Ost-Süd-Nordtirol (Mai 2017)    

1. Tag: Wien - Lienz/Iselsberg

"Christi Himmelfahrt" und der Zwickeltag am Freitag bescheren uns ein langes Wochenende. Also wollen wir endlich wieder einmal zum Iselsbergerhof, nach diesem viel zu langen Winter! Schon in der Früh kündigt sich mit 18°C ein warmer Sommertag an, als wir um 10:15 Uhr bei uns zuhause in der Tiefgarage starten. Die nächsten 4 Tage sollen sommerlich werden, also los!

Die langweilige S6 ist der schnellste Weg nach Südwesten und so machen wir die erste traditionelle Frühstückspause am Semmering. Wie immer sind die Leberkässemmerl knusprig und der Kaffee gut!  Bei immer wärmeren Temperaturen gehts gemütlich dahin und zu Mittag sind wir in St. Marein in der Steiermark. Heißer Tipp: die haben an der Autobahnraststation traditionelle Kardinalsschnitten in vielen Geschmacksrichtungen! Wir gönnen uns welche und kurz darauf sind wir in Judenburg. Die B317 nach Scheifling ist mittlerweile zur Schnellstraße ausgebaut, vorbei sind die Zeiten, in denen man kilometerweit einem Traktor hinterher zuckeln musste, ohne Chance aufs Überholen. Und bei Unzmarkt wird gerade die nächste Verbreiterung/Untertunnelung gebaut! Schnell sind wir durchs malerische Murtal in Scheifling und hier tanken wir erstmal. Wir entscheiden uns, heute mal nicht über die "Turrach" sondern über den Neumarkter Sattel zu fahren. Wir bleiben also auf der B317 und kurven die zügigen und langgezogenen Kurven hinein nach Kärnten. Durch St. Veit/Glan und Liebenfels gehts nach Feldkirchen/Kärnten und hier hat es erstmals 30°C. Oh, auf so einen Sommertag waren wir nicht vorbereitet! Am Ufer des Ossiachersees wechseln wir auf kühlere Unterwäsche und bewundern die pittoreske Gegend, so viele bunte Blumen und alles grünt schon so prächtig! Wir wollen heute nicht viel Zeit verlieren und nehmen dann für 40 km die A10-Tauernautobahn von Villach nach Spittal a.d.Drau

In Möllbrücke ist die nächste Weggabelung: Drautal oder Mölltal? Heute entscheiden wir uns fürs Mölltal und brausen das wunderschöne und immer enger werdende Tal 50 km bis zum Talschluß in Winklern. Noch schnell das traditionelle Foto "Hubschrauberblick" zurück ins Tal und schon nehmen wir die 3 Serpentinen hinauf und auf der B107 Richtung Lienz laufen die Transalps schon von alleine. Da ist er schon! Der erste und immer wieder beeindruckende Blick vom Iselsberg auf die zerklüfteten Spitzen der Lienzer Dolomiten zwischen den Baumkronen! Um 18:35 Uhr begrüßt uns Sepp am Iselsbergerhof mit einem Schnapserl. Da ist aber viel los heute! Halb Deutschland ist heute am Iselsbergerhof zu Gast und wir dürfen bei Sepps Tochter übernachten. Ein übervoller Grillteller und ein Glas Wein am Rand der Straße zum Großglockner beenden diesen wunderbaren Motorrad-Tag!
Tageskilometer: 426 km

2. Tag: Dolomiten

Heute heißts früh aufstehen, denn wir haben einen Termin! Mit 12°C ist es ziemlich frisch, als wir um 7:00 Uhr frühstücken. Um 8:00 gehts 12 km Richtung Großglockner nach Mörtschach, wo Herr Passler schon auf uns wartet. Didi bekommt in seiner gut ausgerüsteten Werkstatt neue Reifen für die Nordkapp-Tour (Conti Trail Attack + neues Tachoritzel = 230.-). Herr Passler versteht sein Handwerk und schon glänzt die Transalp mit neuen Patschen! Diese Werkstatt ist ein Geheimtipp, wenn ihr in der Region seid und mal was braucht...

Wir lieben das Ambiente, wenn frühmorgens die Natur langsam erwacht, wenn die Wiesen dampfen und die Tiere langsam ihren Tag beginnen! Da dies ein Genußurlaub ist, fahren wir schnell zum Iselsbergerhof zurück und genießen einen Kaffee im Freien. Um 11:00 Uhr wollen wir dann aber doch den Tag nützen und machen uns auf den Weg. Von Lienz bis Sillian sind es zügige 30km durchs Pustertal, unsere Hausstrecke. Hier kennen wir jeden Baum, jedes Bankerl, jede Kurve! In Sillian fahren wir geschwind zum "dm" und kaufen ein paar Kleinigkeiten, die wir zuhause vergessen haben. Und als Gratulation an uns selbst gönnen wir uns in dem winzigen Café hinter dem Kaufhaus eine großartige Bananenschnitte und Mineralwasser, denn es hat fast 30°C bekommen. Was das für eine nette Bedienung war! Hierher werden wir nun öfter kommen!

Bis Dobbiaco sind es nur 20 km und wir freuen uns über wenig Verkehr auf dieser Hauptverkehrsstraße! Gottseidank müssen wir an der Grenze in Innichen nicht lange warten! In Sizilien tagt der G7-Gipfel und alle italienischen Grenzen werden streng kontrolliert. Wir zeigen Respekt vor den eleganten Carabinieri (und grinsen heimlich über die phantasievollen Uniformen der Alpini, martialisches Camouflage und Hut mit langer Feder, der seit 1872 ältesten aktiven Gebirgsjägertruppe der Welt!) und dürfen unbehelligt einreisen, während ein deutsches Auto regelrecht auseinandergenommen wird. 

Über die SS51 "Statale di Alemagna" gehts zügig 30 km durchs Val di Landro bis Cortina d´Ampezzo. Seltsam, hier haben wir mehr Verkehr erwartet! Immer wieder berühren und beeindrucken uns die spitzen Gipfel der Tre Cime (2.999 s.l.m.), der Tofane (3.244 s.l.m.), des Lagazuoi (2.835 s.l.m.) und des Monte Cristallo (3.221 s.l.m.)! Wir wollen endlich wieder mal die Klassiker befahren und so schlängeln wir uns über den Passo di Falzárego (2.105 s.l.m.) und den Passo Valparola (2.192 s.l.m.) Richtung Stern/La Villa. Ok, hier sind also alle Motorradfahrer! Es herrscht höllischer Verkehr und wir bekommen in unserer geliebten "Stüa dal Té" in Corvara keinen Platz mehr, aber das kann unsere Freude nicht trüben! Es ist einfach so schön hier!

Wir entscheiden uns, über den Passo Campolongo Richtung Arabba zu fahren und nach wenigen Minuten und einigen ambitinierten Serpentinen sind wir auch schon unten. In Arabba ist ebenfalls die Hölle los, Motorradfahrer streiten sich mit unzähligen Radfahrern um die letzen verbliebenen schattigen Plätze in den Gastgärten. Das macht uns keinen Spass und so cruisen wir gemütlich Richtung Livinalongo am Col di Lana. Die Geschichte dieses "Blutbergs" finden wir furchtbar und bewegend und wir erinnern uns daran, als wir kurz später in Brenta in einem winzigen Café am Straßenrand auf eine erholsame und längere Kaffee-Toast-Dolci-Mineralwasser-Pause einkehren. Wir freuen uns, dass unser Italienisch schon so gut geht, dass wir uns flüssig mit der Dame des Hauses unterhalten können! Heiß ist es geworden, 31°C, und Angelika tauscht ihre durchnässte Unterwäsche gegen trockene. 

Langsam werden wir müde von den sensationellen Ausblicken und der Hitze hier und wir denken an die Rückfahrt. Über den Passo Falzárego gehts zurück nach Cortina d´Ampezzo. Immer wieder begeistern uns die gemauerten Serpentinen auf den Pass und auch die eine Kurve, die in den Berg gehauen ist. Schon sehr speziell hier! Wir wollen eine andere Strecke zurückfahren und nehmen ab Cortina den Passo Tre Croci (1.809 s.l.m.) und cruisen am Misurina-See entlang bis Schluderbach/Carbonin. Dort leeren wir die Reste gekühlten Getränks aus unseren neuen Thermosflaschen! Was für ein Sommertag! Von hier sind es noch zügige 70 km bis zum Iselsbergerhof, wo wir um 20:00 Uhr verschwitzt ankommen. Deftiges Essen und einige Gläser Bier beenden diesen großartigen Motorrad-Tag!
Tageskilometer: 280 km

 

3. Tag: Pinzgau - Nordtirol

Heute können wir uns am Frühstücksbuffet etwas mehr Zeit lassen und das tun wir auch! Ein toller Sommertag kündigt sich an, als wir um 10:30 Uhr bei 20°C den Iselsbergerhof verlassen. Heute ist Samstag, vielleicht finden wir eine Gegend, wo weniger Verkehr als in den Dolomiten ist? Wir füllen unsere Thermosflaschen mit kaltem Fruchtsaft und los gehts. Wir düsen 27 km die eisblaue Isel entlang und dann an Matrei vorbei bis zum Felbertauern-Tunnel! Oh, das ist so eine schöne Gegend! So viele uralte Holzhäuser, Wasserfälle ringsum und die hohen noch schneebedeckten Gipfel...

Der Felbertauern-Tunnel ist mautpflichtig, 10.-/pro Motorrad. (Aber ein heißer Tipp! Wenn ihr am selben Kalendertag nochmals durchfahrt, dann zeigt das Einfahrtsticket vor. Die 2. Fahrt kostet dann nur 6,50. Also den Bon nicht wegwerfen!)

Auf der anderen Seite wartet der Pinzgau. Zügige und weitgeschwungene Kurven führen 20 km bis Mittersill. Was für ein Motorradhimmel! In diesem kleinen Ort herrscht Baustellen-Chaos, aber wir finden trotzdem die B165, die 30 km durchs Salzachtal nach Krimml führt. Wir wollen die  Krimmler Wasserfälle  besuchen und uns in der ionisierten Luft erfrischen, aber was ist das denn?! Was für ein Disney-Land haben sie denn hierher gebaut? Das haben wir von unserer Motorrad-Tour 2006 ganz anders in Erinnerung! Jetzt gibt es 4 Parkplätze, Besucherzentren, Eingangshalle, Souvenirshops und mannigfaltige Belustigungen. Unzählige Menschen warten in der Hitze auf den Eintritt. Nein, das gefällt uns nicht, wir fahren lieber weiter!

20 km führt die B165 in anspruchsvollen Serpentinen über den Gerlos-Pass in den gleichnamigen Ort. Hier gibt es großartige Ausblicke - auch auf den Wasserfall - und oben am Hochmoor fährt man am Stausee Durlaßboden vorbei. Die Maut ist mit 6.-/pro Motorrad anständig und wir genießen die Spazierfahrt durch diese spektakuläre Gegend! Übrigens hat der Erbauer der Großglocknerstraße Hans Wallack 1960 auch diese Straße gebaut! Auf der anderen Seite schlängelt sich die Straße durch ein enges Tal, vorbei an Tourismus-Hochburgen wie Gerlos und dann hinunter nach Zell am Ziller. Das nördliche Zillertal ist weniger schön und so düsen wir etwa 25 km nördlich bis Strass im Zillertal. Jetzt haben wir aber Hunger! Wir finden eine tolle "Grill-Alm" am Straßenrand und jausnen gute Burger, Bosna und andere leckere Schweinereien. Heiß ist es! Das Thermometer zeigt hier 32°C!

Die vielen Kurven haben uns etwas müde gemacht und so nehmen wir die A12-Inntalautobahn etwa 25 km östlich nach Wörgl. Dort steigen wir in die B170 ein und cruisen durch das schöne aber sehr touristische Brixental an Hopfgarten vorbei bis Kitzbühel. Dieses Wintersport-Mekka zieht auch sommers tausende Touristen an und wir müssen im Stop-and-Go durch dieses Alpen-Disneyland. Hier gefällt es uns nicht. Aber dann wird es wieder einsamer und die Straße steigt an und der Wald am Jochberg spendet ein wenig Abkühlung. Es geht über den netten aber unspektakulären Pass Thurn (1.274 m) und wir sind wieder in Mittersill. Oh, der Ausblick vom Pass ins Salzachtal ist schon sehr genial! Langsam haben wir genug und wir geben auf den letzten 75 km Gas! Durch den Felbertauern-Tunnel gehts die bekannte Strecke an Matrei vorbei wieder bis Lienz und um 19:00 Uhr sind wir zu Hause am Iselsbergerhof.

Heute gibts Cordon Bleu und eine Knödelvariation - genau das Richtige für uns! Der heiße Tag sorgt dafür, dass es auch am Abend noch lange warm ist und wir lassen den Tag auf unserem Lieblingsplatz an der Glocknerstraße ausklingen.
Tageskilometer: 320 km

4. Tag: Lienz - Wien

Schlimm, wie schnell die Zeit vergeht! Wir müssen schon wieder abreisen. Wir zögern den Abschied hinaus, aber um 10:15 Uhr fahren wir dann los. Es hat schon knapp 20°C und heute wird es wieder heiß. Wir geben Gas und cruisen über Winklern und durch das Mölltal ca. 60 km bis Lendorf. Dort bei der großen "Lagerhaus-Tankstelle" kontrollieren wir kurz den Ölverbrauch der Transalps. Alles ok, wir müssen nichts nachfüllen! Sehr wohl nachfüllen müssen wir aber unsere Thermosflaschen, wir werden kühle Getränke brauchen!

Wir fahren die gleiche Strecke zurück wie vor 3 Tagen. Über Villach, am Ossiacher See entlang bis Feldkirchen/Kärnten, St. Veit an der Glan und an der Hirter Brauerei vorbei. Nach 110 km haben wir Hunger und Durst bekommen! Da entdecken wir aus dem Augenwinkel "Krassnitzers Grill-Station" und wir werfen die Anker! Hier bekommen wir um schmales Geld frische Würste, kalte Getränke und das alles unter schattigen Bäumen. Besser gehts nicht! Aber wir können nicht lange bleiben, wir haben noch eine ziemliche Strecke vor uns...

Über Friesach und den Neumarkter Sattel gehts dann nach Scheifling, wo wir uns bei einer kleinen Pause ausschwitzen und kalten Fruchtsaft in uns hineinschütten. Boah, es hat hier 33°C! Wir haben nun langsam genug und nehmen ab Judenburg die S36/S6 Richtung Wien. In Kapfenberg machen wir die letzte Pause und das war auch gut, denn ab dem Semmering und auf der A2-Südautobahn im Großraum Wien entsteht ein Riesenstau und wir haben einfach nur Glück, dass wir dem Rückreiseverkehr halbwegs entspannt entkommen und um 19:00 Uhr Wien erreichen.

Das war nun unser letzter längerer Motorrad-Ausflug vor der Nordkap-Tour und nun freuen wir uns schon auf dieses große Abenteuer!
Tageskilometer: 436 km

 

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zuletzt aktualisiert am 5.10.2017