Salzburg-Osttirol (Aug 2016)

1. Tag: Wien-Linz

Wir haben einen kleinen Ausflug vor uns, also machen wir uns keinen Stress! Wir verlassen Wien mittags bei 18°C und düsterem Himmel. Das Regengewand lassen wir noch eingepackt. Es geht gemütlich auf der A1-Westautobahn bis Melk und dann über die Donaubrücke zur B3 ans linke Donauufer. Da wir noch nicht gefrühstückt haben, machen wir nach 95 km beim „Ötscherblick“ in Krummnußbaum Pause und genießen den leckeren Schinkenkäsetoast und die Bosna! Kalt ist es geworden und bei 16°C frischt der Wind ziemlich auf!

Am Weg in unser 2. Zuhause in Linz machen wir noch eine Kaffeepause beim „Honda GRELL“, wo Angelika spontan neue Sommerhandschuhe kauft. Ihre haben irgendwo in Süditalien das Zeitliche gesegnet!

Am späten Nachmittag kommen wir nach einer gemütlichen Fahrt über die B3 nach 60 km in Linz an, kochen uns etwas Gutes und verbringen den Abend mit dem erwachsenen Sohn, während es draussen leicht zu regnen beginnt…
Tageskilometer: 175 km

2. Tag: Linz - Lienz/Iselsberg

Wir befürchten das Schlimmste, als wir die Vorhänge zur Seite schieben. Es ist düster, aber es regnet nicht! Um 9:30 fahren wir los, es hat bewölkte 17°C. Nur wenige Minuten später sind wir auf der A1-Westautobahn und die Sonne kommt heraus! Grossartig! Wir wollen noch Angelikas Mutter besuchen und spulen die 150 km schnell ab. In Mondsee hat es schon 25°C. Prämiumwetter! Bei der Ausfahrt Salzburg/Süd-Walserberg sehen wir, was heute für ein Stauchaos herrscht und es ist erst Mittag! Urlauberschichtwechsel in Deutschland! Wir verstehen nicht, warum hunderttausende Urlauber immer Samstags an- und abreisen. Die Woche hat doch 7 Tage?! :-)

Nach Kaffee und Kuchen starten wir am frühen Nachmittag über die Salzachtal-Bundesstrasse B159 in den Süden. Es wird immer wärmer und es ist viel Verkehr rund um Hallein und Golling. Ob die alle die großartigen Felswände des Tennengebirges sehen? Am engen Pass Lueg sind wir fast alleine. Seit 40 Jahren ist dieser Pass zur Durchreise fast bedeutungslos, denn die Autos sind jetzt alle auf der Tauernautobahn. Nach 50 km kurvenreicher Strecke sind wir an Bischofshofen vorbei in St. Johann im Pongau. Hier hat sich über die Jahrzehnte seit Angelikas Kindheit viel verändert! Viel Industrie hat diese ehemals beschaulichen Dörfer in chaotische und hässliche Kleinstädte verwandelt. Der wunderbare *DOM* von St. Johann ist kaum noch zu erkennen! Naja, der Fortschritt (?) macht auch hier in den Bergen vor nichts halt….

Nun wechseln wir auf die B311 gen Westen, um der Salzach weiter zu folgen. Rund um Schwarzach-St. Veit ist diese Straße beinahe eine Autobahn und wir brausen hoch über dem Tal dahin. Heiß ist es, 31°C! Nach 30 km lockt ein „Burger-Standl“ am Straßenrand von Taxenbach im Rauriser Tal und wir machen Pause. Hunger! Die hausgemachten Chickenburger schmecken sensationell und wir können auch unseren Durst löschen.

Es sind noch ca. 40 unspektakuläre Kilometer bis Mittersill (wir haben uns spontan gegen die Überquerung des Großglockners entschieden, denn 50.- für 2 Motorräder sind für eine schnelle Überfahrt zu viel!) und durch den Felbertauerntunnel (10.-Maut/Motorrad) mit seinen neu gebauten Serpentinen am Tunnelausgang sind wir im Tauerntal. Die Grenze Salzburg-Osttirol haben wir im Tunnel überschritten.

Die gut ausgebaute Iseltalstraße B108 führt die Tauer und dann die Isel entlang, links und rechts großartige Bergpanoramen, Wasserfälle und Schluchten und nach ca. 60 km sind wir am geliebten Iselsbergerhof oberhalb von Lienz angekommen! Nach einem deftigen Grillteller und einem romantischen Spaziergang an den steilen Hängen gibts noch Benzingespräche mit Sepp und seinen deutschen Gästen.

Es ist schön, hier zu sein!
Tageskilometer: 333 km

3. Tag: Lienz/Iselsberg - Staller Sattel - Ausservillgraten

Heute werden wir bei Freunden übernachten und die wohnen nur 40 km entfernt. Wir haben also den ganzen Tag Zeit zum Spazierenfahren! Wir frühstücken deftig bei blauem Himmel und 18°C. Prämiumwetter kündigt sich an! Wir sitzen dann noch etwas vor dem Haus in der Sonne bei Kaffee und Torte, bis wir um 11:30 losfahren. Die paar Serpentinen hinunter nach Lienz sind schnell geschafft. Als wir durch den Ort stauen, hören wir durchgehende Sirenen plärren – Katastrophenalarm! Vom KFZ-Schrottplatz steigen schwarze Qualmwolken hoch und unzählige Löschwägen der Feuerwehr und Ambulanzen brausen von überall her an uns vorbei! Abends werden wir lesen, dass man stundenlang brauchte, bis das Feuer unter Kontrolle war.

Die dunklen Rauchwolken steigen hoch über die Berge, als wir die Iseltalstraße B108 bis Huben fahren. Dort ist der eng-kurvige und steile Einstieg ins Defereggental. Wir sind diese malerische Strecke der L25 schon lange nicht mehr gefahren! Es ist wunderschön hier, ein dramatisches Tal, sehr ursprünglich. Die Schwarzach glitzert türkis im Sonnenlicht und gleicht heute einem Wildbach! 35 km geht’s kurvenreich dahin, vorbei an steilen Hängen und schwarz-hölzernen alten Bauernhöfen hoch oben auf den Bergen. Bei St. Jakob machen wir eine längere Pause und genießen das Panorama und das Plätschern des Baches.

Bei Mariahilf-Rinderschinken (!) ändert sich die Straße und kurvt in aussagekräftigen Serpentinen den Hang hinauf. Dann ist man in einer einsamen Hochebene – dem Staller Sattel! Es ist sooo schön hier! Der Sattel ist etwa 12 km lang und man kommt an einem interessanten See vorbei, dem fischreichen Obersee. Das kleine Wasser auf 2.016m Seehöhe ist beeindruckende 27m tief! Die Fischerei war hier immer schon wichtig! Das bezeugt auch ein 1000 Jahre altes Boot, das man tief im See fand und das nun im Museum in St. Jakob zu bewundern ist!

Die einspurige Grenze zu Italien mit ihrer Ampelregelung ist wohl jedem Motorradfahrer bekannt! Die ersten 15 min. jeder Stunde geht’s bergab, dann heißt es 45 min. warten. Wir erwischen knapp die Abfahrt und schon schlängeln wir uns langsam die rabiaten Serpentinen bergab. Wir schielen natürlich nach dem sensationellen Ausblick, während wir auf die heraufkommenden Radfahrer achten, für die die Sperre nicht gilt. Unten angekommen staunen wir über die lange Warteschlange zur Auffahrt! Hier im Antholzertal ist verkehrsmäßig die Hölle los. Auf den Parkplätzen aller Restaurants glänzen wohl hunderte Autos bunt im Sonnenschein. Es ist 13:00 und ziemlich warm, Mittagessenszeit! Nach einer längeren Fotopause am Antholzer See halten wir uns nicht auf und genießen die langgezogenen Kurven der SP44 durchs 22 km lange Antholzertal bergab. Im Pustertal angekommen, biegen wir links auf die SS49 ab. Die Pustertaler Staatsstraße bringt uns nachhause. Bevor wir allerdings unsere Freunde Manfred und Doris treffen, wollen wir noch eine Kleinigkeit essen. Wir haben wirklich Hunger!

Doch jedes auch noch so kleine Lokal ist überfüllt, auch im „Tempele" in Innichen bekommen wir keinen Platz. Also reisen wir nach Österreich ein und nach insgesamt 33 km sind wir in Sillian. Bei der  kleinen Tankstelle am östlichen Ortsende von Panzendorf bekommen wir unglaublich leckere Cheeseburger und etwas zu Trinken. Ein Motorradpärchen aus Mattighofen setzt sich zu uns und wir haben ein nettes Benzingespräch mit den beiden. Nun aber los! Unterhalb der Burg Heinfels geht’s ins Villgratental und nach nur 6 km sind wir um 16:30 bei unseren Freunden hoch oberhalb der Kirche in Ausservillgraten. Oh, wir lieben diesen uralten Bauernhof auf dem steilen Hang!

Die Wiedersehensfreude ist groß und wir verbringen einen entspannenden Abend auf der Terrasse und beobachten die traditionelle „Berg- und Hausbeleuchtung" heute in der Nacht vor dem Hochfrauentag. Um 20:00 beginnt das Spektakel: Die Dorfmusik gibt ein Blasmusikkonzert und engagierte Jung-Bergsteiger, die hoch oben in den Felsen sitzen, entzünden langsam ein Licht nach dem anderen. Unglaublich, wie stimmungsvoll die Hochalmen, Berggrate und Häuser hier beleuchtet werden, alles zu Ehren von Jesus Christus und besonders seiner Mutter Maria. Ja, das ist das Villgratental, das vielleicht ursprünglichste Tal Österreichs, das Massentourismus bis heute so stur wie erfolgreich verweigert! Wir sind froh, hier zu sein und es dauert nicht lange, da fallen wir todmüde in die Federn. „Ins fahlt nicht!"
Tageskilometer 132 km

3. Tag: Ausservillgraten - Wien

Heute stehen wir früh auf, denn wir wollen noch mit unseren Freunden frühstücken, bevor sie zum Großglockner aufbrechen. Um 8:00 starten wir los, 18°C und Sonnenschein, perfekt! Die kurvenreichen 6 km ins Pustertal hinaus nach Sillian kennen wir in- und auswendig. Auch die 35 km auf der B100 bis Lienz fahren wir "auf einer Backe". Dort entscheiden wir uns für das Drautal Richtung Spittal/Drau. Die 70 km unterbrechen wir mit einer feinen Kaffeepause in einem Wirtshaus in Dellach. Das starke Gebräu tut gut! Hier fassen wir auch den Plan, heute die "Nockalmstrasse" in den Norden mitzunehmen...

Wir beschleunigen die Sache ein wenig und fahren etwa 27 km von Spittal/Drau bis zur Abfahrt Gmünd/Maltatal auf der A10-Tauernautobahn. Nun geht im extrem kurvigen Liesertal B99 weiter bis Kremsbrücke. Skeptisch beobachten wir weiße Gewitterwolken, die sich über den Nockbergen türmen, aber egal. Hier beginnt auch die enge L19, die sich die Krems entlang bis Innerkrems schlängelt. Was für ein ursprüngliches und naturbelassenes Tal! Hier ist nun die Mautstation zur "Nockalmstrasse" (10,50 pro Motorrad). Nun, jeder Motoradfahrer kennt diesen Motorradhimmel mit seinen 52 "Reidn", wie man hier zu den Kehren sagt, die alle nach Pflanzen benannt sind! Das Wetter ist prächtig und wir machen eine längere Pause am höchsten Punkt, der Eisentalhöhe auf 2.024 m. Obwohl heute ein Feiertag ist, sind erstaunlich wenige Motorradfahrer hier heroben ...

Die Wolken werden dichter und wir geben ein wenig Gas die unzähligen Kurven ins Tal. Nach 34 km sind wir in Ebene Reichenau und biegen scharf links ab. Wahrscheinlich ist die Turracher Höhe mit ihren 23% Steigung immer noch der steilste Straßenabschnitt Österreichs! Einfach am Gas hängen bleiben und nach 9 km stehen wir auf der Passhöhe von 1.763 m. Was wir hier allerdings Richtung Murtal sehen, lässt uns das Blut in den Adern gefrieren: die böse Stiefmutter aller Gewitterwolken (© Svenja), es blitzt ununterbrochen in dunkelschwarzen Wolkenbergen! Dort müssen wir hin ... dort geht es in den Osten! Noch schnell die B95 hinunter vom Berg und im Ort Turrach ziehen wir uns das Regengewand an. Wir können noch nicht wissen, was uns nur wenige Kilometer später erwartet...

Kurz und gut. Es sind über Murau und Judenburg noch etwa 200 km bis zum Semmering und wir kommen in eines der stärksten Unwetter, das Kärnten/Steiermark seit Jahrzehnten erlebt hat: Monsunregengüsse, Überschwemmungen, Murenabgänge, Flussverklausungen, Katastropheneinsätze von Feuerwehren. Mühsam und vorsichtig tasten wir uns in der Finsternis vorwärts, auf der B97/B96 und der Semmeringschnellstraße S6 herrscht Aquaplaning. Jedes vorbeifahrende Auto schüttet gefühlt einen weiteren Kübel Wasser auf uns. In der Raststation Kapfenberg warten wir mit einigen anderen Motorradfahrern auf Wetterbesserung, aber vergeblich. Angelika leert Wasser aus ihren kaputt gegangenen Stiefeln und wir wärmen uns mit heißer Schokolade auf. Dann geht es weiter durch die Apokalypse. In Mürzzuschlag droht die Mürz mit ihrem reissenden Schmutzwasser den Ort zu überschwemmen. Das schaut  vom Sattel eines Motorrads ziemlich gruselig aus, aber wir sehen eh fast nichts durchs regenblinde Visier...

Um 17:30 sind wir am Semmering und trauen unseren Augen nicht: Sonnenschein, trockene Fahrbahn. Der "Zauberberg" hat seine Funktion als Wetterscheide wieder einmal bewiesen. Eine Stunde später sind wir in Wien, bei blauem Himmel, Sonnenschein und 25°C. Ja darf das denn wahr sein?! Wir haben dann den ganzen Abend zu tun, unsere schlammigen Klamotten zu reinigen und uns selbst trockenzulegen...
Tageskilometer: 480 km

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zuletzt aktualisiert am 5.10.2017