollen unsere Geschichten hören! Zufrieden und entspannt schlafen wir dann ein, wie immer in Zimmer 9 mit Blick auf die Lienzer Dolomiten...
Tageskilometer: 285

15. Tag: Pustertaler Höhenstrasse - Maltastausee

Eigentlich wollten wir einen Tag Pause machen aber wir haben noch nicht genug vom Motorradfahren! Also gehts nach dem wie immer sensationellen Frühsstücksbuffet bei angenehmen 22°C über die "Pustertaler Höhenstraße" bis *ANRAS*. Wir überlegen: Dolomiten oder Kärnten? Wir entscheiden uns für Letzteres! Nach einer Pause gehts also durch das Pustertal flott zurück nach Lienz (B100) und weiter über Oberdrauburg bis Greifenburg. Das Drautal ist eine romantische Gegend!

Ab Greifenburg wandelt sich die B100 zu einer Schnellstraße und die 55 km über Möllbrücke und Lendorf, dann durch das enge und extrem kurvenreiche Liesertal bis Malta sind schnell geschafft! In Malta ist die *KÖLNBREINSPERRE* gut ausgeschildert also cruisen wir den Single Track die Göss entlang. Ziemlich überraschend wird der kleine Weg zur *MALTA HOCHALMSTRASSE* (Maut: 10€/pP) mit übereinander gestapelten Serpentinen und hoch oben einem ampelgeregelten, eng-einspurigen und unbeleuchteten, dafür steil ansteigenden Tunnel. 

Hat man das jedoch geschafft, befindet man sich in einer traumhaften Bergwelt (1.933 m) am Rande des Stausees. Was für ein großartiges Panorama! Hier bleiben wir für heute, jausnen, entspannen und beobachten die Bungee-Jumper, die sich die mit 200 m höchste Staumauer Österreichs hinunterstürzen.

Auch ein kleiner Disput mit einem norddeutschen Besserwisser, der unser Kartenmaterial als veraltet und unbrauchbar ansieht, weil sein Navi um 4m Höhenmeter mehr anzeigt, als in unserer Karte verzeichnet ist, kann unsere Laune nicht trüben. Wir beruhigen ihn und erklären, dass die Berge seit unserem Kartenkauf bekanntlich durch Auftrieb der Erdkruste gewachsen sind, und daher sein Navi natürlich aktueller sein muss als unsere Karten. Wir haben viel Spass, als er uns das auch glaubt. [Anm.: Die Alpen wachsen etwa 4mm pro Jahr und für seine 4m braucht ein Berg knapp 1000 Jahre!]

Jedenfalls genießen wir den Tag, bevor es abends den gleichen Weg zurück zum Iselsbergerhof geht, wo wir einen weiteren entspannten Abend verbringen.
Tageskilometer: 286 km

16. Tag: Lienz - Wien

Den letzten Tourtag wollen wir etwas ausdehnen. Über Winklern erreichen wir das Mölltal (B106) und cruisen bei nur 14 Grad bis Spittal/Drau. Durchs romantische und kurvernreiche Liesertal (B99) gehts 35 km bis ins pittoreske Innerkrems, denn dort ist der West-Einstieg in die *NOCKALMSTRASSE* (7€/pP). 52 Kehren und nochmehr Kurven führen durch den Motorradhimmel (2.024 m) im Nationalpark, es gibt nicht viele Strecken von 35 km ohne eine einzige Siedlung!

Unten angekommen scharf links und dann cruisen wir über die Turracher Höhe (23%) in die Steiermark. Nach 50 km haben wir *MURAU* erreicht. Wir machen Mittagspause beim befreundeten Bärenwirt!

Dann weiter über die gut ausgebaute B96 bis Pöls, wo der Anfang der Strecke über den Triebener Tauern liegt. 40 km bestes Alpenpanorama! Wir entscheiden uns noch, unsere Familie in Linz zu besuchen und geben Gas, über die A9-Pyhrnautobahn und die A1-Westautobahn.

Am frühen Abend erreichen wir Linz. Nach einer kurzen Pause gehts die letzten 170 km über die B3 die Donau entlang nach Wien. Nicht ohne beim "Schörgi" in Grein mit einem großen Eis das erfolgreiche Tour-Ende zu feiern! Wie immer sind wir beim Ende unseres grandiosen Urlaubs etwas sentimental. Der Alltag hat uns wieder.
Tageskilometer: 600km

 

 

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zuletzt aktualisiert am 5.10.2017